Jubiläum Landkreis Haßberge Zur „Goldhochzeit“ gratuliert der Innenminister

50 Jahre Landkreis Haßberge: Zum Festakt am Sonntag kommt auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Und er lässt keinen Zweifel: Die Gebietsreform sei wichtig und richtig gewesen.

Der Landkreis Haßberge ist erst wenige Jahre alt, als Joachim Herrmann ihn erstmals durchquert. Von Erlangen aus, mit einem VW Käfer, auf dem Weg zum Grundwehrdienst. Ein knappes halbes Jahrhundert später kann er als bayerischer Innenminister auf komfortableres Gefährt und bessere Straßen zurückgreifen, bei seinem Gratulationsbesuch zum 50-jährigen Bestehen des Haßberge-Kreises. Die Landschaft hat es Joachim Herrmann weiterhin angetan: „Ich komme immer wieder gern in diese Gegend“, schwärmt er zum Auftakt seiner Rede beim offiziellen Festakt zum Landkreis-Geburtstag am Sonntag in Königsberg.

Neben dem Minister konnte Landrat Wilhelm Schneider in der Königsberger Stadthalle den gastgebenden Bürgermeister Claus Bittenbrünn begrüßen sowie dessen Bürgermeisterkollegen und hiesige Abgeordnete, daneben die aktuellen Kreisräte sowie immerhin sieben der ehemaligen Räte, die seinerzeit im Jahr 1972 den ersten Kreistag bildeten. Aus gesundheitlichen Gründen absagen musste dagegen der „Gründungsvater“ des Landkreises Haßberge, dessen erster Landrat Walter Keller. Mit Freuden begrüßt wurde aber dessen Nachfolger, Alt-Landrat Rudolf Handwerker, der 24 Jahre – also beinahe die Hälfte der Jahre – an der Spitze stand.

Von der „schwierigen Geburt“ des im Wesentlichen aus den alten Landkreisen Haßfurt, Ebern und Hofheim gebildeten Landkreises ist hinlänglich bekannt, am Jubiläumswochenende standen Harmonie und Einigkeit im Mittelpunkt. Nicht nur beim Bürgerfest, das an beiden Tagen in Königsberg die bunte Vielfalt der Vereine, Organisationen und Wirtschaft in den Haßbergen demonstrieren sollte, auch beim Festakt selbst. Da nahm man dem bayerischen Innenminister nur zu gern die offenkundige Flunkerei ab: „Es gibt keinen Landkreis, der wichtiger wäre als eurer!“ Immerhin aber hatte der Minister den Haßbergen an diesem Tag den Vorzug gegeben – wenn auch dieser bekanntlich nicht der einzige ist, der an diesem Wochenende seinen besonderen runden Geburtstag feiert.

Es sei eine unbestreitbar notwendige Reform gewesen, bekräftigte Innenminister Herrmann in seiner Festansprache. Neue Strukturen für eine effektive kommunale Selbstverwaltung: „Es war wichtig und richtig, das anzugehen“, so Joachim Herrmann: „Aus heutiger Sicht würde das auch keiner ernsthaft mehr in Frage stellen.“ Und ganz so radikal wie in anderen Bundesländern sei der Einschnitt ja auch gar nicht ausgefallen, was der Wähler der damals wie heute regierenden CSU bei der Wahl 1974 dann auch gedankt habe, wie er sich freute und der ebenfalls anwesenden SPD-Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar unter die Nase rieb.

Heute seien ihm starke Kommunen in Bayern wichtig, die „lebensfähig und aus sich heraus leistungsfähig“ seien, „die das Schicksal selbst in die Hand nehmen“, so Herrmann, sprich: Die nicht am Tropf der Staatsregierung hängen und auch ohne dessen Fördergelder klarkommen. Da sind die Haßberge ganz in seinem Sinne. Ein Landkreis, der sich „phänomenal entwickelt hat“, wie der Innen- und Kommunalminister lobt, der heute sogar mehr Einwohner hat als vor 50 Jahren und der selbst den Musterschüler Bayern in Sachen niedriger Arbeitslosenquote noch übertrumpft. Man habe eine großartige Rollenverteilung mit den Kommunen, dem Land und dem Bund, betonte der Minister, und diese Form brauche es auch, um Frieden und Freiheit sicherzustellen. Für diese Überzeugung müsse man auch eintreten, und zwar heute so aktuell wie lange nicht.

