Kinder in Kronach Im Mittelpunkt und nicht zwischendrin

Karl-Heinz Hofmann

Von Theaterprojekten bis zu Streetworkern: Auch heuer wird in Kronach für Kinder und Jugendliche einiges getan. Neu ist dabei ein spezielles Trainingsprogramm für getrennt lebende Eltern.

Wenn Eltern sich trennen, leiden mitunter die Kinder am meisten. Das soll nicht sein. Foto: /ronstik

Kronach - In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses hat sich Landrat und Vorsitzender Klaus Löffler durchweg zufrieden mit der Arbeit des Jugendamtes und der unterstützenden Wohlfahrtsverbände gezeigt.

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Erstmals in diesem Jahr wird ein Kurs „KIB – Kinder im Blick“ im Landkreis Kronach stattfinden. Der Kurs erstreckt sich auf sieben Treffen, das erste Treffen ist für Mittwoch, 9. Juni, angesetzt. Wie Sozialpädagogin Annette Schwägerl und Psychologe Norbert Neukum von der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familie im Landkreis Kronach mitteilten, sei dies ein Angebot an Mütter und Väter, die in Trennung leben und die für ein Kind oder einen Jugendlichen sorgen. Der Kurs solle helfen, Bedingungen für eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen förderliche Wahrnehmung der Elternverantwortung zu schaffen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Eltern, die nach einer Scheidung gemeinsam ihr Kind erziehen wollen, bietet die Beratungsstelle damit besonders geeignete Hilfe durch ein Elterntraining an. Sowohl das Landratsamt, das Jugendamt und der Jugendhilfeausschuss mit Vorsitz von Landrat Klaus Löffler wie auch das Amtsgericht mit Amtsgerichtsdirektor Jürgen Fehn empfehlen die Teilnahme an dem Kurs. Das Projekt sei ein wichtiges und notwendiges Angebot, hieß es.

Mütter und Väter können sich ab sofort in der Beratungsstelle zwischen 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr von Montag bis Donnerstag anmelden. Unter Telefon 09261/93730 wird für ein Elternteil pro Kind die Anmeldung angenommen. Nähere Auskünfte gibt es bei Nachfrage.

Übungen für den Alltag

Die beiden Gruppenleiter aus der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Familien in der Klosterstraße 3 in Kronach wiesen darauf hin, dass sich die konkreten Übungen im Kurs gut auf den Alltag übertragen ließen. „Wenn man Kinder hat, ist man niemals ganz getrennt“, betonten sie. Geschiedene Eltern sollten sich demnach wie Eltern verhalten und nicht wie Prozessparteien oder abgelehnte Liebende. Wesentliche Ziele des Kurses seien, dass sich Kinder möglichst unbeschwert entwickeln können und sich die Konfliktsituation zwischen den Eltern entspannt.

Weiterhin befürwortet der Jugendhilfeausschuss die Teilnahme des Kreisjugendamtes Kronach an der Modellphase „Trau dich!“. Die Verwaltung des Kreisjugendamtes wurde ermächtigt, einen Vertrag mit dem Theaterensemble Radiks abzuschließen und bei der Stiftung „Bündnis für Kinder“ die finanzielle Förderung für zwei Theateraufführungen zu beantragen. Alle für die Teilnahme der Präventionsmaßnahme notwendigen Kooperationsvereinbarungen seien abzuschließen, hieß es dazu. 411 Schülerinnen und Schüler hatten zuletzt an dem Theaterprojekt Interesse gezeigt. Wegen der Pandemie mussten geplante Aufführungen verschoben werden.

Das Theaterstück „Trau dich!“ ist Kernelement der Initiative und richtet sich an Kinder der dritten und vierten Jahrgangsstufen an Grundschulen sowie an die Jahrgangsstufen fünf und sechs der Mittelschulen. Es informiert die Schüler in altersgerechter Weise über sexuellen Missbrauch, sensibilisiert und ermutigt sie, sich jemandem anzuvertrauen und Hilfe zu holen. Das Projekt ist Teil des Aktionsplans 2011 der Bundesregierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung. Akteure sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Entsprechende Haushaltsmittel in Höhe von 6000 Euro seien einzustellen, hieß es aus der Sitzung. Als neuer Termin wird Dezember 2021 oder alternativ September 2022 angestrebt.

Nach Vortrag von Kreisjugendamtsleiter Stefan Schramm sprach sich der Jugendhilfeausschuss auch einstimmig für eine Fortführung der Stütz- und Förderklasse an der Pestalozzi- Schule in Kronach aus.

Stütz- und Förderklasse

Das staatliche Schulamt Kronach führte Ende 2020 eine neuerliche Bedarfserhebung an den Grundschulen des Landkreises Kronach durch. Insgesamt wurden bis Mitte 2021 14 Kinder von den Grundschulen anhand eines Kriterien-Bogens als grundsätzlich infrage kommend für eine Stütz- und Förderklasse gemeldet. Ferner wurde das Kreisjugendamt beauftragt, eine auf die Fortführung der Stütz- und Förderklasse zielende Vereinbarung mit dem Caritasverband Kronach bis 31. Juli 2022 abzuschließen.

Landrat Klaus Löffler betonte ausdrücklich die Notwendigkeit, an der Fortführung und einer Vereinbarung mit dem Caritasverband als zuverlässigen und guten Vertragspartner festzuhalten. Die Wohlfahrtsverbände im Landkreis würden grundsätzlich alle gute Arbeit leisten, lobte er.

Die kommunalen Jugendpflegerinnen Lisa Gratzke und Eva Wicklein gaben zudem einen Zwischenbericht und eine Bedarfsanalyse zu ihrem gemeinsamen Projekt „Stadt – Land – Ich – wir gestalten Heimat“, das Anfang 2018 startete. Zusammenfassend bestätigte der Landrat ihnen eine hervorragende Leistung. Das außergewöhnliche Projekt erforderte außergewöhnlich hohes Engagement. Die Auswertung der Befragung der Jugendlichen machte unter anderem auch deutlich, dass die Jugendlichen der Mobilen Jugendarbeit/Streetwork mehr als positiv gegenüberstehen und das Angebot des Landkreises gerne annehmen würden. Daher wurde das Jugendamt vom Jugendhilfeausschuss einstimmig beauftragt, sich mit der bereits in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 30. Juli 2015 behandelten Thematik über die Schaffung eines Streetwork-Angebots vertiefend im Sinne einer Bedarfsprüfung zu befassen.

Im Laufe des Jahres 2021 ist ein mögliches Konzept für ein Angebot der Mobilen Jugendarbeit/Streetwork für den Landkreis Kronach zu entwickeln und darüber in einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Jahr 2022 Bericht zu erstatten.

Einstimmiges Votum galt dem Haushaltsplanentwurf für 2021. Der Haushalt 2021 beläuft sich auf rund eine Million Euro in Einnahmen, die Ausgaben betragen 5,8 Millionen, dabei ist der Personalaufwand von 4,17 Millionen nicht mit einberechnet. Der Zuschussbedarf beträgt knapp 4,8 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Zuschussbedarf um 352 135 Euro verringert.