Krankenhaus Ebern „Der Mensch wird hintangestellt“

Das „Zukunftskonzept“ für die Haßberg-Kliniken sorgt für Kritik. Dem Standort in Ebern mit seinen aktuell 70 Betten wird ein baldiges Ende prophezeit. Foto: NP Archiv/Tanja Kaufmann

Bedauern und Empörung: Der Marktgemeinderat Rentweinsdorf nimmt gemeinschaftlich Stellung zum Krankenhausstandort Ebern und den Plänen zur dortigen Umstrukturierung.

Ebern/ Rentweinsdorf - Die geplante Neuausrichtung der Haßberg-Kliniken ruft immer mehr Kritiker auf den Plan. Am 31. März hatten Landrat Wilhelm Schneider, die Vorstandsvorsitzende der Haßberg-Kliniken Vera Antonia Büchner, MVZ-Geschäftsführer Wilfried Neubauer sowie die Bürgermeister Jürgen Hennemann (Ebern) und Günther Werner (Haßfurt) bei einer Pressekonferenz im Landratsamt das „Zukunftskonzept“ für die Häuser Haßfurt und Ebern mitgeteilt (die Neue Presse berichtete). Demnach soll am Standort Ebern ein Zentrum für Altersmedizin inklusive Palliativmedizin, Kurzzeit- und Übergangspflege entstehen; das dortige Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) wird im ambulanten Bereich weiter ausgebaut. Am Standort Haßfurt dagegen wird künftig die gesamte stationäre Chirurgie angesiedelt und um eine Reihe von Zentren erweitert. Für Ebern bedeutet dies allerdings: OP-Abteilung, Anästhesie, Chirurgische Station, Zentrale Patientenaufnahme, Labor sowie Röntgen (in der Bereitschaftszeit) werden bald Vergangenheit sein. Am vergangenen Mittwoch hatten rund 30 Beschäftigte auf ihre Situation aufmerksam gemacht und den Erhalt aller Arbeitsplätze in Ebern gefordert.

Nun schaltet sich auch die Politik ein. In einer Stellungnahme des Marktgemeinderates Rentweinsdorf bedauert das Gremium die Entscheidung sehr, „dass das Krankenhaus in Ebern mit seiner eigentlichen Nutzung geschlossen wird“, wie es heißt: „Das Krankenhaus, welches von vielen Menschen aus der näheren Umgebung im Notfall als erste Anlaufstation aufgesucht wird, fällt nun weg.“ Stattdessen mute man der hilfesuchenden Bevölkerung zu, eine Strecke von über 25 Kilometer auf sich zu nehmen, um zur nächsten medizinischen Notfalleinrichtung zu gelangen, was einer Fahrzeit von mindestens 15 bis 20 Minuten entspreche. „Folglich sind schwere Verletzungen, die durch Unfälle geschehen können, nicht mehr durch erste Notfallmaßnahmen zentral mit Blick auf einen kurzen Anfahrtsweg zu behandeln“, heißt es in dem Schreiben, das Rentweinsdorfs Bürgermeister Steffen Kropp (SPD) an die Neue Presse leitete. Solche Verletzungen seien dann nur noch durch den in Ebern ansässigen Rettungsdienst vor Ort abzufangen. „Patienten, die nicht selbst fahren können, müssen sich nun zu einem weiter entfernteren Krankenhaus (Bamberg, Coburg oder Haßfurt) bringen lassen“, kritisieren die Marktgemeinderäte in ihrer Stellungnahme: „Wie wir wissen, ist unsere hiesige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sehr schlecht.“

Das Krankenhaus in Ebern hätte keine Spezialisten oder Ähnliches benötigt, argumentieren die Rentweinsdorfer Räte. Dies sei finanziell und auch aufgrund des Systems nicht möglich. Doch selbst eine Erstversorgung oder auch nur die Stabilisierung von Patienten gehe durch die Schließung eines zentralen Krankenhauses für die umliegenden Gemeinden verloren.

„Leider ist auch hier das Personal vergessen worden, welches sich jederzeit aufopferungsvoll um die Patienten gekümmert hat“, heißt es in dem Schreiben weiter. Der Verlust von Arbeitsplätzen werde dabei billigend in Kauf genommen. Betriebsbedingte Kündigungen waren zwar ausgeschlossen worden, betroffenen Mitarbeitern bleibt aber nur ein Wechsel in andere Abteilungen und/oder nach Haßfurt sowie eventuell die Altersteilzeit.

„Unverantwortlich“

Unverständnis herrscht in Rentweinsdorf auch wegen eines weiteren Aspekts: Gerade in Zeiten von Corona, in der eine höhere Anzahl an Intensivbetten benötigt werde, könnten in einem „kleineren“ Krankenhaus wie Ebern Patienten mit leichten und anderen Krankheiten verlegt werden. „Aus unserer Sicht ist die Schließung eines Krankenhauses, vor allem in diesen Zeiten einer Pandemie, unverantwortlich“, bekräftigen die Marktgemeinderäte.

Das neue Konzept mit einem „Zentrum für Altersmedizin“ sei ohne schnelle Diagnosen ihrer Ansicht nach nicht konkurrenzfähig und damit nicht zukunftsorientiert. „Die Kurzzeitpflege als zweites Standbein zu titulieren, ist für ein Pilotprojekt, das scheitern könnte, auch sehr gewagt“, heißt es. Die Schließung sei eine rein wirtschaftliche Entscheidung, bedauern die Kommunalpolitiker: „Der Mensch wird hier einmal mehr hintangestellt. Zumal es nun für Angehörige noch schwieriger wird, die Sterbenden auf ihren letzten Weg zu begleiten, da durch die Schließung des Krankenhauses in Ebern auch der palliativmedizinische Dienst aufgegeben wird.“

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