Dass man in einem freiheitsliebenden Land lebe, könne man übrigens in den Haßbergen besonders gut sehen, so Joachim Herrmann zum Landkreis an der Nahtstelle zwischen Wein- und Bierfranken: „Hier darf man jeden Tag neu entscheiden, ob man zum Weinglas oder zum Bierkrug greift!“

Mittendrin zwischen Weinbergen und Kommunbrauhäusern liegt Königsberg, der geografische Mittelpunkt des Haßberge-Kreises, weshalb man sich für die Stadt als Standort der Feierlichkeiten entschieden habe, so Landrat Wilhelm Schneider.

Feierlichkeiten, die Gelegenheit wie Verpflichtung sein sollten, „die Einheit des Landkreises und die Vielfalt gewachsener Strukturen nicht als Webfehler, sondern im Sinne tragfähiger vernetzter Strukturen als feste Basis zu sehen“, wie Wilhelm Schneider formulierte. Es sei damals die definitiv richtige Entscheidung gewesen, den Landkreis Haßberge in seiner heutigen Form zu gründen: „Bei einer Aufteilung hätte alle drei Altlandkreise verloren“, ist sich Schneider sicher: „Wir wären überall ein Anhängsel gewesen.“

Debatten und Beschwerden über angebliche Fehler der Gebietsreform sowie vermeintliche Benachteiligungen einzelner Teile des Landkreises oder Ungleichgewichte sollten daher der Vergangenheit angehören, so der Landrat. Trotz aller anfänglichen Widrigkeiten – und von denen habe ihm der mittlerweile verstorbene ehemalige Staatssekretär und Landtagsabgeordnete Albert Meyer immer wieder bildhaft berichtet – halte die „Ehe“ immerhin nun seit 50 Jahren: Goldene Hochzeit sozusagen.

Zur Goldhochzeit gab es dann nicht nur gebührende Ständchen durch den Fanfarenzug Hofheim, sondern auch das passende Geschenk: Rechtzeitig zum großen Jubiläum war der neue Imagefilm des Landkreises fertig geworden, der vor den Gästen zur Uraufführung kam.

Hier zeigte sich bildreich, dass der Landkreis Haßberge zu Recht stolz auf sich sein darf, vielleicht aber, wie der Königsberger Pfarrer Peter Hohlweg eingangs scherzte, den falschen Namen tragen: Eigentlich, so der Geistliche, müssten sie ja „Lieb-Berge“ heißen.

Partnergemeinden gratulieren

Auch wenn es anfangs nicht so aussah: In 50 Jahren hat der Landkreis Haßberge eine Reihe an Freunden gewonnen. Außerhalb seiner eigenen Grenzen geschah dies schon früh: Schon vor 48 Jahren gingen die Haßberge gemeinsam mit dem französischen District Tricastin eine Verbindung ein, die „bis heute nichts an Leben und Aktualität verloren hat“, wie Landrat Wilhelm Schneider anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten am Sonntag in Königsberg betonte.

So konnte der Landkreischef zum Festakt auch den Bürgermeister der Stadt Pierrelatte, Alain Gallu, und dessen Partnerschaftsbeauftragten Albert Constant begrüßen, sowie aus der Stadt Saint-Paul-Trois Châteaux den Partnerschaftsbeauftragten Jean-Claude Monnier nebst Gattin.

Eine Partnerschaft gibt es auch mit Schweden, von wo man deren Mitbegründer Arnold Bengtsson begrüßen durfte.

Aus Polen wiederum waren der stellvertretende Landrat des Bezirks Klobuck, Maciej Biernacki, sowie der ehemalige Landratsstellvertreter und Bürgermeister Krzysztof Nowak zu Gast. Und sie kamen nicht mit leeren Händen: Zum Jubiläum ihrer Partnerkommune hatten sie einen gerahmten Freundschaftsbrief dabei, mit dem sie den Haßberge-Landrat ehrlich überraschten.

Mit den besten Grüßen des Landrates aus Klobuck, Henryk Kiepura, gratulierten die polnischen Gäste nicht nur zum Jubiläum, sondern auch zum bisher Erreichten. Dies beobachte man in Polen sehr genau und sei sehr stolz, mit einer „so schönen und starken Partnergemeinde zusammenarbeiten zu dürfen“, so Maciej Biernacki, desen Worte eine Dolmetscherin übersetzte. Man wünsche dem Landkreis Haßberge, dass er sich weiter dynamisch entwickle und auf eine Fortsetzung und Stärkung der gemeinsamen Verbindung.

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