Ob sich die Randalierer in Brasilia ihre Nationalflagge einmal genau angesehen haben, bevor viele von ihnen mit dieser um dem Leib gebunden am Sonntag das politische Zentrum der Hauptstadt angegriffen haben? Wohl kaum. Denn darauf stehen die Worte „Ordem e Progresso“ – also Ordnung und Fortschritt. Die Tausenden offenkundigen Anhänger des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro haben das Gegenteil getan. Sie haben Chaos und Schäden angerichtet, die weit über zerbrochene Fensterscheiben und demolierte Abgeordnetenbüros hinausgehen. Durch ihre womöglich lange geplante Aktion haben sie mit dem Konsens des gewaltfreien demokratischen Dialogs gebrochen, durch den politische Macht gesellschaftlich verhandelt wird. Die Angriffe in Brasilia suggerieren stattdessen: Wer unzufrieden ist, hat das Recht, sich einfach zu nehmen, was ihm seiner Meinung nach zusteht.
Kommentar zu Brasilien Eine große Schande
Sven Wagner 09.01.2023 - 17:29 Uhr