Kreationismus vs Evolution Hat die Bibel doch Recht? Die Arche Noach in Kentucky

Markus Brauer

Nahe Williamstown in Kentucky steht eine riesige Arche Noach aus Holz. Sie ist Hauptattraktion des christlichen Vergnügungsparks „Ark Encounter“.

Der „Ark Encounter“ (zu deutsch: Treffpunkt Arche oder Begegnung mit der Arche) ist ein kreationistischer Themenpark in der US-Stadt Williamstown. Das Hauptgebäude und thematische Zentrum des Parks ist ein Modell der Arche Noach, das entsprechend der biblischen Sintflut-Erzählung konstruiert wurde. Foto: mago/Zuma Wire

So steht es geschrieben im biblischen Buch Genesis über Noach, den zehnten Urvater nach Adam. Wegen seiner Glaubenstreue wird Noach von Gott auserwählt, durch den Bau der Arche mit seiner Familie die Sintflut zu überleben:

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Kupferstich aus der Dore- Bibel zur Illustration von Genesis: Die Taube, die von der Arche ausgesandt wurde, kehrt zurück. Foto: Imago/H. Tschanz-Hofmann

Noach und die Sintflut

„Gott sah sich die Erde an: Sie war verdorben, denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben. Da sprach Gott zu Noach: Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist da; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat. Nun will ich sie zugleich mit der Erde verderben. Mach dir eine Arche aus Zypressenholz! Statte sie mit Kammern aus, und dichte sie innen und außen mit Pech ab!

So sollst du die Arche bauen: Dreihundert Ellen lang, fünfzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch soll sie sein. Mach der Arche ein Dach und hebe es genau um eine Elle nach oben an! Den Eingang der Arche bring an der Seite an! Richte ein unteres, ein zweites und ein drittes Stockwerk ein!

Berg Ararat in der türkischen Provinz Agri: Hier soll der Überlieferung nach die Arche Noach gestrandet sein (Kupferstich aus einer holländischen Bibel, um 1700). Foto: Imago/AGB Photo

Ich will nämlich die Flut über die Erde bringen, um alle Wesen aus Fleisch unter dem Himmel, alles, was Lebensgeist in sich hat, zu verderben. Alles auf Erden soll verenden. Mit dir aber schließe ich meinen Bund. Geh in die Arche, du, deine Söhne, deine Frau und die Frauen deiner Söhne!

Von allem, was lebt, von allen Wesen aus Fleisch, führe je zwei in die Arche, damit sie mit dir am Leben bleiben; je ein Männchen und ein Weibchen sollen es sein. Von allen Arten der Vögel, von allen Arten des Viehs, von allen Arten der Kriechtiere auf dem Erdboden sollen je zwei zu dir kommen, damit sie am Leben bleiben.

Nimm dir von allem Essbaren mit und lege dir einen Vorrat an! Dir und ihnen soll es zur Nahrung dienen. Noach tat alles genau so, wie ihm Gott aufgetragen hatte.“ (Die Bibel, Buch Genesis, Kapitel 6, Verse 12-22).

„Ark Encounter“: Die Arche Noach lebt

Nahe der Stadt Williamstown im US-Bundesstaat Kentucky wird die biblische Erzählung von dem Patriarchen Noach und seine Sippschaft, welche die große Flut überlebte, lebendig. Auf einer Wiese steht inmitten eines sorgsam gepflegten Parks eine riesige Arche, gestützt durch gewaltige Holzpfosten. Das Ungetüm ist die Hauptattraktion des im Jahr 2016 eröffneten christlichen Vergnügungsparks „Ark Encounter“.

Der Eingang zum „Ark Encounter“. Foto: Imago/Depositphotos
Der Teich vermittelt einen falschen Eindruck: Diese Replik der biblischen Arche ist nicht schwimmfähig. Foto: Imago/Depositphotos

Der „Ark Encounter“ (deutsch: Treffpunkt Arche oder Begegnung mit der Arche) ist ein kreationistischer Themenpark . Das Hauptgebäude und thematische Zentrum des Parks ist ein Modell der Arche Noach, das entsprechend der biblischen Sintflut-Erzählung konstruiert wurde – mit 155 Metern Länge, 26 Metern Breite und einer Höhe von 15,5 Metern.

