Jury besichtigt Allianz Hofheimer Land Hoffen auf den ersten Platz

Ein Pilotprojekt stellt das Hofheimer Interkommunale Bürgerzentrum dar. Von dort ging die Hofheimer Allianz ins Leben. Foto: /Gerhard Schmidt

Nachdem der „Europäische Dorfentwicklungspreis 2020“ wegen Corona verschoben werden musste, beginnt die nächste Phase: Am Mittwoch stand die Besichtigung der Gemeinde-Allianz-Hofheimer-Land sowie einiger ihrer Projekte auf der Tagesordnung.

Hofheim - Es sieht nicht schlecht aus, dass die Gemeinde-Allianz-Hofheimer-Land den Europäischen Dorferneuerungspreis bekommt. Am Mittwoch, 15. September, war die Bewertungskommission vor Ort, um sich hautnah von den Projekten im Allianzgebiet zu überzeugen. Bei Facebook freute man sich bereits vor Eintreffen der Jury über den besonderen Tag.

Auf der Seite der Gemeinde-Allianz Hofheimer Land hieß es: „Morgen ist es endlich soweit: Wir bekommen Besuch von der Jury des Europäischen Dorferneuerungspreises 2020. Am Nachmittag wird das dreiköpfige Team bei uns eintreffen und sich nach kurzer Begrüßung im Interkommunalen Bürgerzentrum in Hofheim mit dem Bus auf den Weg machen, um einen Teil des Hofheimer Landes zu erkunden.“ Aufgrund der vorgegebenen Zeit könne man aber nur einen Teil der Gemeinden und Ortsteile präsentieren. Man entschied sich für eine Bereisungsroute von Hofheim über Aidhausen und Riedbach nach Rügheim.

Der Europäische Dorferneuerungspreis richtet sich an Dörfer, Gemeinden und interkommunale Verbünde, die ganzheitliche Entwicklungsprozesse in Gang gebracht haben, um sich den aktuellen Herausforderungen des ländlichen Raumes zu stellen. Wert wird dabei besonders auf die Einbindung aller Bevölkerungsgruppen und die Bildung von Kooperationen und Netzwerken gelegt. Der Wettbewerb wird seit 1990 alle zwei Jahre von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung ausgetragen. Der „Europäische Dorferneuerungspreis 2020“ steht unter dem Motto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“.

Im Bürgerzentrum in Hofheim hieß der Vorsitzende der Gemeinde-Allianz, Bürgermeister Wolfgang Borst, dann im Beisein seiner Amtskollegen aus dem Allianzgebiet und weiteren Amtsvertretern die Besucher willkommen. Er stellte zunächst die Entstehung der Allianz und sowie ihre weitere Entwicklung vor: Durch die Gründung mit den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim und dem Markt Maroldsweisach sei es den Verantwortlichen gelungen, in den 53 Ortschaften rund 340 Leerstände zu beseitigen und zu vermitteln. Das habe zur Folge gehabt, dass seit dem Jahr 2014 das Allianzgebiet wieder vermehrt Zuzugs- statt Wegzugsregion sei. Borst erinnerte daran, dass bis 1990 das Gebiet „am Ende der Welt lag“ und vom Todesstreifen der DDR beherrscht wurde. Nach der Wende ging die ehemalige Grenzlandförderung verloren, dafür stieg die Förderung auf der thüringischen Seite stark an.

Dies hatte zur Folge, dass das Grenzgebiet zur Wegzugsregion wurde. So hinkte die Bevölkerungsentwicklung im Allianzgebiet im Zeitraum von 1987 bis 2008 dem Landkreisdurchschnitt um elf Prozent hinterher. Die Zahl verringerte sich jedoch, unter anderem durch die Gründung der Allianz im Jahr 2008, bis 2018 auf nur noch drei Prozent.

Durch die Städtebauförderung und die Leaderförderung vom Amt für Ländliche Entwicklung habe man den Negativtrend stoppen können, erklärte Bürgermeister Borst. Auch die Zahl der Arbeitsplätze stieg, und zwar von 3347 (im Jahr 2008) auf 3786 (Ende 2018). Auch die Arbeitslosenzahlen verringerten sich wieder.

Der Vorsitzende hob besonders die Sanierung der Gemeinschaftshäuser in den Orten hervor, „die unter Mithilfe der Bürger geschaffen werden konnten.“ Nach einem Meinungsaustausch konnten sich die Gäste und Jury-Mitglieder Beatrix Drago, Szabolcs Berczi und Helmut Innerbichler von der ARGE Landesentwicklung und Dorferneuerung bei einer Projektbesichtigung von der Arbeit der Allianz überzeugen.

Ein Musterprojekt stellt das Interkommunale Bürgerzentrum Hofheimer Land dar. Mitarbeiterin Kerstin Brückner stellte auch hier noch einmal ihre Arbeit in der Allianz vor. Im Fokus stehe im Bürgerzentrum die Integration von ausländischen Mitbürgern, wie Brückner vor den Jurymitgliedern betonte. Zwei von ihnen waren extra vor Ort anwesend, um davon zu berichten, warum es ihnen in der Allianz besonders gefällt.

Leider konnten in den letzten Monaten wegen der Kontaktbeschränkungen keine Dorfbegegnungen stattfinden, wie ursprünglich im Rahmen des Projektes „Wir und Hier“ geplant gewesen sei, erklärte Brückner. Als Alternative für die aktuelle Zeit hat sie die „Dorfhefte“ ins Leben gerufen. Diese gehen von Hand zu Hand und wandern von Haushalt zu Haushalt.

Es handelt sich dabei um ein DIN A4-Heft mit buntem Einband. Es lädt dazu ein, Bilder aus dem jeweiligen Ort zu kommentieren und Fragen, die für alle Dörfer gleich sind, zu beantworten: Gibt es in eurem Ort etwas zu kaufen? Wo ist der schönste Platz im Dorf? Welche Veranstaltung im Jahreslauf gefällt dir am besten? Wer kann was besonders gut im Ort? Sind Neuzuzügler willkommen?

Die Vorderseite der Hefte darf gerne von Kindern und Jugendlichen gestaltet werden. Auf den noch leeren Seiten können selbst Fotos eingeklebt und Fragen gestellt werden. Alt und Jung sind dazu eingeladen, mitzumachen und das Heft mit eigenen Eindrücken, Erfahrungen und Wünschen zu gestalten.

Das Dorfheft wird somit zu einer bunten Sammlung und einer Art Dorfalbum. Weitergegeben wird das Heft in einer Mappe, auf deren Innenseite eine kurze Anleitung mit Ansprechpartnern steht.

Nun jedoch heißt es für die Mitglieder der Gemeindeallianz erst einmal wieder warten. Doch die Vorfreude auf die Preisverleihung, die im Mai 2022 in der Gemeinde Hinterstoder, die den Europäischen Dorferneuerungspreis 2018 gewinnen konnte, ist auch jetzt schon groß .– ebenso wie die Hoffnung, dort den Sieg feiern zu dürfen.

Schließlich erwartet den Gewinner des Preises „dort ein stimmungsvolles Fest der Begegnung mit Menschen mit den europaweit besten Konzepten und Projekten für ihren Lebensraum“, wie es auf der Website der Europäischen Arge Landentwicklung und Dorferneuerung (www.landentwicklung.org) heißt.

 

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