Immobilienboom Coburg: Eigenheim dringend gesucht

Der Bedarf nach Wohnungen und Häusern in Coburg ist groß. Makler koordinieren nicht nur Termine, sondern achten auch auf Infektionsschutz.

Baugrundstücke und freie Häuser sind rar im Raum Coburg. Sie stehen nicht lange leer. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann camera 900

Coburg - Gerade einmal drei Tage war das schmucke Einfamilienhaus mit großem Grundstück auf dem Markt, dann hatte es einen neuen Besitzer gefunden. In bester Coburger Lage am Stadtrand, man sagt, drei Interessenten hätten den Preis sogar noch in die Höhe getrieben, ehe bei knapp einer Million der Hammer fiel. Wer den Immobilienmarkt in der Vestestadt beobachtet, den wundert das nicht. Denn das Angebot ist begrenzt, das Interesse groß.

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Das bestätigt auch Stefanie Lindner, Immobilienberaterin bei der Sparkasse Coburg-Lichtenfels. Sie hat beobachtet, dass die Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Häusern derzeit besonders hoch ist. „Einerseits suchen Eigennutzer gerade in Lockdown und Homeoffice-Zeiten ein passendes und eventuell größeres Zuhause“, sagt sie. Andererseits haben Kapitalanleger Interesse an einer soliden Anlagemöglichkeit aufgrund der aktuellen Zinssituation und drohender Verwahrentgelte. Für die Makler bedeute die Pandemie ein ganzes Stück mehr Arbeit, der Hygienestandard sei hoch. Wie sich die Preise für Neubau und Sanierung entwickeln sei derzeit nicht absehbar, auch mit Blick auf die Verzögerungen, welche bei Materiallieferungen pandemiebedingt derzeit teils auftreten.

50 bis 100 Mal klingelt normalerweise pro Tag das Telefon bei der Immobilienabteilung der VR Bank Coburg. Käufer suche nach einem neuen Zuhause, Vermögende nach einer guten Geldanlage und Verkäufer wollen Beratung und Vermittlung. Doch nach dem ersten Shutdown im März 2020 blieben die Leitungen plötzlich rund sechs Wochen still. Erst als Kontaktbeschränkungen gelockert wurden, meldeten sich auch wieder Interessenten. „Im zweiten Lockdown ging das Geschäft nahtlos weiter“, berichtet Michael Holder, geschäftsführender Gesellschafter der VR Bank in Coburg und zuständig für den Immobilienbereich.

Am Anfang der Pandemie haben er und seine Mitarbeiter viele Videos von Häusern und Wohnungen gedreht, doch er sieht diese Filme nur als einen Baustein im Immobiliengeschäft zu Pandemiezeiten. „Niemand kauft eine Immobilie ohne drin gewesen zu sein“, sagt er. Lichtverhältnisse und Gefühle spielen bei Kaufentscheidungen eine große Rolle, weiß der Experte. Etwa 70 bis 80 Prozent der Objekte, die die Bank vermittelt, sind ohnehin unbewohnt. Da gibt es keine großen Probleme bei Besichtigungen. Dennoch versuchen die Makler derzeit, persönliche Treffen möglichst gering zu halten. „Wir sprechen bewusst an, was die Immobilie nicht kann, machen auch Fotos von negativen Dingen und geben jetzt die Adresse vorher heraus, damit sich Interessenten schon mal alleine das Umfeld ansehen können“, so Holder. Denn oftmals komme ein Objekt ohnehin nicht infrage wenn die Interessenten sehen, dass es beispielsweise neben einem Friedhof oder Kindergarten liegt.

So fallen zwar Termine weg, diese Zeit fließt aber in die Vorbereitung und Erstellung von Bildern. Auch ist die Auswahl der Objekte, die dann wirklich besichtigt werden, auf diese Weise noch genauer als früher auf die Erwartungen der Kunden zugeschnitten. „Oft wird dann nach drei bis vier Besichtigungen schon gekauft“, sagt der Fachmann. Die Nachfrage sei, auch bedingt durch die niedrigen Zinsen, weiterhin sehr groß und das Angebot in Coburg begrenzt. Holder hat ein Konzept für risikoarme Besichtigungen in Coronazeiten erarbeitet. So bleiben Türen etwa immer offen stehen, damit kein Kontakt stattfindet und frische Luft hereinkommt. Maskenpflicht herrscht ohnehin und auch auf Abstandsregeln wird genau geachtet.

Auch bei Wohnungsbesichtigungen gelten die jeweils aktuellen Kontaktbegrenzungen. Bei Besichtigungen von noch genutzten Räumen müssen die Bewohner ohnehin erst einwilligen, dass sich die potenziellen Nachmieter oder Käufer die Wohnung anschauen. „Sofern dabei die Kontaktbeschränkungen nicht eingehalten werden können, weil beispielsweise ein Makler dabei ist, müssten die aktuellen Bewohner einverstanden sein und die Wohnung für einige Zeit verlassen“, so Corinna Rösler, Pressesprecherin im Coburger Landratsamt. Immerhin wird nun der Job für Makler wieder etwas leichter, denn angesichts der immer weiter sinkenden Inzidenzen werden die Infektionsschutzvorschriften zunehmend gelockert.