Im ehemaligen Gefängnis Ebern bekommt wieder einen Biergarten

Nach dem Beschluss in nicht-öffentlicher Stadtratssitzung vom vergangenen Donnerstag kann Bürgermeister Jürgen Hennemann (links) Foto: Tanja Kaufmann/Tanja Kaufmann

Lange standen Hof und Gebäude am Diebsturm leer, nun hat sich ein neuer Pächter gefunden: Es ist ein „Gastronom aus Leidenschaft“, der in Ebern noch ein anderes Projekt anpackt.

Ebern - Bernd Ziegler weiß, wie man die Eberner zum Lächeln bringt. Erst brachte er die „Pandamie“ nach Ebern und sorgte mit fröhlichen Bärengesichtern in den Fenstern für kleine Lichtblicke in dunklen Corona-Zeiten (die Neue Presse berichtete), nun bringt er auch noch die Gastlichkeit zurück in das ehemalige Gefängnis in der Eberner Rittergasse: Der 49-Jährige übernimmt die Pacht und will schon in wenigen Wochen den Biergarten am Fuße des Diebsturm mit neuem Konzept eröffnen. Damit holt er Hof und Gebäude aus einem Dornröschenschlaf, in den das historische Ambiente zuletzt verfallen war.

Bernd Ziegler weiß auch, was auf ihn zukommt. Viel ist nicht zu nutzen aus dem bestehenden, aber nunmehr seit Jahren ruhenden Betrieb im ehemaligen „Freigang“. Ein paar Edelstahltische, eine kleine Küchenabluft. Viel Sperrmüll räumen die Mitarbeiter des Städtischen Bauhofs am Dienstag aus Hof und Gebäude, die Mulde füllt sich im Minutentakt. Auch Bernd Ziegler juckt es schon in den Fingern: Gleich will er wieder seine Arbeitsklamotten überziehen und mitanpacken. Man sieht ihm an, dass er lieber heute als morgen loslegen möchte.

Gebäude mit Geschichte

Begeistert ist der 49-Jährige von der Substanz und dem Ambiente, das der historische Ort bietet. „Das Gebäude ist der einzige architektonische Zeuge aus der Regierungsphase von Großherzog Ferdinand von Toskana“, strahlt er und deutet auf das Gebäudeportal, über dem heute noch das Wappen des Großherzogs prangt. Landesherr des Großherzogtums Würzburg war jener Ferdinand in den Jahren 1806 bis 1814, auf 1811 datiert das ehemalige Gefängnis. Bis dahin wurden Straffällige in den schräg gegenüber liegenden Diebsturm geworfen. Der Gefängnishof selbst gelangte zu unrühmlicher Bekanntheit, als im April 1945, kurz vor Kriegsende, vier junge Landser wegen angeblicher Fahnenflucht von Nazi-Schergen erschossen wurden.

Ungleich freudigere Verwendung erfuhren Hof und Gefängnis vor einigen Jahren durch die Verwendung als Gaststätte. Dafür stellte die Stadt Ebern einen Erbpachtvertrag aus, um für beide Seiten eine dauerhafte Verbindung einzugehen, so die Hoffnung. Fünf Jahre später war die Liaison vorbei, doch die Trennung war nicht einvernehmlich. Seit Herbst 2018 dauert der Streit um das Vertragsende an, erst im Mai dieses Jahres kam es vor dem Amtsgericht in Bamberg zu einem sogenannten Gütetermin. Der bisherige Pächter verzichtete auf eine Ablöse für investierte Maßnahmen, die Stadt auf ausstehende Zahlungen für Betriebskosten und Miete für die nicht genutzte Zeit. Am 11. Juni konnte der Erbpachtvertrag schließlich notariell aufgehoben werden: Grünes Licht also für eine erneute Ausschreibung. Ein potenzieller Nachfolger hatte bereits den Zuschlag des Stadtrates, wegen persönlicher Gründe dann aber zurückgezogen.

Erfolgreiche Ausschreibung

„Erst haben wir uns überlegt, für diesen Sommer kurzfristig noch einen ,Pop-Up-Biergarten‘ aufzuziehen“, sagt Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann. Gemeinsam mit den Vereinen, so war die Idee, doch die wollten der gebeutelten Gastronomie nicht in den Rücken fallen. Erfolg hatte dann in kurzer Zeit die Ausschreibung, auf die sich fünf Bewerber gemeldet und zwei von ihnen mit einem Konzept vorgestellt hatten. Das Rennen im Hauptausschuss machte schließlich Bernd Ziegler mit einem „runden Konzept“, wie der Bürgermeister lobt, das verspreche, dauerhaft Leben in das alte Anwesen zu bringen. Das Konzept überzeugte am vergangenen Donnerstag auch den Stadtrat, der dem gebürtigen Eberner in nicht-öffentlicher Sitzung den Zuschlag erteilte.

