Warum erfolgte keine Anzeige?
Offen ist bislang, warum das Jugendamt keine Anzeige erstattete. Zunächst hieß es von der Neuköllner Verwaltung zur Begründung, es sei keine Anzeige erstattet worden, weil weder vom Opfer noch vom Täter die Namen bekannt gewesen seien. Dies sei nun "Gegenstand der Aufklärung", hieß es vom Sprecher des Bezirksamtes Neukölln.
Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (39, SPD) sagte der "Bild", der "erschütternde Fall" zeige, dass Strukturen und Abläufe im Jugendamt einer "selbstkritischen internen Überprüfung" bedürften.
Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie teilte mit, sie habe nach Bekanntwerden des Vorfalls im Rahmen ihrer dezentralen Bezirksaufsicht umgehend um Informationen gebeten. Jugendstaatssekretär Falko Liecke lasse dabei prüfen, "ob die berlineinheitlichen Vorgaben und Ausführungsvorschriften zum Kinderschutz vom Bezirk entsprechend umgesetzt wurden".
Vorfall aus politischen Gründen nicht gemeldet?
In der "Bild"-Zeitung äußerte der CDU-Politiker den Verdacht, dass der Vorfall von Betreuern der Einrichtung aus politischen Gründen nicht gemeldet wurde. "Es ist ein Unding, dass hier offensichtlich die muslimischen Täter geschützt werden, um sie nicht zu stigmatisieren, und das Opfer wird im Stich gelassen. Diese Haltung ist ein völliges No-go", sagte Liecke der Zeitung.
Auch dem Bezirk macht der CDU-Politiker Vorwürfe: Obwohl die Leiterin des Jugendamtes bereits am 29. Januar informiert worden sei, habe das Bezirksamt den Fall nicht auf die Tagesordnung gesetzt.