Konzert Memmelsdorf Musikalische Herzensangelegenheit

Wolfgang Aull

Rotraut Arnold präsentiert in Memmelsdorf eine Hommage an Friedrich Hollaender vor heimischer Kulisse.

Rotraut Arnold und Rainer Armbrust präsentieren in Memmelsdorf die Hommage an Friedrich Hollaender. Foto: Bruno Schneyer

Die in Coburg geborene Sängerin und Schauspielerin Rotraut Arnold tritt mit einer musikalischen Herzensangelegenheit in ihrer heimatlichen Region auf die Bühne: In der Synagoge Memmelsdorf bringt sie gemeinsam mit dem Pianisten Rainer Armbrust am Sonntag, den 7. September, um 17 Uhr eine Hommage an Friedrich Hollaender zu Gehör.

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„Hollaender habe seinen Mitmenschen ins Herz geschaut und voller Hingabe besungen, was er dort vorgefunden hat.“ So beschreibt Arnold ihren Lieblingskünstler, den sie an dem Nachmittag über Lieder und Erzählungen dem Publikum näher bringen möchte. Er sei Komponist und Textdichter, Schauspieler und Kabarettist, Regisseur und Theaterleiter, Schriftsteller und Pianist in einer Person gewesen. Dadurch hätte er die Populärkultur der 1920er- und frühen 1930er-Jahre geprägt, schwärmt die Künstlerin. Sicherlich das bekannteste Lied sei: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, das Marlene Dietrich mit ihrer wunderbar gefühlvollen Stimme zu einem Evergreen werden ließ.

1996 hatte die Oberfränkin ein Engagement beim Staatstheater am Gärtnerplatz in München, als sie die Grabstätte Hollaenders auf dem Ostfriedhof aufsuchte. Der Entschluss reifte, zu seinem 100. Geburtstag dem „großen kleinen Friedrich“, wie er von Charly Chaplin ehrfurchtsvoll genannt wurde, ein facettenreiches Denkmal zu setzen. „Ich war damals die Einzige, die ihn gewürdigt hat!“ blickt sie nicht ohne Stolz auf diese Entscheidung zurück.

Dann erklärt Arnold, die mittlerweile in Königsberg in Bayern wohnt, weshalb gerade die Synagoge Memmelsdorf aus ihrer Sicht so ein unübertroffener Veranstaltungsort für dieses Programm ist: „Hollaender war Jude, musste 1933 in einer Nacht – und Nebelaktion Deutschland verlassen, da er sich durch seine Texte und Aktivitäten bei den Nazis äußerst unbeliebt gemacht hatte.“ Seine Texte seien so aktuell wie kaum andere, empfindet sie. Teilweise gefriere einem das Lachen: „wenn man weiß, dass ´Raus mit den Männern aus dem Reichstag!` ein Lied von 1926 ist, oder die Trommlerin fragt: ´Na, wer will nochmal? Na, wer schießt – nochmal?`“

Ein Stück Zeitgeschichte

Für Arnold ist ihr Werk „ein Stück Zeitgeschichte, das wir uns alle immer wieder und nie genug ins Gedächtnis zurückrufen müssen.“

So kündigt sie einen Abend an, der unter die Haut geht: „Friedrich Hollaender schaffte es, innerhalb von vier Liedstrophen eine ganze Lebensgeschichte mit all ihren Fröhlichkeiten und Katastrophen zu erzählen und das Publikum weinend und lachend in Einem zurückzulassen. Die Lieder seien für sie, die Diseuse, also eine Künstlerin des Kabaretts, „ein gefundenes Fressen“.

In Rainer Armbrust habe sie einen wunderbaren Partner am Klavier. Der Pianist sei schon mehrfach ausgezeichnet worden und reise beruflich in viele Länder der Welt. Sie sehe es als Glücksfall, dass er sie bei dieser Aufführung begleiten wird.

Arnold fasst zusammen: „Die Gäste des Programms ´Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre` bekommen einen sehr persönlichen Eindruck von Hollaenders Blütezeit seines Schaffens und erfahren viel über seine persönliche Lebensgeschichte.“ Die Veranstaltung dauere, mit einer Pause, zwei gute Stunden.

Veranstalter ist der Träger- und Förderverein Synagoge Memmelsdorf, der Eintritt beträgt 19 Euro. Reservierungen unter: info@synagoge-memmelsdorf.de; oder unter Tel.: (09544) 985044.