Lilly Hiebenthal kann beim Rückblick auf ihre Krankengeschichte nicht behaupten, dass im Laufe der Zeit alles besser geworden wäre - ganz im Gegenteil. Gerade seit der Pubertät habe sich das von Jahr zu Jahr komplizierter angefühlt. Manchmal habe sie beim morgendlichen Aufwachen das Gefühl, es sei schon wieder ein neues Symptom da. Seit anderthalb Jahren mache ihr der Darm zu schaffen, zehn Kilogramm habe sie abgenommen. "Man muss testen, was helfen könnte und was nicht."
Zahl Seltener Erkrankungen nimmt zu - wegen besserer Diagnostik
Strauß ist nicht überrascht, dass die Zahl Seltener Erkrankungen zunimmt. "Wir finden viel mehr davon, weil wir einen besseren Zugang zur genetischen Diagnostik haben." Am Uniklinikum Dresden gibt es seit 2024 über ein Modellvorhaben die Möglichkeit, bei Verdacht auf eine genetische Erkrankung eine Genomsequenzierung vornehmen zu lassen. In manchen Fällen kann dann eine zielgerichtete Behandlung beginnen.
Um eine flächendeckende Versorgung zu sichern, haben vor allem Unikliniken in den vergangenen Jahren bundesweit Zentren für Seltene Erkrankungen aufgebaut, erklärt Reinhard Berner. Der Professor ist Sprecher des USE und Direktor der hiesigen Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Man müsse sich auch darum kümmern, dass diese Patienten aus der Isolation kommen, in der sie sich oft befinden. Bundesweit sind 37 solche Zentren Anlaufpunkt für Ratsuchende. In Dresden wurden 2025 gut 600 Fälle bearbeitet.
Um das Schicksal Betroffener stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, wird der letzte Tag im Februar jedes Jahr international als "Rare Disease Day" begangen. "Wir möchten Patienten zusammenbringen und andere Menschen für deren Belange sensibilisieren", beschreibt USE-Koordinatorin Tanita Kretschmer das Anliegen. Seit fünf Jahren ist der Tag mit einer Kunstaktion in Regie des Berliner Vereins Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (Achse) gekoppelt. Auf Bahnhöfen und in Kliniken zeigt eine Schau Porträts und künstlerische Arbeiten von Leuten, die eine solche Krankheit haben. Sie künden von viel Lebensmut.