Regierung lässt mehr Rüstungsexporte zu
Zur Partnerschaft gehöre, dass man gegenseitiges Vertrauen aufbaue, sagte Merz. "Das gilt auch bei Rüstungsexporten." Die Bundesregierung habe beschlossen, hier weniger restriktiv als in der Vergangenheit und vor allem berechenbarer zu sein. "Unsere Partner sehen das als ein wichtiges Signal unserer Zusammenarbeit."
Es wird bei der Reise zwar keine Abschlüsse geben, aber die Gespräche darüber stehen ziemlich weit oben auf der Agenda. Waffenexporte in die drei autokratisch geführten Länder wurden wegen der Menschenrechtslage und Beteiligung an regionalen Konflikten wie dem Jemen-Krieg von früheren Bundesregierungen lange Zeit sehr zurückhaltend gehandhabt. Für Saudi-Arabien galt sogar jahrelang ein Stopp von Rüstungsexporten.
Gelockert wurde der Kurs schon von der Ampel-Regierung, die Anfang 2024 den Weg für den Export weiterer Eurofighter an Saudi-Arabien frei machte. Auch am Transportflugzeug A400M von Airbus besteht dort seit längerer Zeit Interesse. Das gilt auch für die Vereinigten Arabischen Emirate. Katar ist bereits guter Kunde der deutschen Rüstungsindustrie und hat zuletzt eine Lieferung von Boxer-Schützenpanzern erhalten.
Golfstaaten sind strategisch interessant
Seit den arabischen Aufständen von 2011 sind die traditionellen Machtzentren der arabischen Welt wie Kairo oder Damaskus an den Golf gewandert – nach Saudi-Arabien, in die VAE und nach Katar. In den beiden größten laufenden Konflikten – also Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und Israels Konflikt mit der Hamas im Gazastreifen – sind sie wichtige Stimmen oder auch direkt an Verhandlungen und an Vermittlung beteiligt.
So soll in Abu Dhabi, der Hauptstadt der VAE, unmittelbar vor dem Eintreffen von Merz die nächste Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der USA stattfinden. Katar spielt im Gaza-Konflikt eine zentrale Rolle und hilft Deutschland mit seinen guten Kontakten zu den islamistischen Taliban bei der Rückführung von Straftätern nach Afghanistan.
Iran-Konflikt wird wichtiges Thema der Reise
Merz kommt zu einer Zeit in die Golfregion, in der dort die Kriegssorgen groß sind. Im Zentrum steht der Iran. US-Präsident Donald Trump hat der Staatsführung in Teheran mehrfach mit Militärschlägen gedroht, auch wegen des brutalen Vorgehens staatlicher Kräfte gegen Demonstranten bei den jüngsten Massenprotesten. Das US-Militär hat seine Präsenz in der Region deutlich ausgebaut.
Merz drohte der Führung im Iran mit neuen Sanktionen, sollte sie nicht die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung und die Arbeit am militärischen Atomprogramm beenden. "Wir sind bereit, den Druck auf Teheran weiter zu erhöhen", sagte er vor dem Abflug.
Der Kanzler stellte drei konkrete Forderungen: "Die Gewalt des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung muss sofort aufhören." Der Iran müsse zweitens sein militärisches Nuklearprogramm einstellen. "Es darf keine ballistischen Raketen gegen Israel oder die Golfstaaten aus dem Iran geben." Und drittens müsse der Iran seine destabilisierenden Aktivitäten in der Region endlich beenden.
Kanzler will auch über Menschenrechte sprechen
Menschenrechtsfragen spielen heute keine so große Rolle mehr wie früher. Merz will sie aber nach eigenen Angaben thematisieren. Er betonte, die Bundesregierung sei nicht unkritisch. "Aber wir stellen die Golfstaaten nicht unter Generalverdacht. Wo wir Probleme sehen, suchen wir das Gespräch und sprechen die Themen an." Das gelte auch für Menschenrechtsfragen. Die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien wird von Organisationen wie Amnesty International aber weiterhin als schlecht beschrieben.