Die hölzerne Konstruktion verfügt über 132 Laderäume auf drei Decks unterteilt. 91 Millionen Dollar kostete der Bau nach Angaben der Betreiber, der Stiftung Answers in Genesis (AiG).

Kreationistisches Panoptikum

Der Themenpark ist wie ein Naturkundemuseum aufgebaut, lehrt jedoch statt seriöser Wissenschaft pseudowissenschaftliche Theorien des Kreationismus mit wörtlichen Auslegungen der jüdisch-christlichen Schöpfungstexte aus dem Buch Genesis.

An „Bord“ wimmelt es von Nachbildungen der verschiedensten Tiere. Ausstellungen erzählen biblische Geschichten rund um Noach, eingebettet in die Schöpfungsgeschichte, zu der auch die Koexistenz von Dinosauriern und Menschen gehört.

Gegendarstellungen zur abgelehnten Evolutionstheorie, eine rekonstruierte Übersicht über die geretteten Tierarten und der praktische Alltag auf einer Arche während der ein Jahr währenden biblischen Sintflut ergänzen das kreationistische Panoptikum.

Buch Genesis: Die ersten Zeilen der Bibel. Foto: Imago/YAY Images

„Historisch korrekte Attraktion“

Die Erbauer sehen den „Ark Encounter“ als „historisch korrekte Attraktion“. Sie vertreten eine Form des Kreationismus, der davon ausgeht, dass die Bibel wortwörtlich zu nehmen ist. Damit einher geht auch die Ansicht, dass Gott die Erde in sieben Tagen erschaffen hat und somit der gesamte Planet nur rund 6000 Jahre alt ist. Auch sollen alle Lebewesen zeitgleich auf die Erde gekommen sein.

Diese Ansichten stehen im völligen Gegensatz zu denen der Wissenschaft. Sie geht von einem Erdalter von rund 4,5 Milliarden Jahren aus, sowie dass sich die verschiedenen Lebewesen inklusive des Menschen durch Evolution über einen langen Zeitraum entwickelt haben. Die unterschiedlichen Ansichten von Evolutionisten und Kreationisten sorgen in Teilen der USA immer wieder für heftige Diskussionen.

Noachs neue Arche: 155 Meter lang, 26 Meter breit, 15,5 Meter hoch. Foto: Imago/Dreamstime
Die neue Arche ist so unsinkbar wie einst die Titanic. Foto: Imago/Pond5 Images

Adam und Eva, die Dinos und der liebe Gott

Es war Charles Darwin, der der Menschheit die Augen für die Geheimnisse der Evolution geöffnet hat. Darwin war Theologe und Naturwissenschaftler und lebte von 1809 bis 1882 in England. Er erklärte als erster, wie die unzähligen lebenden und ausgestorbenen Arten auf der Erde tatsächlich entstanden sind.

Mit 22 Jahren ging er auf Reisen und fuhr mit dem Forschungsschiff „Beagle“ fünf Jahre lang um die Welt. Dabei beobachtete er Tiere und sammelte Tausende Pflanzen, Insekten und Knochen. Ihm fiel auf, dass viele Pflanzen und Tiere perfekt an ihre Umwelt angepasst waren.

Im Jahr 1859 veröffentlichte er – nach zwei Jahrzehnten des Forschens – ein Buch, das zu einem der wichtigsten naturwissenschaftlichen Schriften und einem der großartigsten Bücher in der gesamten Menschheitsgeschichte zählt: „The Origin of Species“ – „Die Entstehung der Arten“.

