Kreis Haßberge FFP 2-Schutz wird zur Pflicht

Ab dem 18. Januar gilt eine Pflicht zum Tragen einer FFP 2-Maske im ÖPNV sowie beim Einkaufen Foto: Ruprecht

Auch im Landkreis Haßberge ist es zu beobachten: Trotz zahlreicher Maßnahmen sinkt die Zahl der Infizierten nicht oder kaum. Daher gelten ab Montag verschärfte Regelungen.

Kreis Haßberge - Mit Blick auf die weiterhin hohe Infektionsdynamik und zur stärkeren Eindämmung des Infektionsgeschehens hat der Ministerrat ab dem kommenden Montag, 18. Januar, eine Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske im Öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkaufen beschlossen. „Bereits jetzt ist bei der Abholung von bestellten Waren in Ladengeschäften (Click&Collect) eine FFP2-Maske zu tragen. Ausgenommen von der FFP2-Maskenpflicht sind Kinder bis einschließlich 14 Jahren“, teilt Monika Göhr, Pressesprecherin am Landratsamt Haßberge, mit. „Die Vorbereitungen für die Verteilung der FFP2-Schutzmasken oder vergleichbarer Masken, wie etwa KN95-Masken, an hilfsbedürftige Menschen und Pflegende Angehörige laufen im Landratsamt Haßberge auf Hochtouren“, so Göhr.

Kostenlose Lieferung

Dies ist besonders wichtig für Menschen, die auf jeden Cent schauen müssen. Vor allem in sozialen Netzwerken wurden nach Ankündigung durch Ministerpräsident Markus Söder Bedenken laut, wie die Maskenpflicht finanziert werden soll. Schließlich sind die Masken nicht gerade günstig. „Die bayerische Staatsregierung hat angekündigt, insgesamt zweieinhalb Millionen FFP2-Masken für hilfsbedürftige Menschen gratis zur Verfügung zu stellen“, so Göhr. Damit sollen soziale Härten abgefedert werden. „Bedürftig sind grundsätzlich die Empfänger von Grundsicherungsleistungen sowie Obdachlose und Nutzer von Tafeln. Jeder, der im Landkreis Haßberge leistungsberechtigt ist, das sind rund 2000 Menschen - erhält nächste Woche per Post fünf Schutzmasken gratis zugeschickt“, so die Pressesprecherin des Landratsamtes. „Sie müssen sich also selbst um nichts kümmern.“

Die FFP2-Maskenpflicht gilt ab Montag, 18. Januar, für das Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr wie Busse und Bahnen (einschließlich Bahnhöfen und Haltestellen). Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat aber für die ersten Tage einen Verzicht auf Strafen angekündigt. Demnach wird es „eine Kulanzwoche“ geben. Nach einer Woche dann sollen bei Verstößen Sanktionen und Bußgelder verhängt werden. Deren Höhe ist noch offen.

Pflegende Angehörige

Des Weiteren erwartet das Landratsamt Haßberge in der nächsten Woche eine Lieferung von FFP2-Schutzmasken, die über die Kommunen sehr zeitnah an pflegebedürftige Angehörige verteilt werden sollen. Voraussichtlich ab der vierten Kalenderwoche, also ab Montag, 25. Januar, können pflegende Angehörige die FFP2-Schutzmasken in der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung am Wohnort der pflegebedürftigen Person kostenfrei abholen. „Das Landratsamt wird rechtzeitig darüber informieren, wann die Masken in den Kommunen abgeholt werden können“, teilt Monika Göhr mit. Jeder Hauptpflegeperson sollen auf diesem Weg drei Schutzmasken zur Verfügung gestellt werden. Als Nachweis reicht es, ein Schreiben der Pflegekasse vorzuzeigen, aus dem der Pflegegrad der zu betreuenden pflegebedürftigen Person hervorgeht. Die Schutzmasken stammen aus dem Bestand des Pandemielagers, das durch Ersatzbeschaffungen wieder entsprechend aufgefüllt wird.

