JHV der LBV in Coburg Gratulation für Vorzeigegruppe Naturschutz

Andreas Teodoru

Von vergifteten Greifvögeln bis zur Wiederauswilderung ausgestorbener Arten hat der LBV in Coburg viel zu tun. Das wurde honoriert.

Ulrich Leicht (Mitte) wurde von Frank Reißenweber (links) und Norbert Schäffer für 53 Jahre ehrenamtlichen Einsatz geehrt. Foto: NP/Andreas Teodoru

Dass sich in Bayern abgewanderte oder gar ausgestorbene Tierarten wieder ansiedeln, dass bedrohte Tierarten gerade so ihre Populationen halten können und dass wir überhaupt etwas davon wissen, das alles ist der Verdienst von Naturschützern. Für viele eine Lebensaufgabe, die oft zu größten Teilen ehrenamtlich erfolgt und für die man auch mal gelobt werden darf, meint der Landesvorsitzende des Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV), Norbert Schäffer. Bei der Jahreshauptversammlung des LBV im Gasthaus Kaiser in Dörfles-Esbach durfte er dem Bericht seiner „Vorzeigegruppe“ lauschen und auch selber ehren: „Ich bin sehr beeindruckt über die Arbeit und das Engagement aus Coburg.“

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Der ehemalige Leiter der Greifvogelstation, Ulrich Leicht, bekam für 53 Jahre ehrenamtlichen Einsatz die Ehrenauszeichnung des LBV verliehen, was sein bereits erworbenes Bundesverdienstkreuz jedoch nicht in den Schatten stellen könne, wie Schäffer bemerkte. Schatzmeister Michael Kelber wurde für 40 Jahre, der ehrenamtliche Helmut Gack für 50 Jahre und viele andere für ihr Engagement und ihre Zeit beim LBV ausgezeichnet. Auch Frank Reißenweber, Kreisgruppenvorsitzender in Coburg – von seinen Kollegen als „Leuchtturm des Naturschutzes“ bezeichnet –, wurde für 30 Jahre Vorsitz gedankt.

Die vielen ehrenamtlichen Stunden sind auch wegen der 3800 Mitglieder der Kreisgruppe und einer guten personellen Aufstellung in der Geschäftsstelle möglich, die zu den Erfolgen beigetragen haben, erklärte Reißenweber. Zu diesen gehören zum Beispiel nicht nur die erfolgreiche Ansiedlung von Rebhühnern, sondern auch, dass deren Bestände zugenommen haben. Immer mehr Flächen konnten laut LBV zum Schutz von Wiesenbrütern wie Bekassine und Braunkehlchen gekauft oder gepachtet und dem Naturschutz zugeführt werden. Zu den erfolgreichsten Projekten zählt die zweite Auswilderung des in Bayern ausgestorbenen Bartgeiers in Berchtesgaden, zu dem die Kreisgruppe Coburg beigetragen hat, zählte der Kreisvorsitzende auf. Und: „An unserer vielfältigen Arbeit können wir sehen, dass auch Insekten zurückkehren, wenn man ihnen nur die Lebensräume bietet.“

Sehr stark beschäftigte die Ehrenamtlichen aber die illegale Tierverfolgung, wie sie auch im Coburger Landkreis präsent ist. Mit Giftködern wurden Greifvögel mutmaßlich gezielt getötet. Hier hoffen die Naturschützer weiter auf Hinweise aus der Bevölkerung. Frank Reißenweber unterstrich, dass man Täter in vergangenen Fällen auch noch Jahre später überführt hatte.

Bei der umfangreichen Arbeit des LBV wird die Bevölkerung immer wieder einbezogen. Durch Monitoring, Kartierung und Zugänglichmachen von Tieren und viel Öffentlichkeitsarbeit habe man Interessenten mitgenommen. Allein die Wanderfalken-Webcam im Nistkasten der Coburger Morizkirche fand mit 240.000 Seitenaufrufe mit 50.000 virtuellen Besuchern reges Interesse. Projekte wie zum Beispiel das Naturschutzprojekt „Grünes Band Rodachtal“ oder die 20 Arbeitsgruppen mit Greifvogelstationen, Kinder- und Jugendbildung sowie Ansprechbarkeit für die Bevölkerung, haben dem Vogelschutzbund eine positive Bilanz beschert. Der Kassenprüferbericht fiel durchweg positiv aus, dem Bund wurde ein verantwortungsvoller Umgang mit den Geldern attestiert.

Auch in der Pandemie habe sich der Bund als robust bewiesen: Vereinsintern habe man die Digitalisierung vorangetrieben und daher auch keine Sitzungen absagen müssen. Auch deshalb sind die Naturwächter in den aktuellen Krisenzeiten gefragt und präsent, sagte Norbert Schäffer: „Gerade in diesen Krisenzeiten wird der Naturschutz immer wieder aufs Neue infrage gestellt, als ob wir wieder in den 70ern wären.“ Doch mit nur vier Prozent Naturschutzflächen in Deutschland lägen die Stellschrauben zur Krisenbewältigung woanders.

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