Diesmal aber kündigte der Skeleton-Pilot seine Aktion vorher an und ging offen auf Konfrontationskurs mit dem IOC. Mehrfach versuchten IOC-Vertreter hinter den Kulissen, den Eklat zu verhindern, boten Heraskewytsch andere Bühnen an, sein Anliegen zu präsentieren. "Nur für die eine Minute des Wettbewerbs hatten wir ihn gebeten, es nicht zu tun", sagte IOC-Sprecher Mark Adams.
Deutsche Olympia-Teilnehmer zeigten ihr Mitgefühl mit Heraskewytsch. "Es ist schade, dass er sich hier seinen olympischen Wettkampftraum nicht erfüllen kann", sagte der dreimalige Rodel-Olympiasieger Felix Loch der Deutschen Presse-Agentur. Im ZDF beschrieb er die Entscheidung als "sehr, sehr schlecht". Loch ist Mitgründer der Vereinigung "Athletes for Ukraine".
Vater von Heraskewytsch: "Unsere Träume zerstört"
Die Vereinigung Athleten Deutschland bezeichnete den Ausschluss von Heraskewytsch als "falsch" und "unverhältnismäßig". Der Deutsche Olympische Sportbund reagierte dagegen diplomatisch. "Wir können verstehen, dass das Bedürfnis besteht, auf die schrecklichen Folgen dieses Krieges hinzuweisen. Der Wunsch nach Gedenken ist nachvollziehbar", hieß es in einem Statement. Politische Botschaften im Wettkampf seien aber "sinnvollerweise untersagt".
Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein äußerte Empathie für Heraskewytsch. "Gleichwohl habe ich auch Verständnis für das Festhalten des IOC an seinen Regularien und hoffe, dass die aktuelle Diskussion innerhalb des IOC, im Rahmen von Sportgroßveranstaltungen adäquate Orte für derartige Meinungsäußerungen zu finden, zu einem allseitig befriedigenden Ergebnis führt", teilte die CDU-Politikerin mit.
Heraskewytsch gehörte für die Skeleton-Rennen zwar nicht zum Kreis der Favoriten, hatte aber mit guten Trainingsleistungen zarte Hoffnungen auf eine Medaille geweckt. "Das Internationale Olympische Komitee hat unsere Träume zerstört. Das ist nicht fair", sagte sein Vater Mychajlo.