Contra: „Ein absolut falsches Signal“
Benjamin Schmidt vom Leitungsteam der Kirche Kunterbunt ist angesichts der Entscheidung des Stadtrats schockiert.
Die Nachricht, dass die Stadt aus finanziellen Gründen keine Schulfahrten zu Konzentrationslagern mehr fördert, hat mich schockiert. Gerade der zeitliche Zusammenhang mit einem sehr ernüchternden Wahlergebnis der Europawahl oder der Kommunalwahl im Nachbarlandkreis Hildburghausen. Dort erleben rechte und rechtsextreme Parteien Zulauf, ein Rechtsextremist hat es sogar in die Stichwahl geschafft. In Zeiten, in denen mit einer Machtübernahme der AfD zu rechnen ist, sollten die demokratischen Parteien die Aufklärung über die Gräueltaten der NS-Zeit, Antisemitismus und die Gefahren von faschistischem Gedankengut dringend fördern! Gerade Coburg mit seiner Geschichte sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen. Die Fördergelder zu streichen und das damit zu begründen, dass „die Auswirkungen so gering wie möglich sind“, ist ein absolut falsches Signal, das die Stadt Coburg hier setzt. Wenn bereits jetzt, mit nur einem Sitz der AfD im Stadtrat, derartige Fördergelder gestrichen werden, was soll dann erst die nächsten Jahre passieren? In Arne Semsrotts frisch erschienenem Buch „Machtübernahme - Was passiert, wenn Rechtsextremisten regieren“ wird genau dieses Beispiel diskutiert. Allerdings in einem Gedankenexperiment, wenn die Rechtsextremisten bereits in der Regierung sind. Liebe demokratische Parteien im Stadtrat, haltet zusammen und fördert weiterhin die politische Bildung! Meine Kritik gilt aber auch der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Sie fördert zwar die Fahrten in die Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg (zweieinhalb, beziehungsweise zwei Stunden Fahrtzeit von Coburg), aber nicht in die näher gelegene Gedenkstätte Buchenwald (eineinhalb Stunden Fahrtzeit). Liebe Staatsregierung, setzt die Hürden für politische Aufklärung doch so niedrig wie möglich! Fördert jeglichen Besuch von KZ-Gedenkstätten, auch wenn sie außerhalb Bayerns liegen. Es geht hier doch nicht darum, die „eigenen“ Gedenkstätten zu bevorzugen, sondern um Aufklärung.