Kabarettsommer Heldritt eröffnet Lichtgestalt im Unterholz

Durch Gestrüpp und Geschwirre bahnt sich Olaf Schubert seinen Weg nach Heldritt. Mit seinen Fans und den beiden treuen Bühnensklaven eröffnet er den Kabarett-Sommer.

Der Meister Foto: Dieter Ungelenk

Recht sündig geht’s zu in dieser Spielzeit, denn im Lustspiel „Der wahre Jakob“ geraten sittenstrenge Dorfhonoratioren in der großen Stadt auf unzüchtige Abwege. Diese Woche haben die Komödianten vom Heimatverein zwar spielfrei (im Gegensatz zu den fleißigen Händen, die die Bier- und Bratwurstversorgung sicherstellen), denn der Heldritter Kabarett-Sommer ist angebrochen. Erotisch knistert’s trotzdem auf der Waldbühne: Olaf Schubert posiert im Rampenlicht, der witzige winzige Womanizer aus Dresden, der den Pullunder zur Reizwäsche erhoben hat und persönlich den Nachweis erbringt, dass sich blendende Schönheit und schillernde Intelligenz nicht ausschließen. So sieht er das jedenfalls.

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Pompöse Auftritte ist er ja gewohnt, aber auf der Showtreppe aus dem Tann herabzuschreiten auf die Bühne, das ist selbst für die weltläufige Lichtgestalt Olaf ein Novum. Fast hätten er und seine Entourage den Weg in den verkehrstechnisch gerade abgenabelten Bad Rodacher Stadtteil gar nicht gefunden; „durch Sträucher, Gehölz und Geschwirre“ mussten sie sich mit der Luxuslimousine kämpfen, um zu ihren Fans zu kommen, die zwei Corona-Jahre lang geduldig auf diese Audienz gewartet hatten. Beziehungsweise zwischenzeitlich ihre Dosis Olaf-Humor im Coburger Kongresshaus abgeholt haben, wo der Comedian mit seinen beiden Bühnensklaven Jürgen Barkas und Herr Stephan im vergangenen Herbst gastiert hat.

Die Heldritter Tribüne füllt sich am Mittwoch trotzdem ansehnlich, und selbst wer das Programm „Zeit für Rebellen“ schon kennt, entdeckt neue Gags, denn Olaf bleibt stets am Ball der Weltgeschichte, die nach seiner profunden Kommentierung verlangt.

Dass dummerweise gerade Krieg herrscht gar nicht so weit von hier, schreckt einen Globaldenker und Vollmoralisten wie Olaf nicht ab: Unerschrocken attackiert er „Wladimir, das alte Sackgesicht“ – an dessen Stelle er lieber die Malediven besetzt hätte. Und sein Ausruf „Die Welt wird nicht sicherer durch Waffen“ entpuppt sich als klassische Schubert-Falle, in die das Publikum applaudierend tappt: „Nur durch ganz viele Waffen!“ fügt er trocken hinzu. Auch die feinen Unterschiede der Willkommenskultur, die Flüchtlinge hierzulande erwartet („Ukrainer sind ja nicht irgendwelche Syrer“) reizen die sarkastische Ader Michael Haubolds, der in der abgründigen Kunstfigur Olaf Schubert steckt.

Kalauer machen seine Tragikomik gefällig, es ist gut lachen über diesen selbstgefälligen Wicht, seine Gutmenschenattitüde und seinen beherzten Betroffenheitskitsch. Das Publikum macht mithin von Zwerchfell und Händen regen Gebrauch an diesem Eröffnungsabend des Heldritter Kabarett-Sommers. Die Chancen stehen gut, dass es so bleibt: Django Asül, Martina Schwarzmann und Viva Voce kriegen das mit Sicherheit hin.