Kleintettau Er liefert Daten für Forscher in aller Welt

Foto: /Karl-Heinz Hofmann

Der Kleintettauer Franz Kluge erhält eine hohe Auszeichnung. Gewürdigt wird damit seine Arbeit als phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst.

Kleintettau - Franz Kluge aus Kleintettau ist mit der Bundesverdienstmedaille des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Damit wird sein ehrenamtliches Engagement für den Deutschen Wetterdienst (DWD) gewürdigt. Als phänologischer Beobachter erfasst und notiert Kluge seit 1980 im Auftrag des DWD die Veränderungen in der Pflanzenwelt im Raum Tettau.

Die Auszeichnung überreichte kürzlich Harald Maier, Leiter der Agrarmeteorologischen Niederlassung des DWD in Weihenstephan, im Beisein von Bürgermeister Peter Ebertsch an Franz Kluge. Maier würdigte dabei insbesondere die außerordentliche Zuverlässigkeit und Einsatzbereitschaft Kluges als phänologischer Beobachter und überbrachte ihm den Dank des Bundesministers für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, sowie des DWD-Präsidenten Gerhard Adrian. In seiner Laudatio ging der Niederlassungsleiter auf die Bedeutung phänologischer Beobachtungen für mehrere Bereiche ein. Phänologie ist die Lehre vom Einfluss der Witterung und des Klimas auf den jahreszeitlichen Entwicklungsgang der Pflanzen. Ein phänologischer Beobachter wie Franz Kluge erfasst sogenannte phänologische Entwicklungsphasen von Wildpflanzen, Obstgehölzen, Weinreben und landwirtschaftlichen Kulturpflanzen an einem Standort – zum Beispiel Austrieb, Blüte, Reife und Blattfall. Die Pflanzen dienen dabei als natürliche Sensoren. Die Beobachtungen liefern wertvolle Daten für viele Bereiche. Sie dienen als Grundlage für die Planung von Investitionen in Landwirtschaft und Gartenbau sowie für meteorologische und landwirtschaftliche Modelle, wenn es etwa um die Berechnung des Gefahrenpotenzials von Pilzkrankheiten und Schädlingen geht oder um Ertragsprognosen. Und sie werden für die regionale, pflanzliche und agrarmeteorologische Beratung des DWD genutzt. Dessen Service ermöglicht es Landwirten, Arbeiten gezielter und umweltgerechter durchzuführen. Damit sind die phänologischen Beobachtungen auch ein wichtiger Beitrag zur umweltschonenden Erzeugung gesunder Nahrungsmittel.

Darüber hinaus profitieren Tourismus, Landschaftspflege, Imkereien und Medizin von den Daten. Auch die für Allergiker so wichtige Pollenflugvorhersage wäre ohne phänologische Beobachtungen nicht möglich. Die Beobachtungen dienen außerdem als Arbeitsgrundlage für viele wissenschaftliche Bereiche. Für Ökologie und Klimaforschung ist Phänologie längst zu einem internationalen Forschungsgegenstand geworden, dem sich alle führenden Universitäten weltweit zuwenden. Die Ergebnisse nutzt der zwischenstaatliche Ausschuss für den Klimawandel (IPCC), um die Wirkung des Klimawandels auf Ökosysteme zu durchleuchten.

Somit werden die Beobachtungsdaten von Franz Kluge nicht nur für nationale, sondern auch für internationale Untersuchungen verwendet. „Seine Beobachtungsstelle ist damit Bestandteil des internationalen phänologischen Netzwerks“, sagte Maier. Diese Beobachtungstätigkeit erfordere ein hohes Maß an Naturverbundenheit, Einfühlungsvermögen in die biologischen Prozesse, Idealismus und Pflichtgefühl. „Ein Phänologe muss für seine Tätigkeit besonderes Engagement mitbringen und die Beobachtungen ganzjährig ohne Pause durchführen“, betonte der Niederlassungsleiter.

Der Deutsche Wetterdienst unterhält rund 1100 phänologische Beobachtungsstellen bundesweit, davon allein 275 im Freistaat Bayern. Ungefähr 147 Entwicklungsstadien an 45 Pflanzenarten werden regelmäßig erfasst und dem DWD gemeldet. Wichtig sei auch, dass die Beobachtungsdaten möglichst lange von derselben Person erhoben werden, sagte Maier. Deshalb seien Menschen wie Franz Kluge für den DWD unverzichtbar.

 

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