KammerTheaterTage Findus mischt Kronach auf

Heike Schülein

Das Weihnachtsstück „Pettersson, Findus und der Hahn“ feierte am Samstag Premiere. Mit einer witzig-mitreißenden Inszenierung

Ein wenig frech war er ja schon, der kleine Kater Findus, der am Wochenende im Historischen Rathaussaal in Kronach die vielen Besucher mit seinen Streichen unterhielt; aber auch ganz handzahm und vor allem sehr unterhaltsam. Rund eine Stunde lang ließen sich junge und jung gebliebene Zuschauer mitreißen von der warmherzigen Geschichte über den vorwitzigen Stubentiger, dessen beschauliches Leben beim Bauern Pettersson sich schlagartig ändert, als dieser einen Hahn auf den Bauernhof bringt.

„Ich bin Caruso – und wer seid ihr so?“: An Selbstbewusstsein mangelt es dem neuen Gockel (Thomas Ziegelhöfer) mit seinem prachtvollen bunten Gefieder gewiss nicht und auch nicht an Stimmvolumen, lässt er doch sogleich nach seiner Ankunft ein durch Mark und Bein gehendes „Kikeriki“ ertönen. Während die beiden Hühner Henriette (Rosi Ross) und Soffi-Moffi (Alma Wilhelm) vom eingebildeten Neuling mit der Schmetterstimme sofort hin und weg sind, versteht der genervte Findus (Hedda Sundby) die Welt nicht mehr. Keiner nimmt sich mehr Zeit für ihn. Auch seine Streiche werden von dem Hagestolz vereitelt. Als dieser ununterbrochen kräht und Bauer Pettersson (Frank Endrich) das Geschrei auch noch schön findet, ist das Maß für den wütenden Kater voll: Der Hahn muss weg! Außer sich vor Eifersucht, ersinnt der pfiffige kleine Kerl einen Plan, um den lästigen Eindringling wieder loszuwerden.

Großer Wurf

Nach den erfolgreichen Familienstücken bei den Rosenberg Festspielen gelingt nunmehr auch den Kronacher „KammerTheaterTagen“ ein großer Wurf in Sachen Kindertheater. Seien es Wolfram Müller-Broeders putzige Kostüme, das stimmungsvolle Bühnenbild, die von sanft bis fetzig changierende Musik, live gesungene Lieder sowie die fröhlich-frische Inszenierung von Bernd Berleb voller lustiger Ideen und spaßiger Momente – beim neuen Stück passt wirklich alles. Rosi Ross als schönstes und Alma Wilhelm als schlauestes Huhn von Kronach sind als gackernde, staksende und leicht hysterische Hennen eine echte Schau. Frank Endrich bringt den Charakter des freundlich-gutmütigen Bauern Pettersson voll auf den Punkt, der Caruso vor dem Suppentopf des Nachbarn rettet. Voller Inbrunst mimt Thomas Ziegelhöfer den eingebildeten Gockel mit seiner zum Krähen komischen Gockelei.

Publikumsliebling ist aber zweifellos Hedda Sundby, der die Rolle des vorwitzig charmanten Katers wie auf den Leib – pardon: auf das Tigerfell – geschnitten ist und die eine unglaubliche Bühnenpräsenz an den Tag legt. Wie die Elfjährige über die Bühne springt, tanzt und stürmt, begeistert wohl selbst den größten Katzenhasser. Gleichzeitig weiß sie auch in den ruhigen Phasen zu überzeugen. So vertreibt Findus den Hahn mit einer List, indem er ihm einen angeblich von Pettersson verfassen Brief vorliest. Darin steht, dass der Bauer vom lauten Hahngeschrei krank werde und dieser daher nur noch zwei Mal am Tag krähen dürfe. Ansonsten lande er im Kochtopf.

Zusätzliche Vorstellung

„Und ich dachte, ich habe hier ein Zuhause gefunden“: Traurig macht sich Caruso daraufhin mitten in der Nacht auf den Weg und verlässt den Bauernhof – ungeachtet dessen, dass draußen ein böser Fuchs sein Unwesen treibt. Mehr wird an dieser Stelle aber nicht verraten. Es finden ja noch weitere Vorstellungen statt, darunter auch eine Zusatzveranstaltung am 18. Dezember. Natürlich gibt es aber ein glückliches Ende und die Erkenntnis: „Zusammen sind wir unbesiegbar.“

Die vielen Besucher waren eingangs von Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann begrüßt worden. Diese freute sich sehr über den großen Zuspruch. Ihr Dank galt allen Verantwortlichen für das erstmals im Rahmen der Kammertheatertage gezeigte Familienstücks – insbesondere Regisseur Bernd Berleb, der künstlerischen Leiterin Anja Dechant-Sundby, Tourismus-Chefin Kerstin Löw und ihrem Team sowie den fünf Darstellern, die das Theaterspielen allesamt als Hobby betreiben und dafür viel Zeit investieren.

Auf enormes Interesse stieß im Anschluss an die beiden Wochenend-Aufführungen auch der große Theaterflohmarkt in der Alten Markthalle des Historischen Rathauses. Dort konnten Kostüme aus über 20 Jahren Kronacher Theater erworben werden

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