Kommentar zu Fifa-Boss Infantino Unsinnig

Den WM-Pokal würde Gianni Infantino gern alle zwei Jahre statt wie bislang alle vier Jahre an einen Sieger überreichen. Dafür wirbt er nun – auch mit ungewöhnlichen Argumenten. Foto: Ulmer/Imago

Der Chef des Weltfußballverbands sagt, dass eine WM im Zwei-Jahres-Rhythmus die Armut bekämpfen würde – und Flüchtlingsströme eindämmt. Was für eine infame Behauptung, kommentiert uns Sportredakteur – und sagt aber auch: Die Worte zeigen, wie verzweifelt Infantino ist.

So, so – der Fußball soll also die Lösung aller Probleme sein. Wenn die WM alle zwei Jahre stattfinden würde, suchten weniger Flüchtlinge aus Afrika den Weg übers Mittelmeer nach Europa – auf diese steile These lässt sich Gianni Infantinos Rede zusammenkürzen. Was für ein Unsinn! Alle, die sich in den letzten Jahren auch nur fünf Minuten mit dem Gebaren der Fifa beschäftigt haben, wissen, dass es dem Fußballweltverband nur ums Geschäft geht. Die Fifa ist daran interessiert, dass Ball und Rubel weiterrollen – und bestimmt nicht an einer moralisch weißen Weste. Wäre das so, dann würde die Fifa nach Aufklärung der Vergabe-Skandale lechzen. Erst recht im Vorfeld der WM in Katar.

In einer ruhigen Minute nach seiner Rede vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats hat der Fifa-Boss wohl auch gemerkt, wie weit daneben er lag – und ruderte zurück. Dass er überhaupt eine so aberwitzige Behauptung öffentlich geäußert hat, zeigt, wie verzweifelt Infantino ist. Sein Plan, die WM im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden zu lassen, ist bereits längst tot. Den schleichenden Machtverlust der Fifa versucht er mit der moralischen Überhöhung zu kaschieren – und scheiterte damit krachend.

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