Der israelische Experte Raz Zimmt meint ebenfalls, gezielte Tötungen allein würde vermutlich für einen Machtwechsel nicht ausreichen. "Eine anhaltende Politik der gezielten Ausschaltung führender Persönlichkeiten innerhalb der politischen und Sicherheitselite könnte die Spaltungen in der Führung Irans vertiefen und dadurch die Chancen erhöhen, ihre Grundlagen zu destabilisieren", schreibt er allerdings in der Zeitung "Jediot Achronot".
Auch der iranische Historiker Arash Azizi schreibt auf der Plattform X, sollten die USA und Israel "20 oder 30 mehr Laridschanis töten", sei eine Art Kollaps des Systems zumindest denkbar.
Ist mit neuen Protesten zu rechnen?
Zu der Hoffnung, dass die Schwächung des iranischen Machtapparats die Menschen im Land dazu bewegen könnte, erneut zu Protesten auf die Straße zu gehen, sagt Citrinowicz: "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering." Netanjahus Appelle zum Aufstand wurden von vielen Iranerinnen und Iraner als zynisch bezeichnet. Denn der iranische Sicherheitsapparat hat bereits angekündigt, mit voller Härte gegen neue Proteste vorzugehen. Damit steht zu befürchten, dass Demonstranten erneut niedergemetzelt werden.
Noch radikalere iranische Führung nach dem Krieg?
Der Iran-Experte Citrinowicz warnt, dass der Krieg nicht nur sein Ziel verfehlen, sondern auch eine weitere Radikalisierung der iranischen Führung bewirken könnte. Laridschani sei moderater gewesen als etwa Wahidi. Seine Tötung könnte zur Stärkung der härteren Fraktion im Iran führen.
Auch Experte Azizi sieht selbst bei einem Machtwechsel die Nachfolge von einer Person, die aus dem System stammt, als wahrscheinlich. Diese könnte dann einen neuen autoritären Staat anführen, aber womöglich eine Form der Kooperation mit Israel und den USA finden, meint er.
Citrinowicz rechnet dagegen damit, dass das iranische System geschwächt, aber radikaler den Krieg überstehen und Israel "in Zukunft noch mehr Probleme bereiten" könnte als zuvor. Dazu gehöre die Möglichkeit einer atomaren Aufrüstung.
"Wenn wir in ein oder zwei Jahren zurückblicken auf den Krieg, kann es gut sein, dass wir sagen, dass er nicht erfolgreich war, weil er den Iran zwar beschädigt, in der Atom-Frage aber über den Rubikon gedrängt hat", warnt der Experte.
Israel müsse sich daher gut überlegen, ob es weiter den Sturz der Machthaber anstreben oder sich angesichts "schrumpfender Erfolge" gemeinsam mit den USA den besten Punkt für einen Ausstieg aus dem Krieg suchen sollte. Die Vereinbarung eines Waffenstillstands werde sich allerdings angesichts des tiefen gegenseitigen Misstrauens äußerst schwierig gestalten.