Eine Erstausgabe von Charles Darwins Buch „The Origin of Species“ von 1859 im Londoner Natural History Museum. Das Opus Magnum des Vaters der Evolutionslehre ist einer der bedeutendsten Meilensteine in der Wissenschaftsgeschichte. Foto: AFP

Darwins atemberaubende These

In diesem „Opus magnum“ stellt Darwin die atemberaubende These auf, dass alle Lebewesen auf gemeinsame Vorfahren zurückgehen. Diese veränderten sich im Laufe von Hunderten von Millionen Jahren mehr und mehr, bis sich schließlich die verschiedenen Lebensformen herausbildeten.

Darwin behauptete darin auch, dass Menschen und Affen einen gemeinsamen Ahnen gehabt haben, von dem aus sie sich in zwei verschiedene evolutionäre Richtungen entwickelt hätten.

Die hölzerne Konstruktion verfügt über 132 Laderäume auf drei Decks unterteilt. Foto: Imago/Depositphotos
91 Millionen Dollar kostete der Bau nach Angaben der Betreiber, der Stiftung Answers in Genesis (AiG). Foto: Imago/Pond5 Images

Evolution und Kreationismus

Haben Adam und Eva die Dinosaurier gekannt? Für die meisten eine absurde Frage, nicht aber für Kreationisten. Der Kreationismus entstammt dem protestantischen Fundamentalismus, wie er vor allem in den USA verbreitet ist. Er bestreitet die von Darwin entwickelte wissenschaftliche Evolutionstheorie, nach der sich alles Leben auf der Erde ohne höheres Eingreifen in Jahrmilliarden entwickelt hat.

Diese Gruppe bibeltreuer Christen nimmt die Heilige Schrift wortwörtlich im Sinne einer Verbalinspiration. Das bedeutet: Die Heilige Schrift ist bis in den einzelnen Wortlaut hinein von Gott inspiriert und den menschlichen Verfassern diktiert worden.

Vor allem in der evangelikalen Szene ist der Schöpfungsmythos für viele Christen Teil ihrer Weltdeutung. Die These, dass die Bibel Recht und die Naturwissenschaft Unrecht hat, ist für viele Fromme Allgemeingut.

Ausstellungen erzählen biblische Geschichten rund um Noach, eingebettet in die Schöpfungsgeschichte, zu der die Koexistenz von Dinosauriern und Menschen gehört. Foto: Imago/Pond5 Images
Gegendarstellungen zur abgelehnten Evolutionstheorie, eine rekonstruierte Übersicht über die geretteten Tierarten und der praktische Alltag auf einem Schiff während der ein Jahr währenden Sintflut ergänzen das kreationistische Panoptikum. Foto: Imago/Depositphotos

Massenphänomen Kreationismus

Von den unglaublichen Thesen der Bibel-Fundis nimmt in Deutschland und dem restlichen Europa kaum jemand Notiz. Anders sieht es in den USA aus. Laut einer Umfrage des Gallup-Instituts glauben 42 Prozent der amerikanischen Bevölkerung an die Schöpfung – das sind mehr als 130 Millionen Menschen.

In den USA fechten christliche Fundamentalisten seit Jahrzehnten gegen die Darwinsche Evolutionslehre. Kreationisten schreiben die Entstehung der Arten einem Schöpfer zu und nicht natürlichen Selektions- und Mutationsprozessen, wie es seit Darwin wissenschaftliches Allgemeingut ist.

Noach und seine Familie an Bord der Arche. Foto: Imago/Dreamstime
„Gott sah sich die Erde an: Sie war verdorben, denn alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben. Da sprach Gott zu Noach: Ich sehe, das Ende aller Wesen aus Fleisch ist da; denn durch sie ist die Erde voller Gewalttat. Nun will ich sie zugleich mit der Erde verderben.“ Foto: Imago/Depositphotos

Intelligent Design: Keine Welt ohne Schöpfer

Aus dem Kreationismus entstand in den 1990er Jahren die Theorie des sogenannten Intelligent Design. Seine Anhänger streiten nicht ab, dass die Erde Milliarden Jahre alt sein und es evolutionäre Prozesse geben könnte. Doch ihrer Überzeugung nach ist das Leben auf der Erde zu komplex, um ohne die schöpferische Macht Gottes entstanden zu sein.

