Im Maxhaus Nordhalben Skurrile Wesen und Bilder aus dem Jenseits

Norbert Neugebauer

Ein fantasievolles Ende nimmt die Saison im Maxhaus in Nordhalben. Dafür sorgt das Leipziger Künstlerpaar Claudia Biehne und Stefan Passig.

Nordhalben - Das Leipziger Künstlerduo Claudia Biehne und Stefan Passig setzt ein dickes Ausrufezeichen unter die diesjährigen Werkaufenthalte und damit verbundenen Ausstellungen im Nordhalbener „Maxhaus“. Bis Sonntag ist es noch geöffnet.

Claudia Biehne dreht laut raschelnd Zeitungspapier zu Würsten und formt damit und mit Paketklebeband meterhohe Objekte, kugelig, birnen- oder pilzförmig. „Grundformen für späteres?“, fragt der Besucher. „Nein, Volumen für das, was werden kann“, antwortet die temperamentvolle Leipzigerin.

Zusammen mit ihrem Partner Stefan Passig arbeitet sie noch diese Woche im Nordhalbener Maxhaus und gibt sich dabei der Inspiration für größere dreidimensionale Arbeiten hin, die ihr übliches Maß sprengen. „Befreiend, ohne Reglementierung“, lacht sie, da sonst die Größe des Brennofens das Maximum vorgibt. Es sind zunächst organische Formen, Blüten oder Knospen vielleicht, die jedoch möglicherweise zu ganz anderen Ergebnissen reifen. „Es könnte auch ein Probelauf für Künftiges sein“, kommentiert sie. Ebenso gehe sie bei ihren Porzellanskulpturen oft nur von einer Grundidee aus. Das weitere entwickle sich; nach den keramischen Arbeiten erfolgen der Farbauftrag und meist mehrere Brände. Dazwischen ergänzt sie das Werk mit weiteren Farben und oftmals Keramiksplittern, die dem Endprodukt eine intensive Haptik verleihen.

Handwerkliche Meisterschaft

So haben auch die Wandtafeln, teilweise als Tableau angeordnet, Reliefcharakter. Einige Skulpturen sind reinweiß, hauchfeine Röhren und filigrane Strukturen in der Garnitur zeigen die handwerkliche Meisterschaft im Umgang mit dem sehr speziellen porzellinen Werkmaterial.

Das weit gereiste Künstlerpaar nahm einen interessanten Querschnitt der aktuellen Arbeiten mit nach Nordhalben. Dieser ist als mobile Ausstellung im Werkraum des Nordhalbener Künstlerdomizils zu sehen. Die renommierte Künstlerin überlässt es dem Betrachter, die Werke zu interpretieren. Affinitäten zu Wasserwesen, vielarmigen prähistorischen Geschöpfen und Korallenblöcken, aber auch maritimen Szenerien sind jedoch offensichtlich. Solche und andere Objekte haben mittlerweile den Weg in zahlreiche Schauen und Museen weltweit geschafft, bei der großen Kunst-Biennale in Venedig und anderen renommierten Kunstveranstaltungen durfte Biehne ausstellen. Auch im Glasmuseum in Rödental ist sie vertreten. Bisherige Krönung war die Einladung zum Ceramic-Festival in Mino, Japan, mit dem überraschenden Gewinn des Jurypreises. Die Künstlerin hat ihr Atelier in der berühmten Leipziger Spinnerei, die als Hotspot der neuen deutschen Kunstlandschaft weltweit bekannt ist.

Private Aufnahmen

Dass sie den Kopf frei hat für ihr Schaffen, ist seit 2007 der Kooperation mit Stefan Passig zu verdanken, der auch ihr Lebenspartner ist. Er kümmert sich um Organisation und Marketing, ebenso um mediale Darstellung der Arbeiten. Die eigenen künstlerischen Ambitionen des studierten Fotografen wurden seither zurückgestellt, bei seinem früheren Projekt „Nah-Distanz“ habe er sich die Flügel verbrannt, gibt er zu verstehen. Doch mit den Werkaufträgen im familiären Kunstbetrieb und den Ausstellung-Reisen sind offensichtlich die Lust am fotografischen Schaffen und die Kreativität zurückgekehrt. So hat er in Nordhalben besondere Orte gesucht, vor oder in denen er Arbeiten seiner Partnerin in Szene setzt. Einige bisher private Aufnahmen ergänzen die Objektschau im Künstlerhaus, die erst auf den zweiten Blick als reale, unbearbeitete Fotos zu erkennen sind. Das Flüchtige tritt noch weit deutlicher und teilweise dramatisch in Erscheinung, wenn Passig seine „Geistermappe“ öffnet. Gesichter, oft nur konturenhaft oder rudimentär bis hin zur fast völligen Auflösung, die er an einem besonderen Ort aufgenommen hat – der Toteninsel von Venedig.

Diese Bilder aus einer anderen Welt, die in Nordhalben entstandenen Aufnahmen sowie Videos aus der Werkschau der Partnerin sind in abendlichen Projektionen auf das Schaufenster des Maxhauses ab 19 Uhr zu sehen, abschließend am Sonntag, 24. Oktober. Das Künstlerpaar lässt sich bei Einzelbesuchen ab 17 Uhr bei der Arbeit über die Schulter schauen und erzählt auch gern mehr zu den Fabelwesen und Geistern, die noch bis Sonntag das „Maxhaus“ bevölkern.

 

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