Jugendhilfeausschuss Haßberge Kinder vor digitalen Risiken schützen

Günther Geiling

Eine besondere Kampagne soll künftig die Medienkompetenz von Kindern schulen. Ebenfalls geschaffen werden soll eine „Mini-Kita“, die in keinerlei Konkurrenz zu bestehenden Kitas stehen wird.

Die Medienkompetenz in der Frühpädagogik soll gestärkt und die Mitarbeiter vor Ort speziell geschult werden. Foto: oneblink1 - stock.adobe.com

Die Einrichtung einer „Mini-Kita“ im Familienzentrum in Haßfurt und die „Kampagne Startchance Kita.digital“ waren zwei Programme, für die der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Haßberge in seiner Sitzung in Haßfurt die Weichen stellte. Hinsichtlich der „Mini-Kita“ gab es jedoch auch Bedenken, ob damit hinsichtlich der Personalausstattung eine Konkurrenz zu den Kindergärten entstehe. Dies wurde verneint. Unter dem Eindruck, dass diese eine Ergänzung für das Familienzentrum sei, wurde es auch einmütig beschlossen.

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„Medienkompetente Kinder sind am besten vor Medienrisiken geschützt.“ Mit dieser Erkenntnis will die Bayerische Staatsregierung die Medienkompetenz in der Frühpädagogik stärken und in einem einjährigen Kurs die Mitarbeiter vor Ort qualifizieren. Schon im Jahr 2020 ging ein Modellversuch erfolgreich zu Ende, an dem auch eine Kita des Landkreises teilgenommen hat. Die Erkenntnis aus dem Modellversuch soll nun bayernweit mit der Qualifizierungskampagne „Startchance kita.digital“ zur Verfügung gestellt werden, die sich an alle 10 200 Kitas in Bayern richtet.

Bei den Informationen zu den „digitalen Medien in der „Kita“ geht man davon aus, dass die allermeisten Kinder beim Eintritt in die Kita bereits Erfahrungen mit digitalen Medien haben. Damit hätten sie auch Anspruch, dass ihre Kinderrechte auf Zugang, Bildung und Schutz in der digitalen Welt erfüllt würden. „Es ist daher Auftrag von Kindertageseinrichtungen, diese Erfahrungen und Rechte aufzugreifen und Kinder in einem kreativen, kritischen und sicheren Umgang mit digitalen Medien zu begleiten“, heißt es zu dieser Fortbildung. Im geschützten Rahmen soll den Kindern dann ermöglicht werden, die Chancen digitaler Medien zum Gestalten und Lernen aktiv kennenzulernen, sich in Gesprächen auch mit deren Risiken zu befassen und sich dadurch in der digitalen Welt zurechtzufinden.

Die mehrjährig angelegte Kampagne, so Katharina Tschischka, sei das Kernelement der Digitalisierungsstrategie der Bayerischen Staatsregierung für Kindertageseinrichtungen in Bayern. Der Landkreis Haßberge habe sich für die Teilnahme am zweiten Kampagnenjahr beworben. Von den 66 Kitas im Landkreis haben 10 die Möglichkeit zur Teilnahme in diesem Jahr. Das wäre genau die Zahl der Kindergärten, die nachgefragt hätten. Jede Kita erhält dabei in dem einjährigen Kurs eine Qualifizierung und Begleitung von 52 Stunden durch Coaches mit medienpädagogischer Expertise.

Die Kurse werden über das Staatsministerium finanziert, sind für die Kitas kostenlos und finden vor Ort in den Landkreisen statt. Teilnahmevoraussetzungen für die Kitas sind die Bereitschaft des Teams, sich auf den digitalen Bildungsprozess einzulassen, die personellen Ressourcen für die Kursteilnahme zur Verfügung zu stellen und auch den Zugang zu mindestens zwei Tablets oder stabile Internetverbindung zu gewährleisten. Der Jugendhilfeausschuss begrüßte dieses Vorhaben.

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Hinsichtlich der Kinderbetreuung im Familienzentrum in Haßfurt wurde die Verwaltung des Jugendamtes beauftragt, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Kinderbetreuung baldmöglichst im Rahmen einer „Mini-Kita“ nach dem BayKiBiG erfolgt und dafür auch die entsprechende Betriebserlaubnis einzuholen. Das Bundesprogramm „Kita-Einstieg – Brücken bauen in frühe Bildung“ laufe nämlich nach annähernd sechs Jahren zum 31. Dezember aus.

Anders als bei der bisherigen Finanzierung, bei der ein zehnprozentiger Eigenanteil vom Landkreis zu tragen war, soll die künftige Finanzierung die Personalkosten zu 100 Prozent abdecken. Der Teilbereich der Kinderbetreuung soll dabei in eine Mini-Kita umgewandelt werden, in der bis zu zwölf Kinder betreut würden. „Die Zielgruppe besteht aus Kindern von belasteten Familien im gesamten Landkreis. Solche Kinder können zielgerichtet aufgenommen und die Familien unterstützt werden, da eine enge Kooperation mit der Koordinierenden Kinderschutzstelle (KoKi) vorhanden ist. Ebenfalls Zielgruppe sind Kinder ohne Betreuungsplatz und Kinder, die von ihrer jeweiligen Einrichtung als nicht tragbar eingestuft werden“, betonte Ursula Salberg vom Jugendamt.