Früher dachte man, Gott hätte den Menschen in nur einem einzigen Tag erschaffen und Adam und Eva seien die Stammeltern der gesamten Menschheit. Heute wissen wir, dass unsere Vorfahren ganz anders aussahen als wir heute. Sie waren am ganzen Körper dicht behaart, hatten eine breiten Mund und wulstige Knochen über den Augen. Bis zum heutigen Menschen war es ein sehr langer Entwicklungsweg.

Noach an Bord der Arche. Foto: Imago/Pond5 Images
„Von allem, was lebt, von allen Wesen aus Fleisch, führe je zwei in die Arche, damit sie mit dir am Leben bleiben; je ein Männchen und ein Weibchen sollen es sein.“ Foto: Imago/Dreamstime

Vom Affen zum Homo sapiens

Vor rund sieben Millionen Jahren verzweigte sich der Stammbaum von Mensch und Affen. Damals gab es noch keinen Urmenschen, aber schon Lebewesen, die den heutigen Menschen und Affen ähnlich waren.

Ein paar Vertreter dieser Art entwickelten sich und wurden nach und nach zum Menschen. Sie fingen an, aufrecht zu gehen und konnten ihre Hände frei bewegen. Später begannen sie Werkzeuge und Waffen für die Jagd zu basteln. Experten nennen diese Entwicklung von Leben Evolution.

Dinos treffen Menschen? Für HardcoreKreationisten kein Problem. Foto: Imago/Dreamstime
Die Dimensionen des hölzernen Bauwerks sind gewaltig, wie man auf diesen Foto sieht. Foto: Imago/Depositphotos

Evolution: Vom Werden aller Wesen

Evolution (vom Lateinischen Verb „evolvere“ – entwickeln) meint die allmähliche Veränderung von vererbbaren Merkmalen einer Population von Lebewesen von Generation zu Generation. Diese Merkmale sind in Form von Genen festgelegt (sogenannter genetischer Code), die bei der Fortpflanzung kopiert und an den Nachwuchs weitergegeben werden.

Durch Mutationen – dass heißt, dauerhafte Veränderungen des Erbgutes – entstehen unterschiedliche Varianten dieser Gene (auch Allele genannt) Die genetischen Varianten wiederum können veränderte oder ganz neue Merkmale verursachen.

Die Varianten sowie Rekombinationen – darunter versteht man die Neuanordnung von genetischem Material wie DNA (Desoxyribonukleinsäure oder DNS, englisch für Deoxyribonucleic acid) und RNS (Ribonukleinsäure oder RNA, englisch für Ribonucleic acid) – führen zu erblich bedingten Unterschieden. Daraus entwickelt sich die genetische Variabilität und Vielfalt zwischen Individuen.

Der Themenpark ist wie ein Naturkundemuseum aufgebaut, lehrt jedoch pseudowissenschaftliche Theorien des Kreationismus mit wörtlichen Auslegungen der jüdisch-christlichen Schöpfungstexte des Buches Genesis. Foto: Imago/Zuma Wire
Damit sich auch niemand verirrt, ist der Eingang zur rettenden Arche ausgeschildert. Foto: Imago/Depositphotos

Ihr Name ist Lucy

Einer der frühesten Urahnen des Menschen heißt Lucy. Mit diesem Namen wird das im Jahr 1974 von Donald Johanson im äthiopischen Afar-Dreieck entdeckte Teilskelett eines weiblichen Individuums der Art „Australopithecus afarensis“ bezeichnet.

Lucy im Neandertal-Museum bei Düsseldorf. Foto: Imago/Depositphotos

Lucy war vermutlich etwas größer als ein Meter. Das Fossil wurde benannt nach dem Beatles-Song „Lucy in the Sky with Diamonds“ und auf ein Alter von 3,2 Millionen Jahren datiert. Als man die Knochenreste von Lucy fand, haben Forscher zum ersten Mal nachweisen können, dass der Ursprung der Menschheit mehr als drei Millionen Jahre zurückliegt.

Damit wurden Charles Darwins Entdeckungen bestätigt. Wieder einmal.