Konzept für Distanzunterricht Lehrer sollen Spielräume nutzen

Viele Eltern übernehmen derzeit zu Hause die Rolle der Lehrer. Foto: kaliantye - stock.adobe.com

Die einen Klassen haben täglichen Onlineunterricht, andere arbeiten nur mit Wochenplänen. Das Kultusministerium verweist auf Vorgaben und pocht auf bayerische Bildung.

Coburg/München - Das Bayerische Kultusministerium sieht die Schulen gut für den Distanzunterricht vorbereitet. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die auf Anfrage der Neuen Presse gegeben wurde. Darin heißt es, die 6200 Schulen in Bayern seien für den Distanzunterricht breit aufgestellt und haben dabei die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler im Blick.

Das Kultusministerium betont, durch Änderung der Bayerischen Schulordnung rechtzeitig die Rechtsgrundlagen für Distanzunterricht geschaffen zu haben. Ein „Rahmenkonzept für den Distanzunterricht“ regele zusätzlich die notwendigen organisatorischen und pädagogischen Vorgaben. „Das Konzept sorgt für ein hohes Maß an Verbindlichkeit im Distanzunterricht für Schüler und Lehrkräfte. Das Konzept strukturiert den Tagesablauf der Schüler und stellt den direkten, regelmäßigen Kontakt zwischen Schülern und Lehrkräften auf klar definierten Kommunikationswegen zu festgelegten Zeiten sicher“, so eine Sprecherin des Ministeriums. „Gleichzeitig bieten wir den Schulen die nötige Freiheit, um schulart-, alters- und jahrgangsstufenspezifische Besonderheiten und auch die konkreten technischen Voraussetzungen zu berücksichtigen.“

Eltern hatten sich darüber beschwert, dass der Distanzunterricht sehr unterschiedlich ablaufe (Neue Presse vom 19. Januar). So haben einige Schüler täglichen Onlineunterricht, andere müssen nur mit per Email verschickten Wochenplänen arbeiten. Zudem bemängeln Eltern, dass die Wege, wie sie der Stoff erreiche, unübersichtlich seien.

„Bei den digitalen Werkzeugen steht den bayerischen Schulen eine große Bandbreite zur Verfügung“, heißt es dazu aus dem Ministerium. Neben der zentral bereitgestellte Plattform Mebis würden vor allem verschiedene Videokonferenzsysteme wie etwa MS Teams, E-Mail, Cloudspeicher-Lösungen und Schulportale genutzt. Während der Pandemie habe das Kultusministerium zusätzlich als zentrales Angebot Microsoft Teams bereitgestellt, damit insbesondere auch landesweit ein Videokonferenzsystem zur Verfügung steht. Durch verschiedene Maßnahmen, darunter die Hinzufügung von neuen Servern, könne nach Auskunft des Kultusministeriums aktuell eine Verdreifachung der Leistungsfähigkeit der Schulplattform Mebis im Vergleich zur Situation vor Weihnachten angenommen werden. Die Anzahl der Server werde gegenwärtig von 36 auf 92 ausgebaut.

Damit Distanzunterricht funktioniert, sind jedoch auch die entsprechen Geräte für Schülerinnen und Schüler nötig. Das Staatsministerium unterstützt die Schulaufwandsträger dabei, Schülerinnen und Schüler wie auch Lehrerinnen und Lehrer mit digitalen Endgeräten zu versorgen. Alleine die Anzahl der Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler konnte 2020 dabei nach Auskunft des Ministeriums von etwa 50 000 auf rund 180 000 erhöht werden. Dennoch hakt es auch an anderen Stellen, wie Eltern berichten. Denn nicht immer besteht eine gute Internetverbindung, oder die Lernplattformen brechen wegen zu vielen Nutzern zusammen.

Was anstehende Prüfungen oder den Übertritt der vierten Klassen angeht, verweist das Kultusministerium auf die pädagogischen Freiräume der Lehrer. „Die Lehrkräfte können Spielräume im Lehrplan nutzen und – je nach Wissensstand ihrer Klasse – im laufenden Schuljahr Schwerpunkte setzen.“ Entsprechende Schwerpunktsetzungen habe das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung zur Verfügung gestellt. Diese Hinweise werden nun nochmals überarbeitet, um Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte zeitlich zu entlasten und noch mehr Planungssicherheit zu schaffen.

Um den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht zu erleichtern, sollen die sogenannten Brückenangebote fortgesetzt werden. In speziellen Kursen wurden im ersten Halbjahr Schüler individuell gefördert, Lernrückstände konnten so aufgeholt werden.

„Mit Blick auf die Leistungserhebungen gilt auch für die Phasen des Distanzunterrichts: Wir stehen zum Qualitätsanspruch der bayerischen Schulen, unsere Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf gute Bildung“, betont das Kultusministerium. Gleichzeitig sollen die Schüler aber nicht die Leidtragenden für eine Situation sein, an der niemand die Schuld trägt. Auch in diesem Schuljahr sollen faire Rahmenbedingungen herrschen. So wurden für das Abitur prüfungsrelevante und nicht-prüfungsrelevante Inhalte gekennzeichnet und die Zahl der Leistungsnachweise deutlich reduziert. Schüler der 4. Klassen müssen 14 anstatt der vorgesehenen 18 Probearbeiten schreiben.

Für den Fall, dass über einen längeren Zeitraum Distanzunterricht erforderlich wird, sei zudem eine Ergänzung der Bayerischen Schulordnung für das Schuljahr 2020/21 in Vorbereitung, die weitere Flexibilisierungen bei Leistungsnachweisen ermöglichen wird. Dort sei auch eine Regelung beabsichtigt, generell die Wiederholung der Schuljahre 2019/20 und 2020/21 nicht auf die Höchstausbildungsdauer anzurechnen.

 

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