Klinik-Aus in Ebern „Offensichtliches Desinteresse“ bei Kreisräten?

Wieso beziehen sie keine Stellung? Die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ kritisiert den Umgang der Kreisräte im Landkreis Haßberge mit der Ebener Krankenhaus-Schließung.

Wohin führt der Weg für die Klinik in Ebern? Foto: NP-Archiv/Rudolf Hein

Die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ ist bestürzt über die mangelnde Bereitschaft der Kreisräte des Landkreises Haßberge, zur angestrebten Schließung der Haßberg-Klinik Ebern Stellung zu beziehen. Das teilte die Aktionsgruppe in einer Pressemitteilung vom Dienstag mit.

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Klaus Emmerich, Klinikvorstand i.R., betont darin: „Drei Antworten von 48 angeschriebenen Kreisräten zeigen ein offensichtliches Desinteresse der Kreisräte gegenüber den berechtigten Sorgen ihrer anvertrauten Bürgerinnen und Bürger. Wirtschaftliche Defizite, wie im Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Ebern erläutert, dürften nicht über die Schließung wohnortnaher lebensrettender klinischer Strukturen entscheiden.“ Vorrang habe für Ihn Artikel 51 der bayerischen Landkreisordnung (LKrO), der den Landkreis zum Betrieb wohnortnaher Krankenhäuser verpflichtet.

„Im Zweifelsfall entscheide dies über Leben und Tod“

Die Aktionsgruppe ist überzeugt: Ein Medizinisches Versorgungszentrum, kurz MVZ, ersetze bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen kein wohnortnahes Allgemeinkrankenhaus einschließlich klinischer Notfallversorgung binnen 30 Fahrzeitminuten. „Im Zweifelsfall entscheide dies über Leben und Tod“, heißt es dazu in der Pressemitteilung weiter.

„Die ergänzende Kurzzeitpflege ist offenbar noch nicht vertraglich gesichert.“ Als externe BRK-Einrichtung entziehe sie sich jeglicher Verfügungsgewalt des Landkreis Haßberge und könne im Fall wirtschaftlicher Defizite jederzeit wieder geschlossenwerden. „Dann aber stehen die Klinikstationen leer.“

Laut Pressemitteilung sei offenbar nie versucht worden, einen alternativen Klinikträger zu finden, der den bedarfsnotwendigen Klinikstandort weiter betreibt. „Wir verweisen hier auf das erfolgreiche Klinikmodell des Bürgerspitals Wertheim. Das insolvente und kurzzeitig geschlossene BRK-Krankenhaus wurde nach großartigem Engagement der Stadt Wertheim unter neuer Trägerschaft wieder eröffnet“, wird in dem Schreiben betont.

Die Aktionsgruppe appelliert an die Kreisräte

Die Aktionsgruppe fordert: „Wer 7.995 Einwohnern die wohnortnahe klinische Versorgung einschließlich Notfallversorgung binnen 30 Fahrzeitminuten verweigert, der muss erklären, warum diese Alternative nie in Erwägung gezogen wurde.“ Ebenso sei zu klären, auf welche Weise klinische Behandlungen alternativ gewährleistet werden können – und zwar zeitnah.

Die Pressemitteilung endet mit einem Appell: „Wir fordern alle Kreisräte auf, zur Petition ‚Erhalt der Haßberg-Klinik Ebern und Wiedereröffnung der stationären Chirurgie’ ihre Zustimmung oder Ablehnung schriftlich zu erklären und auch zu begründen.“