Kommentar Wir haben Klopp falsch verstanden

Der Wechsel von Jürgen Klopp zu Red Bull mag auf den ersten Blick verwundern. Allerdings nur, weil sein Bild zu lange romantisiert wurde.

Jürgen Klopp wechselt zu Red Bull. Das verstört viele Fußballfans. Foto: dpa/Christoph Reichwein

Wer ein regelmäßiger Nutzer des linearen Fernsehens ist, der kommt kaum an Jürgen Klopp vorbei: Fast keine Werbepause – gerade bei Sport-Übertragungen – kommt ohne Klopp-Clip aus. Bier, Autos, Kosmetika oder Geldanlagen – wohl kaum ein Fußballer, außer Franz Beckenbauer, hat so ein großes Werbeportfolio wie Klopp.

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Was soll’s? Nichts. Es ist sein gutes Recht, für so viele Produkte wie er mag, zu werben. Aber genauso ist es sein gutes Recht, den Arbeitgeber auszusuchen, den er sich gerade wünscht. Da geht es Klopp nicht anders als den normalen Fußballfans.

Was hat aber das eine mit dem anderen zu tun? Auf den ersten Blick natürlich nicht viel. Aber dennoch ist Klopps Werbe-Präsenz ein Indiz dafür, dass die Fußballfans in ihm oft etwas projiziert haben, das gar nicht stimmt. Klopp war schon bei der Auswahl seiner Werbepartner nicht gerade zimperlich (DVAG). Klopp war nie der Fußball-Romantiker, zu dem ihn alle gemacht haben. Passenderweise liefert eine seiner jüngsten Werbespots indirekt eine Antwort darauf: Sein Leben, so ist es im Spot zu sehen, hätte auch völlig anders verlaufen können. In die Fußballsprache übersetzt: Sein Weg von Mainz nach Dortmund und schließlich nach Liverpool war nicht vorgezeichnet, sondern auch ein Stück weit Zufall. Es war nicht die Erfüllung einer Fußballromanze, sondern Teil des Geschäfts und auch dem Zeitpunkt geschuldet. In einer anderen Welt wäre Klopp vielleicht beim HSV gelandet – und dann später in Paderborn oder Sandhausen.

Deshalb ist Klopps Wechsel zum Sport-Unternehmen Red Bull nicht der Untergang des Fußball-Abendlands. Auch wenn Klopp vielleicht unterschätzen mag, wie wenig Begeisterung seine Entscheidung bei den Fans hervorruft und dass er dadurch etwas an Authentizität einbüßt, kann man sie sportlich nachvollziehen: Die Red-Bull-Standorte zu führen, ohne die Verantwortung des Tagesgeschäfts wahrzunehmen, ist ein Jackpot für einen Gestalter wie Klopp. Und vielleicht möchte er auch nicht mehr durch die Mühen der Ebene, wie er es in Mainz, Dortmund und Liverpool erlebt hat. Erfolg aufzubauen, kostet Kraft. Und am Ende bleibt Klopp eben Klopp: Einer, der Erfolg haben möchte.