Die Mini-Kita biete auch für Kinder, bei denen frühzeitig ein erhöhter Förderbedarf festgestellt wird oder die aufgrund ihrer individuellen Problemlagen nicht weiter betreut werden könnten, einen Betreuungsrahmen und eine sehr gute Basis bei der Gestaltung eines Übergangs in beispielsweise eine schulvorbereitende Einrichtung. „In der aktuellen Situation besteht auch die Möglichkeit der Annahme von Kindern aus der Ukraine. Daneben kann auch Kindern von Mitarbeitern ein Kinderbetreuungsplatz am Ort des Arbeitsplatzes angeboten werden, um einen möglichst frühen Wiedereinstieg zu ermöglichen oder bis diese einen regulären Kita-Platz in Wohnortnähe erhalten.“

Zu diesem neuen Projekt gab es dann doch einige Diskussionen. Isabel Zimmer stellte die Frage, ob man eine solche „Mini-Kita“ benötige. „Ich sehe die Gefahr, dass wir damit den Kindergärten Konkurrenz machen, wenn das Personal nicht den Standard der Ausbildung haben muss. Wir müssen Fachkräfte anstellen und dort muss das Personal nicht den Standard dieser Ausbildung haben.“ Katharina Tschischka von der Kindergartenaufsicht sprach von einer „sinnvollen Variante, um Betreuungsspitzen abzufangen. Da kann man aber nicht alle Quereinsteiger zulassen.“ Bisher gebe es in Unterfranken sechs Einrichtungen und zwar fünf in Würzburg und eine in Aschaffenburg. Es sei also mehr für die Großstädte. Landrat Schneider meinte, dass man dieses Projekt derzeit versuche und wenn es funktioniere, könnte es sich auch auf die Fläche ausdehnen. Jugendamtsleiter Christoph Schramm unterstrich, dass es eine gute Alternative für das Familienzentrum sei, wo man nun auf eine neue Finanzierung umstellen könne. Ansonsten sei man in den 66 Kitas des Landkreises gut aufgestellt.

Für den Besuch der Mini-Kita im Förderzentrum werden für jeden angefangenen Monat folgende Gebühren erhoben: drei bis vier Stunden 110 Euro sowie vier bis fünf Stunden 120 Euro. In besonderen Fällen kann beim Jugendamt ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden. Der Beitrag vermindert sich generell um den staatlichen Zuschuss in Höhe von 100 Euro monatlich und wird für die Zeit vom 1. September des Kalenderjahres, in dem das Kind das dritte Lebensjahr vollendet bis zum Schuleintritt gewährt.

In einem weiteren Punkt ging es um die Auslobung eines Wettbewerbes „Familienfreundlichste Gemeinde im Landkreis Haßberge“. der auf Antrag der Jungen Liste im Jahre 2008 bisher einmalig durchgeführt wurde und bei dem die Gemeinde Knetzgau zum Sieger und der Markt Maroldsweisach zum Sieger der Gemeinden unter 5 000 Einwohnern ausgewählt wurden. Im Jahre 2019 stellte die Fraktion der Jungen Liste erneut den Antrag den Titel zu vergeben, aber regelmäßig.

Die Fraktionsvorsitzenden der einzelnen Gruppierungen im Kreistag diskutierten diesen Antrag und kamen da bei zu einer neuen inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung. „Ziel des Wettbewerbs ist es zu einer positiven nachhaltigen Entwicklung der Familienpolitik und Familienfreundlichkeit im Landkreis zu kommen. So können die Kommunen anhand des Fragebogens wie an einer Checkliste fortlaufend überprüfen, wo die örtlichen Stärken und Schwächen liegen. Best-Practice-Beispiele können vom Jugendamt weitergegeben und auch unter den Kommunen ausgetauscht werden,“ betonte Schramm.

„Dabei soll es bei einem Wettbewerb pro Legislaturperiode bleiben, also alle sechs Jahre und zwar ca. in der Mitte der kommunalen Wahlperiode 2020-2026. Es soll dabei einen Sieger der Gemeinden mit über und einen Sieger der Gemeinden unter 3 000 Einwohnern geben. Dazu wurde ein neuer Fragebogen entwickelt mit acht Kategorien, bei dem das reine Ankreuzen von Fragen nicht ausreichend ist. Bei allen positiv beantworteten Fragen muss auch eine qualitative Einordnung der Maßnahme erfolgen“. Aus den Reihen der Mitglieder des Ausschusses kamen auch noch Ergänzungswünsche bei dem Fragenkatalog, in den auch kulturelle Aktivitäten und die Jugendarbeit in Vereinen mit aufgenommen werden soll. Die Sieger werden im Jugendhilfeausschuss gekürt und sollen als Preis die Spieletage jeweils einmal innerhalb der nächsten sechs Jahre erhalten, wobei der von der Gemeinde normalerweise zu tragende finanzielle Eigenanteil in Höhe von 3 500 Euro vom Landkreis übernommen wird. Dieser Vorgehensweise stimmte der Jugendhilfeausschuss einmütig zu.