Keine Erbpacht mehr, „wir haben daraus gelernt“, wie der Bürgermeister schmunzelt, doch mit einer Pachtdauer von zehn Jahren plus Verlängerungsoption ausgelegt auf eine langfristige Zusammenarbeit. „Das war mir auch sehr wichtig“, sagt Bernd Ziegler. Denn der 49-Jährige ist gekommen, um zu bleiben. Ziegler stammt aus einer Eberner Zahnarztfamilie, hier hat er auch sein Abitur gemacht, ehe er seine Heimatstadt verließ, um in München den Grundstein für seine Karriere in der Gastronomie zu legen. Gelernt hat er im Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski, 1995 machte sich der Jung-Gastronom dann erstmals selbständig und leitete in den Folgejahren mehrere Münchner Szene-Lokalitäten. 2012 zog es ihn dann noch südlicher bis nach Kroatien und war als Betriebsleiter der Carpe Diem-Gruppe in Hvar tätig. Ein guter und rentabler Job an einem wunderschönen Fleckchen Erde, doch jetzt, so kurz vor der runden 50 im eigenen Lebenslauf, da zieht es den Franken wieder in die Heimat. Ein Projekt hat er bereits in Angriff genommen, mit dem Kauf des alten Schlimbachhauses am Eberner Marktplatz, das er gerade zu einem kleinen Hotel mit Bar umbaut und 2023 auf eine Eröffnung hofft. „Goldschmitt“ soll es heißen, schließlich war hier einmal eine Kupferschmiederei ansässig. Und auch das neue Projekt in der Rittergasse soll einen würdigen Namen bekommen, in dem die dunkle Vergangenheit nicht mehr anklingt: „Herzog“ soll das Kind heißen, „Bier & Wein“. Nach dem alten Ferdinand natürlich, dessen Wappen über der Tür hängt, und irgendwie passt es auch zum „Bernd, der her-zog“, wie Ziegler schmunzelt.

Gastronom aus Leidenschaft

Er sei seit mehr als 30 Jahren ein Gastronom aus Leidenschaft, sagt er. Muss er gar nicht, denn man merkt es. Man sieht es an seinen glänzenden Augen, wenn er sein Konzept vorstellt, hört es, wenn er von seinen Ideen spricht, die teilweise noch Zukunftsmusik sind. Erst einmal startet der „Herzog“ mit einem Biergarten, wenn alles gut geht, bereits Ende August. Biergartenbetrieb soll den Frühling und den Sommer füllen, ganz klassisch mit Bedienung wie Selbstbedienung, „vielleicht sogar ganz klassisch, dass man die Brotzeit auch selbst mitbringen darf“, sagt Bernd Ziegler. Dazu kommen zwei Buden, wie auf dem Weihnachtsmarkt, aus der einen werden duftende Hähnchen und knusprige Steckerlfische gereicht, aus der anderen gibt es Waffeln und Reibekuchen, für die „Schleckermäuler“, wie Ziegler lacht. Es soll eben für jeden etwas dabei sein, nicht nur das klassische Bier – bei dem er gerne mit mehreren Brauereien aus dem Umland kooperieren würde, sondern auch guter Wein und der eine oder andere „Lady’s Drink“. Auch glutenfreies Bier oder vegane Gerichte sollen (auch) neue Wege in der Gastronomie zeigen.

Im Winter Eisstockschießen

Die Besonderheit an seinem Konzept: Es soll das ganze Jahr tragen. Und so wandelt sich der gemütliche Biergarten im Herbst und Winter zum „Zauberwald“, erhält Stehtische, Feuerschalen und Tannenbäume, ein bisserl Romantik halt. Und als Sahnehäubchen plant der Gastronom eine ökologische Kunsteisbahn von zwei mal zwölf Metern – zum Eisstockschießen und damit noch mehr Geselligkeit. Seine Zielgruppe? „Jeder, der in Ebern gerne weggeht“, fasst Bernd Ziegler kurz und knapp zusammen: „Und sich gerne kulinarisch verwöhnen lassen und dabei aufs Ambiente Wert legen.“

Für Speisen und Getränke will sich Ziegler an Hofläden und Direktvermarkter der Region wenden, das Ambiente soll von viel Licht und hellem Holz profitieren. Im stark umbaubedürftigen Inneren sind kleine, variable Sitzgruppen angedacht, auch der Biergarten soll vor allem gemütlich werden. Zu Ehren kommt dann endlich der prächtige Unterstand gleich rechts am Eingang, wie geschaffen für romantische Sitzgelegenheiten, wie Bernd Ziegler findet.

Im Hauptgebäude sind erst einmal nur die Toiletten zugänglich, an den Umbau dort will sich der Gastronom dann machen, wenn die Biergartensaison vorbei ist. Eine Eröffnung der Gaststätte selbst ist dann auf Anfang März angedacht. Und Ziegler will auch selbst einziehen und sich die kleine Wohnung im Obergeschoss herrichten.

Auch an mögliche Öffnungszeiten ist schon gedacht: Mai bis September 17 bis 23 Uhr, an Sonn- und Feiertagen auch schon ab 11 Uhr. An diesen Tagen sollen dann auch kleine kulturelle Events oder Frühschoppen stattfinden: Jazzbrunch, Blaskapelle oder Liedermacher – „ich bin da ganz offen“, sagt Bernd Ziegler. Wie beim kulinarischen Angebot müsse man auch hier einfach schauen, „wo Bedarf da ist“.

Angst, dass nun Münchner Schickimicki in die Stadt einzieht, müssen die Eberner übrigens nicht haben. „Das wird eine ganz hemdsärmelige Wirtschaft werden“, verspricht Bernd Ziegler. Er lacht und krempelt sich selbst die Ärmel hoch – schließlich ist noch einiges zu tun, wenn in drei, vier Wochen die ersten Gäste auf der Matte stehen sollen.

Mehr Infos gibt es bald auf der eigenen Homepage www.herzog-ebern.de sowie unter „Herzog Ebern“ auf Facebook und Instagram.

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