Klein Eden Experimente mit Papaya und Co

Sie forschen und beobachten das Wachstum von tropischen Früchten (von links): Professor Dominikus Kittemann, Student Markus Szögi und der wissenschaftliche Leiter des Tropenhauses, Ralf Schmitt. Foto: /Veronika Schadeck

Das Tropenhaus in Kleintettau arbeitet jetzt mit der Hochschule Weihenstephan zusammen. Dabei geht es unter anderem um die Mehrung der Erträge. Dafür fließen auch Fördermittel des bayerischen Umweltministeriums.

Kleintettau - Im Tropenhaus „Klein Eden“ wird weiter geforscht. Nachdem die Partnerschaft mit der Universität Bayreuth Ende 2020 geendet war, konnte nun die Hochschule Weihenstephan als neue Partnerin dafür gewonnen werden. Ziel ist es, durch Forschungsversuche die Erträge von Früchten zu steigern sowie das Tropenhaus nachhaltiger und wirtschaftlicher aufzustellen.

Das Tropenhaus steckt in einer schwierigen Lage. Seit Ausbruch der Pandemie ist „Klein Eden“ geschlossen. Es fehlen Besucher und somit auch Einnahmen. Daher, so der wissenschaftliche Leiter und Geschäftsführer des Tropenhauses, Ralf Schmitt, sei es ein Glücksfall, die Hochschule Weihenstephan mit im Boot zu haben. Finanziert wird das Forschungsprojekt, das bis Ende 2023 festgelegt ist, durch das bayerische Umweltministerium mit einer Summe von 450 000 Euro.

An einem Nachmittag schneidet Markus Szögi, Student der Hochschule Weihenstephan/Fakultät Gartenbau, gerade einen Guavenstrauch. Die südamerikanische Frucht liebt einen Platz, der warm und vor Wind und Regen geschützt ist. Einen Platz eben wie im Tropenhaus. Szögi wird in den nächsten Monaten regelmäßig vor Ort sein, um das Wachstum und Gedeihen der Guave zu beobachten und zu dokumentieren.

Vier Leitkulturen

Das ist aber nur ein Teil des Forschungsprojekts. Insgesamt, so erklärt Ralf Schmitt, konzentriere man sich bei dem Vorhaben auf die vier Leitkulturen Papaya, Sternfrucht, Maracuja und Guave. Dabei wird geforscht, inwieweit man durch verschiedene Beschnitte von Bäumen, Sträuchern und Bodendüngungen Platz einsparen, zugleich die Anzahl der Blüten vermehren und den Ertrag optimieren könne, erklärt der wissenschaftliche Leiter für Obstbau an der Hochschule Weihenstephan, Professor Dominikus Kittemann. Dabei probiere man unterschiedliche Methoden aus, ergänzt Ralf Schmitt. Beispielsweise werden bei der Papaya fünf verschiedene Düngeverfahren angewendet, um zu erforschen, wie die Pflanzen darauf reagieren. Für das nächste Jahr ist eine Veranstaltung mit dem IHK-Gremium Kronach geplant, um erste Zwischenergebnisse vorzustellen.

Spannend aus Sicht der Hochschule sei, dass man in „Klein Eden“ den tropischen Gartenbau erforschen könne, ohne sich in den Tropen zu befinden, sagt Kittemann. Zudem beeindrucke ihn, wie man hier die Abwärme der Glashütte als Energieträger nutzt. Für ihn sei es ein unvergessliches Erlebnis gewesen, als er zum ersten Mal mit seinem Auto nach Kleintettau kam, erinnert sich der Professor. Am Rennsteig lag Schnee, und es war kalt. Urplötzlich erblickte er ein Gebäude, durch dessen Scheiben tropische Pflanzen zu erkennen gewesen seien. „Ich war fasziniert – mit ‚Klein Eden’ haben die Betreiber ein Stück Tropen in den Landkreis geholt“, sagt Kittemann.

Spannend sei für ihn zudem, inwieweit tropische Früchte hier gedeihen, und ob die Jahreszeiten Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen haben. Denn eines sei klar: „Die Produktion von tropischen Früchten ist in Kleintettau anders als in den Herkunftsländern.“

Markus Szögi freut sich, dass er hier eine wissenschaftliche Arbeit verfassen kann und dass er optimale Bedingungen für die Ausübung seines Hobbys vorfindet. Schon zu Hause habe er mit verschiedenen Schnitttechniken und Saatgut experimentiert und die Reaktionen der Pflanzen darauf beobachtet, erzählt er. Ralf Schmitt hofft nun, dass durch dieses Forschungsprojekt das Tropenhaus ein Stück mehr an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnt.

Umbau in Corona-Zeiten

Bereits vor Corona hatte die Einrichtung mit einem jährlichen Defizit von rund 150 000 Euro zu kämpfen. Das Minus lag auch darin begründet, dass „Klein Eden“ in erster Linie als eine Forschungseinrichtung gilt, dementsprechend gefördert wurde und daher auch keine größeren Veranstaltungen und Werbekampagnen stattfinden konnten. Trotz allem besuchten vor Corona jährlich rund 18 000 Besucher das Tropenhaus. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 waren es 2800. Allein an den damals durchgeführten Nachtführungen nahmen über 600 Gäste teil.

Wie Ralf Schmitt weiter berichtete, haben die Verantwortlichen die Schließung wegen Corona genutzt, um das Tropenhaus umzubauen. Die Arbeiten dauern noch an. Auch diese Maßnahmen seien mit 300 000 Euro gefördert worden. Beim Forschungsprojekt habe man sich deshalb auf die vier Fruchtarten Maracuja, Sternfrucht, Papaya und die Guave konzentriert, weil die jüngste Zeit gezeigt habe, dass diese Früchte hohe Erträge bringen.

Dankbar ist Schmitt dem bayerischen Umweltministerium, das Flagge zeige und dieses Projekt unterstütze. Als ein großes Glück bezeichnet er es zudem, dass sich alle Gesellschafter, darunter die Rennsteiggemeinden und der Landkreis Kronach, finanziell für den Erhalt des Tropenhauses einbringen. Lobende Worte findet er zudem für die gastronomischen Abnehmer. Er hofft nun, dass nicht nur das Forschungsprojekt Früchte trägt, sondern dass auch das Tropenhaus und die Restaurants bald wieder öffnen können.

 

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