Kreis Haßberge Nicht noch ein Sommer ohne Fest

Günther Geiling

Die Veranstalter der „Traditionsfeste“ im Kreis Haßberge gehen in die Planung. Trotz Krieg und Pandemie müsse Leben möglich sein, heißt es. Vor allem Schausteller, Brauer und Gastronomen bräuchten diese Feste, um zu überleben

Bild aus vergangenen Zeiten: Wie sieht’s heuer aus? Das Eberner Altstadtfest plant jedenfalls eine Neuauflage für Juli. Foto: Rudolf Hein/NP Archiv

Nach der fast zweijährigen Corona-Zwangspause könnten jetzt Volksfeste und größere Traditionsveranstaltungen mit vielen Besuchern wieder stattfinden – und sowohl Gastwirte als auch die Schausteller wünschen sich nichts dringlicher aus das. Doch angesichts des Schreckens und der Grausamkeiten des Ukraine-Krieges gibt es seit Kurzem erneut Stimmen und Überlegungen, auf solche Feste zu verzichten. Ausgangspunkt hierzu war auch eine Diskussion wegen des Ukraine-Krieges in größeren Städten wie München, wo Oberbürgermeister Reiter sich in München skeptisch äußerte. Hintergrund könnte sein, das Kiew obendrein eine Partnerstadt von München ist. Andere Kommunalpolitiker mit ihren „Dult-Festen“ in Passau und Regensburg oder dem Volksfest in Nürnberg, der Bergkirchweih in Erlangen, dem Anna-Fest in Forchheim oder dem Samba-Fest in Coburg wollen noch an ihren Planungen festhalten, manchmal auch mit anderen Konzepten und dem Blick auf die Entwicklung des Pandemiegeschehens und des Ukrainekrieges.

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Noch gibt es keine Entscheidungen in dieser Hinsicht im Landkreis Haßberge. Die Neue Presse fragte deshalb bei einigen Kommunen nach, wie sie es mit ihren Veranstaltungen im Sommerhalbjahr halten wollen.

Altstadtfest Ebern

Dieses traditionelle Altstadtfest soll vom 23. bis 25. Juli stattfinden. „Nach zwei Jahren Pandemie und Einschränkungen ist es wichtig Angebote zu machen, um Begegnungen zu ermöglichen. Die Menschen brauchen diese Begegnungen und kleinen Ablenkungen vom Alltag und den schrecklichen Nachrichten vom Krieg“, meint Eberns Erster Bürgermeister Jürgen Hennemann. „Wir können, so schlimm der Krieg in der Ukraine auch ist, hier nicht das Leben stilllegen. Leider ist immer irgendwo Krieg auf der Welt. Wir bemühen uns, zu helfen und machen mit der Unterbringung von Flüchtenden aus der Ukraine, was wir können. Man kann auf die Situation aufmerksam machen mit Transparenten, Spendensammlungen, Treffen mit ukrainischen Künstlern und darf auch den Krieg thematisieren.“ Aber die Schausteller und die Wirtschaft, auch die Brauer, bräuchten diese Feste, um zu überleben. Ein weiteres Jahr ohne Feste würden manche wohl nicht überstehen.

In diesem Zusammenhang sprach Bürgermeister Hennemann seine Hoffnung aus, dass ja der Krieg bis zum Altstadtfest im Juli beigelegt sein könnte. „Alles andere wäre schlimm. Auch hoffen wir, dass die Pandemie sich so weit abgeschwächt hat, dass ohne G2- und G3-Kontrollen das Fest abgehalten werden kann.“ Sollte es diese Vorgaben der Kontrolle in irgendeiner Art geben, würde das Altstadtfest nicht stattfinden, weil man die Kontrolle auf dem Festgelände mit zu vielen Gassen und Durchgängen nicht sicherstellen könne.

Für das Altstadtfest seien die Verträge und das Programm abgeschlossen, wobei es leider eine Überlappung des Termins mit dem „Open-Air“ auf Schloss Eyrichshof gebe. Allerdings habe die Stadt den Termin nicht verändert, sondern die Veranstaltungen in Eyrichshof seien ausgeweitet worden.

An weiteren Veranstaltungen seien geplant ein Mädelsflohmarkt mit Hulahoop am 21. Mai, die Eberner Filmtage mit Themen der Nachhaltigkeit vom 28. Mai bis 3. Juni und der Mittelaltermarkt am 18. und 19. Juni.

Zeiler Altstadt-Weinfest

Traditionell zieht das Zeiler Altstadt-Weinfest Tausende von Besuchern an. Die Planungen dazu wurden angesichts der Erfahrungen vergangener Jahre mit Vorbehalten gegenüber den Vertragspartnern begonnen. Man wolle sich da an den Entscheidungen anderer Feste orientieren, aber Ende Mai sollte eigentlich feststehen, ob das Weinfest stattfindet, teilte Bürgermeister Thomas Stadelmann mit. Die Kriegssituation sei zwar schlimm und bedauerlich, aber man könne auf der anderen Seite das gesellschaftliche Leben nicht völlig einschränken und alles weglassen. Auch die Fröhlichkeit könne darüber etwas weghelfen.

Altmain-Weinfest Sand

Das Sander Altmain-Weinfest findet vom 8. bis 11. Juli statt und erst vor Kurzem traf das Organisations-Komitee die Entscheidung es durchzuführen, wobei sowohl die Auswirkungen der Corona-Pandemie als auch der Ukraine-Krieg thematisiert wurden. Auf jeden Fall sollen Hygienemaßnahmen ergriffen werden, die zur Sicherheit der Besucher beitragen. „Auch wenn ich persönlich für eine vorsichtiger Vorgehensweise bin, so ist es nicht mehr zu vermitteln, wenn in Fußballstadien 80 000 Menschen beieinander sitzen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind und auf dem Land Veranstaltungen nicht stattfinden sollen“, betont hierzu Sands Erster Bürgermeister Bernhard Ruß. „Der Ukraine-Krieg sitzt sicherlich in den Hinterköpfen und wird sich auf die Stimmung auswirken. Dennoch besteht ein Bedürfnis, sich nach langer Zeit wieder zu größeren Events zu treffen. Es kann ja auch einmal ein Fest sein, bei dem nicht die große Sause im Vordergrund steht.“

Eltmanner Biertage

In Eltmann sind nach zweijähriger Pandemie-Pause die Biertage für den 23./24. Juli geplant, „sofern sich die Lage nicht durch weitere Ausschreitung des Krieges in der Ukraine sowie durch die weitere Ausbreitung des Corona-Virus weiter verschlechtert. Passen alle Voraussetzungen, dann finden im Juli die Biertage 2022 wieder statt,“ teilt Bürgermeister Michael Ziegler mit.

Haßfurter Straßenfest

Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass das Haßfurter Straßenfest vom 30. September bis 1. Oktober stattfindet. Ein erneutes Aussetzen wie in den vergangenen Jahren halte man nicht für sinnvoll.

Pfingstfest Königsberg

Das fünftägige Pfingstfest in Königsberg soll vom 3. bis 7. Juni in der historischen Altstadt stattfinden und die Planungen dafür stehen bereits. Nach Ansicht der Verantwortlichen sei die Abstinenz von zwei Jahren genug und auch die Pandemie sieht man dabei nicht als Hinderungsgrund, wohl aber die Pandemie. Dabei hoffe man, dass die Inzidenzzahlen eine Durchführung nicht verhindern.