Das Verhältnis zwischen Politik und Zentralbankern war nie spannungsfrei. Der einstige US-Präsident Bill Clinton machte in den 1990er-Jahren aus seinem Misstrauen gegenüber der Notenbank Fed und den Instrumenten moderner Geldpolitik keinen Hehl. Schroff – die derbe Tonart war wohl dem Stress des Wahlkampfs geschuldet – entgegnete er auf die Vorschläge seines Wirtschaftsberaters Robert Rubin: „Sie wollen mir sagen, der Erfolg des Programms und meine Wiederwahl hängen von der Federal Reserve Bank und einem Haufen beschissener Anleihehändler ab?“ In der heutigen Zeit will sich offenbar auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nicht mehr alleine auf die Zentralbank verlassen. Angesichts der hohen Inflation, die Verbraucherpreise lagen in Deutschland im Mai knapp acht Prozent über dem Vorjahreswert, rief er jüngst zu einer „konzertierten Aktion“ auf. Er möchte die Tarifpartner an einen Tisch holen, um die Teuerung in den Griff zu bekommen. Im Hinterkopf spuken bei ihm wohl auch die Warnungen vor einer Lohn-Preis-Spirale.
Kommentar Die EZB muss Glaubwürdigkeit zurückgewinnen
Matthias Will 08.06.2022 - 00:00 Uhr