Könnte GPS irgendwann abgelöst werden?
Ja. So gibt es etwa Versuche, mit Hilfe von Magnetfeldern der Erde zu navigieren wie Zugvögel oder Wale es tun, oder Positionen mit Hilfe von Mobilfunknetzen zu bestimmen. Entwickler arbeiten auch an verschlüsselten GPS-Varianten. Das US-Militär nutzt ein neueres GPS namens "M-Code", das weniger anfällig ist für Störungen.
Die vier großen Satellitensysteme sind derzeit GPS (USA), Beidou (China), Galileo (EU) und Glonass (Russland). Moderne Chips können Signale von allen vier Systemen empfangen. Es dreht sich aber um viel mehr als nur Standorte: GPS schickt auch sehr genaue Signale zur Uhrzeit, die im Finanzverkehr, der Telekommunikation und in Stromnetzen genutzt werden.
Seeleute greifen bei Störungen meist wieder auf klassische Mittel zurück und navigieren mit Seekarte, Radar oder der Position von Sternen.
Wie machen sich GPS-Störungen im Alltag bemerkbar?
Im Iran gehören GPS-Störungen seit Jahren zum Alltag. Vor allem Autofahrer in der Millionenmetropole Teheran klagen über Einschränkungen, wenn Signale ihren Standort teils an völlig anderen Orten in der Hauptstadt oder mehrere Kilometer außerhalb anzeigen. Während des Kriegs führte das mitunter dazu, dass Taxifahrer Adressen oder ihre Fahrgäste nicht fanden. Auch in der libanesischen Hauptstadt Beirut klagten Anwohner, dass ihr Standort plötzlich in Ägypten oder Jordanien angezeigt wurde.
Teheran liegt am Fuß des Albors-Gebirges. In den Tälern und auf bekannten Wanderrouten kommt es häufig zu ähnlichen Störungen. Viele Menschen im Iran zweifeln an der Wirksamkeit der militärischen Störmaßnahmen und gehen davon aus, dass Israel oder die USA ohnehin fortschrittlichere Systeme zur Zielerfassung nutzen. Die Störungen schadeten vor allem der Bevölkerung im Alltag, lautet ein häufiger Vorwurf.
Störungen gibt es auch in den verfeindeten Nachbarstaaten Israel und Libanon, wo die israelische Armee GPS Jamming zum Schutz vor Hisbollah-Angriffen einsetzen soll. In beiden Ländern stellten Nutzer von Dating-Apps verwundert fest, dass ihnen Profile von Usern jenseits der Grenze angezeigt wurden. Ein Date oder gar eine Beziehung mit Bewohnern des jeweils anderen Landes wäre für die meisten Menschen dort aber undenkbar - und Treffen wären auch nur schwer machbar.