Wie wird Polio übertragen und welche Symptome gibt es?
Der Erreger ist hochansteckend und wird über Schmierinfektionen, verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen. Erste Symptome sind Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Nackensteifigkeit und Gliederschmerzen.
Eine von 200 Infektionen führt dem RKI zufolge bei fehlendem Immunschutz zu irreversiblen Lähmungen, meist in den Beinen. Von den Betroffenen sterben fünf bis zehn Prozent, weil ihre Atemmuskulatur gelähmt wird. Eine Heilung von Polio ist nach wie vor nicht möglich.
Wie kann ich mich schützen?
Es gibt eine Impfung, die zuverlässig vor einer Erkrankung schützt. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) sieht eine Grundimmunisierung mit drei Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten vor. Eine einmalige Auffrischimpfung ist im Alter von 9 bis 16 Jahren vorgesehen. Für bestimmte Risikogebiete im Ausland kann zudem eine Auffrischung nach zehn Jahren sinnvoll sein.
Die Impfquote liegt dem RKI zufolge im bundesweiten Mittel bei etwa 90 Prozent. In Hamburg seien zuletzt 81 Prozent der Kinder des Geburtsjahres 2021 im Alter von zwei Jahren vollständig gegen Polio geimpft gewesen, bundesweit 77 Prozent.
Wurde zuletzt nicht schon mal Polio im Abwasser nachgewiesen?
Ja, aber es handelt sich um unterschiedliche Typen. Beim aktuellen Fall aus Hamburg handelt es sich um den Wildtyp, also natürlich vorkommende Polio-Viren.
Hingegen wurden seit Ende 2024 in deutschem Abwasser Impfstoff-abgeleitete Polio-Viren des Typs 2 nachgewiesen, die auf die Schluckimpfung gegen Polio zurückzuführen sind. Die Schluckimpfung enthält abgeschwächte Impfviren, die sich vermehren und wieder aggressiver werden können. Nach der Impfung können sie ausgeschieden und verbreitet werden.
Eine Verbindung zwischen den zirkulierenden Impfstoff-abgeleiteten Polio-Viren und dem Hamburger Nachweis von Wildviren besteht nicht. Beide Typen können nach RKI-Angaben bei ungeimpften oder nicht vollständig geimpften Personen Polio auslösen.