"Vereinen und verbessern"
"Unser Ziel war schon immer – und wird es auch immer sein – zu vereinen und zu verbessern. Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt", erklärte Infantino kleinlaut. "In den kommenden Tagen und Wochen möchte ich alle beteiligten Parteien wieder zusammenbringen - im gemeinsamen Interesse unseres Sports und mit dem Ziel, den Fußball weltweit weiter voranzubringen, insbesondere in den Ländern, die unsere Unterstützung am meisten brauchen."
Mit dem Projekt habe er die Mitgliedsverbände stärken wollen, erklärte Infantino. Zur Umsetzung wäre es ohnehin nur gekommen, wenn eine Mehrheit dem Projekt zugestimmt hätte.
Infantino ist nicht das erste Mal mit einem zuvor nie erlebten Ausverkauf von FIFA-Rechten gescheitert. 2018 warb er für einen Investoren-Deal für die Vermarktungsrechte an einer neuen Club-WM mit 24 Teams sowie einer globalen Nations League mit einem Finalturnier kontinentaler Champions. Es ging um die stolze Summe von 25 Milliarden Dollar. Daraus wurde nichts.
Die Unterstützung bröckelt auch intern
Diesmal erlebte Infantino wieder einen im Höchsttempo ansteigenden Druck. So hatte die UEFA nicht nur die Pläne kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. "Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen", beschied die UEFA.
Sie legte nach dem Ende der Investorenpläne sogar nach. "Dies ist ein Sieg für den gesamten Fußball. Doch es darf nicht das Ende der Geschichte sein. Der Vorschlag ist vom Tisch. Die Aufgabe, das Vertrauen in die FIFA wiederherzustellen, hat jedoch gerade erst begonnen", teilte die UEFA in einem Saubermann-Ton mit, den sie selbst nicht immer erfüllen kann.
Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Concacaf sowie der asiatische Fußballdachverband AFC gingen auf Distanz zu Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische Fußballverband Conmebol bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position und erklärte, die Pläne weiter zu prüfen und forderte zusätzliche Informationen der FIFA an.
Auch innerhalb des Prachtbaus auf dem Zürichberg bröckelt die Unterstützung für Infantino. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf dem 56-Jährigen vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Ein hochrangiger Berater Infantinos, Carlos Cordeiro, trat aus Protest gegen die Pläne zurück.
Infantino steckt in der Krise
Auch die Weltpresse urteilte hart: "Gianni Infantino hat eine demütigende Niederlage erlitten", schrieb die "Daily Mail" in England. "Infantino kuscht nach Aufstand", meinte der Schweizer "Blick". "L'Equipe" in Frankreich schrieb: "Mit seinem Plan, die Weltmeisterschaft teilweise zu verkaufen, hat FIFA-Präsident Gianni Infantino so viel Widerstand wie noch nie erfahren. Seit seiner Wahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbandes im Jahr 2016 ist Infantinos Position noch nie so stark erschüttert worden. Der Verband steckt nun in einer Krise."
Mittendrin ist Infantino. Der würde gerne beim 77. FIFA-Kongress im März nächsten Jahres in Rabat (Marokko) ein weiteres und letztes Mal für vier Jahre gewählt werden. Mit Kritik und Gegenwind kennt sich der Strippenzieher aus. Wie geschwächt aber ist seine Position nun wirklich? Konnte er mit dem abgeblasenen Investorenplan seine Rivalen noch einmal halbwegs milde stimmen? Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen für die Wahl zum FIFA-Präsidenten einreichen.