Kardinal schreibt: "Ich nehme Hitler in Schutz"
Genau zwei Jahre später, am 24. Juli 1933 heißt es über eine Besucherin: "Will über Hitler schimpfen: Ich breche ab und erkläre: Ich achte ihn für einen großen Mann und Staatsmann." Und drei Monate danach: "Das Ansehen von Hitler gewachsen. Die rechtmäßige Regierung, also Ehrfurcht, also keine dummen Scherze verbreiten." Und im März 1934: "Ich nehme Hitler in Schutz, daß er guten Willen und staatsmännische Fähigkeiten habe."
In den Tagebüchern wird auch deutlich, dass Faulhaber von den "Euthanasie" genannten Morden an kranken und behinderten Menschen wusste: "Sprechen lange über unsere neue Sorge: Euthanasie der Geisteskranken", schreibt er am 4. Januar 1941 - und drei Monate später, im April: "Es wird versichert, das Altenheim würde nicht in die Euthanasie einbezogen." Für den 6. November 1923 ist aber auch folgender Eintrag vermerkt: "Es ist ein Artikel gegen mich, weil ich in der Allerseelenpredigt den Haß gegen die Juden als unchristlich bezeichnet habe."
"Porträt mit vielen Grauschattierungen"
Faulhaber zeige sich in seinen Tagebüchern als "ein Münchner Bürger, der während der Revolution von 1918 unter Todesangst litt. Ein Erzbischof, der sich von einer Kriegs- zu einer Friedenstheologie entwickelte. Ein Alttestamentler, der in antisemitischen Denkmustern seiner Zeit verhaftet blieb und gleichzeitig Mitglied der Vereinigung "Amici Israel" war", sagt Daufratshofer. Sein Fazit: "An die Stelle eines eindimensionalen Schwarz-Weiß-Bildes dürfte nun ein Porträt mit vielen Grauschattierungen treten."
Am 26. März 1932 schrieb Faulhaber: "Prinzessinnen Hildegard und Wiltrud: Fragen über Hitler - ich weiche aus. Glocken von Sankt Peter."