Innenstadt Coburg Vom Platz zum Wohnzimmer

Trist lässt derzeit nicht nur das Wetter den Freiherr-von-Stockmar-Platz in Coburg wirken. Das soll sich bald nicht nur hier ändern. Foto: /Frank Wunderatsch

Im Zentrum der Vestestadt sollen ausgewählte Plätze mit Pflanzen, Bänken, Kunstwerken und Wasser aufgewertet werden. Auch Coburgs Stadtbibliothek erwartet eine Veränderung.

Coburg - Nicht erst durch den Beginn der Pandemie, vor allem aber seitdem, wissen viele Bewohner in Coburgs Innenstadt, um die Vorzüge eines Balkons und eines Streifens Garten an Haus oder Wohnung. Wer das nicht sein eigen nennen konnte, dessen Leben beschränkte die Pandemie während der vergangenen zwei Jahre meist auf Schlaf- und Wohnzimmer sowie Küche. Denn Plätze im Grünen sind in Coburgs Altstadt kaum zu finden – noch. Das soll sich nun ändern, haben die Mitglieder des Stadtrats während ihrer Sitzung am Donnerstag beschlossen.

Noch kann man die am Freiherr-von-Stockmar-Platz gewachsenen Bäume neben dem Parkhaus Mauer zwischen Webergasse und Mauer an einer Hand abzählen. Künftig soll dort ein Mehr an „grüner und blauer Infrastruktur“ geschaffen werden, heißt es in der Beschlussvorlage. Demnach biete der Brunnen, der mehr quellt als fließt, zwar Potenzial, dennoch hab das Parkhaus Mauer wenig Aufenthaltsqualität. Die Treppe Richtung Innenstadt – derzeit kantig und eckig – sei in Frage zu stellen, heißt es. Barrierefreiheit am Bindeglied zwischen Judenvorstadt und Altstadt wolle man demnach aufzeigen. Die Stadt strebt nun laut Vorlage eine „vorbildhafte Umgestaltung“ des Platzes im Sinne des klimagerechten Städtebaus an.

Im steinernen Zentrum

Diese solle ab September geplant, der Platz zwischen 2023 und 2024 erneuert werden, heißt es in der Vorlage. Kosten solle das demnach 950 000 Euro, der Fördersatz des Bayerischen Bauministeriums dafür liege demnach bei 80 Prozent.

Das Mauer-Areal soll Vorbild für neun weitere Plätze in Coburg sein. Die Stadt möchte laut Vorlage ein sogenanntes Grünes Netz aus Orten schaffen, an denen künftig Anwohner, Touristen und Bummler gerne die ein oder andere Minute mehr in Coburgs Altstadt verbringen werden. Ausgesuchte Plätze, wie unter anderem eine Fläche an der Mohrenbrücke sowie an der Rosengasse, der Salvatorfriedhof, der Schlossplatz und Salz- sowie Gemüsemarkt sollen demnach zu einem zeitgemäßen Flair im „steinernen“ Stadtzentrum beitragen. Dafür möchte man dort sogenannte mobile Grünstrukturen, flexible Sitzgelegenheiten und generationengerechte Spiel- und Bewegungsanlagen schaffen, heißt es. Man möchte laut Vorlage auf eine saisonale Nutzung achten. Heißt, je nach Jahreszeit sollen Bestandteile der Plätze weg- und wiederherräumbar sein. Zudem möchte man demnach auf das Netzwerk des Kunstvereins zurückgreifen, um die Plätze durch zeitlich befristete Kunstinstallationen aufzuwerten. Zudem soll das Grüne Netz aus schattenspendende und kühlenden Elementen bestehen, heißt es. Damit möchte man laut Beschluss auf zunehmende Hitzeperioden in Zuge des Klimawandels reagieren. Ab Oktober sollen die Plätze demnach geplant und deren Bestandteile zwischen 2023 und 2024 aufgebaut werden. 450 000 Euro möchte die Stadt sich das kosten lassen. In diesem Fall liege der Fördersatz des Bayerischen Bauministeriums bei 80 Prozent.

Zeitgemäße Ansprüche

Zudem möchte die Stadt durch eine Studie herausfinden, wie sich die Stadtbücherei „neu erfinden“ kann, heißt es in der Vorlage. Denkbar sei demnach, dass die Einrichtung ihre Bücher künftig nicht mehr nur in einem Gebäude zur Ausleihe anbietet, sondern innerhalb eines sogenannten Baufelds, bestenfalls in den Räumen leer stehender Erdgeschossräume in der Altstadt. In den „in städtebaulichen Zusammenhang stehenden“ Häusern und ihren Außenräumen sollen die Mitarbeiter der Stadtbücherei laut Beschluss etwa Treffs, Veranstaltungen und ein Café organisieren. Man möchte demnach zeitgemäße barrierefreie Aufenthaltsorte schaffen, in denen auch Vorträge der Volkshochschule abgehalten oder Instrumente erlernt werden könnten.

Die Studie soll laut Beschluss Vor- und Nachteile gegenüber einem Neubau für die Stadtbücherei darstellen. 160 000 Euro soll sie demnach kosten und die Bauarbeiten sollen 2025 beginnen. Ein Viertel davon bezahle demnach die Stadt, den Rest das Bundesbauministerium. Um Coburgs Stadtbücherei umzugestalten, habe man vergleichbare Einrichtungen etwa in Bayreuth und Gotha betrachtet, sagte Mechthild Neumann, Mitarbeiterin des Bauamts. Wie wichtig eine Stadtbücherei sei, habe die Pandemie gezeigt, ergänzte sie. Die Studie sei demnach notwendig, da das Gebäude der Bücherei umgebaut werden müsste, um zeitgemäßen Ansprüchen gerecht zu werden. Fluchtwege und Barrierefreiheit nannte Neumann als Aspekte, die nachgebessert werden müssten.

Grundlage von 2008

Das Vorhaben, mehr Orte zum Verweilen in der Altstadt zu schaffen, ist laut Neumann langfristig. Die Bestandteile der Plätze sollen demnach kurzfristig aufgebaut und vielseitig einsetzbar sein. Grundlage dafür sei ein Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahre 2008, sagte sie. Man möchte eine Lösung finden, wie künftig Räume geschaffen sein sollen, die ansprechend für die Stadtgesellschaft sind und zudem die Erwärmung einer Stadt mindern, ergänzte sie.

Grünen-Stadtrat Wolfram Haupt wies darauf hin, dass zudem Spazierwege zwischen den Plätzen grüner als bisher gestaltet werden könnten. Er verspricht sich davon eine Aufwertung der Plätze. Die Pläne für die Plätze ist laut SPD-Stadträtin Petra Schneider eine Chance. „Wo Menschen sind, kann womöglich der Einzelhandel gehalten werden“, sagt sie.

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