Kammerkonzert in Coburg Wo Schostakowitsch auf Orwell trifft

Musik, Literatur und Raumkunst treten im 3. Kammerkonzert des Landestheaters Coburg in einen intensiven Dialog. Weshalb es sich lohnt, zu beiden Terminen zu kommen.

Unter dem Titel „Big Brother“ begegnen sich in der Coburger Reithalle Dmitri Schostakowitschs letzte Sinfonie und George Orwells Roman 1984. Foto: dpa/Oliver Berg

Unter dem Titel „Big Brother“ wird die Reithalle am 28. und 29. März zum Schauplatz einer ebenso ungewöhnlichen wie eindringlichen Begegnung zwischen Dmitri Schostakowitschs letzter Sinfonie und George Orwells dystopischem Roman 1984. Das Konzert entsteht in Kooperation mit Klanggrenzen e.V.

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Im Zentrum des Konzerts steht eine kammermusikalische Fassung von Dmitri Schostakowitschs 15. Sinfonie, arrangiert von Victor Derevianko für Violine, Violoncello, Klavier, Celesta und Schlagzeug. Das Werk, geprägt von Zitaten, Brüchen und rätselhaften musikalischen Anspielungen, gilt als eines der vieldeutigsten des Komponisten. Zwischen Ironie und Abgrund entfaltet sich eine Klangsprache, die von Anpassung, Widerstand und Doppeldeutigkeit erzählt.

Parallel dazu werden Passagen aus George Orwells Roman 1984 gelesen. Die düstere Vision eines totalitären Überwachungsstaates tritt dabei in einen spannungsvollen Austausch mit der Musik Schostakowitschs. Beide Werke kreisen um Fragen von Freiheit, Wahrheit und Macht – Themen, die auch heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren haben.

Reithalle wird zum dystopischen Raum

Für das Konzert verwandelt sich die Reithalle selbst in eine beklemmende Szenerie: Mithilfe von Projektionen und KI-generierten Bildinstallationen entsteht ein dystopischer Raum, der das Thema Überwachung visuell aufgreift. Architektur, Licht und Atmosphäre werden so Teil des Konzerterlebnisses und schaffen eine eindringliche Verbindung von Klang, Wort und Raum.

Die Lesung und Moderation übernimmt Frederik Leberle, der viele Jahre Mitglied des Ensembles am Landestheater Coburg war. Musikalisch gestalten den Abend Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Landestheater Coburg: Martin Emmerich (Violine), Woongwhee Moon (Violoncello), Diana Zohrabyan (Klavier) sowie Jeremias Zöhrer, Paul Vallant und Clothaire Hadorn (Schlagzeug).

Die beiden Konzertabende setzen unterschiedliche Schwerpunkte: Am Samstagabend steht im Kerzenlichtkonzert besonders die Liebesgeschichte aus Orwells Roman im Mittelpunkt. Ein Kurzprogramm mit Cocktails lädt anschließend zum Ausklang ein. Die Textauswahl variiert zwischen den Tagen – wer einen umfassenderen Eindruck von Orwells Roman erhalten möchte, kann beide Termine besuchen: Samstag, 28. März, 21 Uhr und Sonntag, 29. März, 11 Uhr in der Reithalle.