Auch Klaus Fuchs, Leiter des Service-Center Audi BKK Coburg/Ebern, beruhigt die Bürger: „Der Versand der Gutscheine für die FFP2-Masken im Auftrag der Bundesregierung hat bei der Audi BKK bereits begonnen.“ Die Zustellung erfolge in drei Chargen: Seit dem 8. Januar werden Personen ab 75 Jahren angeschrieben, ab dem 18. Januar 2021 folgt die Gruppe der Risikopatienten bis zu einem Alter von 60 Jahren. Anfang bis Mitte Februar 2021 erfolgt der Versand an alle weiteren Versicherten der Audi BKK, die älter als 60 Jahre sind. Die Termine richten sich dabei laut Fuchs nach der Verfügbarkeit der Gutscheine die direkt von der Bundesdruckerei geliefert werden. „Die Audi BKK stellt sicher, dass die Gutscheine umgehend an ihre empfangsberechtigten Kunden verschickt werden sobald diese vorliegen.“ Die Planung der Bundesregierung sehe vor, dass Anspruchsberechtigte zwei fälschungssichere Coupons für jeweils sechs Masken erhalten. Der erste Coupon kann in der Zeit zwischen dem 1. Januar und 28. Februar in der Apotheke eingelöst werden, der zweite im Zeitraum 16. Februar bis 15. April. „Die Anspruchsberechtigten zahlen pro eingelöstem Coupon einen Eigenanteil von zwei Euro“, so Fuchs.

Auch die DAK-Gesundheit richtet sich in einer Pressemeldung an die Bürger: „Die DAK-Gesundheit hat den Versand von Gutscheinen der Bundesregierung für FFP2-Schutzmasken gestartet“, teilt Wolfgang Flaig, stellvertretender Leiter des Servicezentrums, mit. Auch hier erfolgt der Versand wie bei der Audi BKK nach drei Tranchen, also nach Altersgruppen gestaffelt. „ Der Versand wird sich voraussichtlich bis Anfang Februar erstrecken“, so Flaig. Auch die Termine zur ersten und zweiten Abholung sind identisch mit denen der Audi BKK.

Kritik an Markus Söder

Jürgen Hennemann, SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und Eberner Bürgermeister, appelliert ebenfalls an die Bürger, Ruhe zu bewahren und Vernunft walten zu lassen. „Derzeit haben wir noch keine Masken in der Verwaltung zur Abgabe an Pflegende. Die Stadt beziehungsweise Verwaltung wurde bisher nur vom bayerischen Städtetag informiert, dass Masken an die Kreise und dann an die Gemeinden zur Abholung gegeben werden. Diese sollen ab der vierten Kalenderwoche zur Verfügung stehen.“ Über die Abwicklung werde man informieren, sobald man mehr wisse. „Wir können noch keine Auskünfte geben, da wir keine weiteren Informationen haben. Bitte sehen Sie von Nachfragen ab“, so Hennemann.

Er äußert zudem Kritik am Vorgehen von Ministerpräsident Markus Söder. Dass das bayerische Gesundheitsministerium kostenfrei FF2-Masken zur Verfügung stellt, die über die Gemeinden ausgegeben werden sollen, „davon haben wir in den Gemeinden erst über ein Rundschreiben des bayerischen Städtetages erfahren“, so Hennemann. „Diese Ankündigungspolitik ohne den notwendigen Vorlauf zur Organisation der Vorgänge ist unseriös“, macht Hennemann gemeinsam mit der Haßberge-SPD klar (siehe Artikel rechts). Die Bürger würden schon in den Verwaltungen anrufen und nach Masken fragen. „Wir können aber keine Auskunft geben, weil wir nicht genau Bescheid wissen“ ärgert sich Jürgen Hennemann. „So etwas muss koordiniert ablaufen. Erst informieren, dann organisieren, dann verkünden.“ Das schaffe oder wolle die Staatsregierung aber leider nicht. „Und wir in den Gemeinden müssen es dann ausbaden. Wir helfen ja gerne, aber abgestimmt.“

 

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