Kronach Abschied und Neuanfang

Verabschiedung und Amtseinführung gingen an der Mitwitzer Grundschule Hand in Hand (von links): Hans-Gerhard Neuberg, Petra Thiele, Gisela Rohde, Evelyn Kohl-Dümlein und Oliver Plewa. Foto: Maria Löffler Quelle: Unbekannt

Stabwechsel an der Grundschule Mitwitz. Rektor Hans-Gerhard Neuberg übergibt die Leitung an Evelyn Kohl-Dümlein. Das geht nicht ohne Emotionen.

Mitwitz - Jedem Neuanfang wohnt bekanntlich auch ein Zauber inne. In diesem Fall könnte die Grundschule Mitwitz von diesem Zauber profitieren, denn hier schwingt seit Kurzem Evelyn Kohl-Dümlein das Zepter. Sie ist die neue Schulleiterin und löste den langjährigen Rektor Hans-Gerhard Neuberg ab. Er war von 2013 bis 2020 "Kapitän der Schulmannschaft". Seine Verabschiedung am vergangenen Freitag war gleichzeitig auch die Amtseinführung seiner Nachfolgerin. "Jetzt ist es Zeit, los zu lassen", so die Worte von Schulamtsdirektorin Gisela Rohde.

Ihre Rede war geprägt von Respekt in Bezug auf die Arbeit, die Neuberg in all den Jahren seiner Laufbahn geleistet habe. Aber sie war auch geprägt von Respekt für den "Menschen Hans-Gerhard Neuberg". Es fielen Worte wie Frohnatur, gesellig, offen, aber auch kritisch und reflektierend. Er sei ein "Macher," der genau die Dinge umsetze, zu denen er stehe.

"You did it your way. Good Job!" Er sei nicht nur seinen eigenen Weg gegangen, sondern habe dabei auch einen guten Job gemacht. Die ehemalige Lehrerin der Mitwitzer Grundschule, Margit Sagodi, hat Tränen in den Augen, als sie am Rednerpult stand, um ihren Kollegen und Chef aus vergangenen Tagen, Hans-Gerhard Neuberg zu verabschieden. "Du warst immer der ruhende Pol und ein außergewöhnlicher Chef. Während meiner Dienstzeit warst du der vierte Rektor, aber du warst auch der menschlichste von allen. Und wir sind gerne mit dir marschiert."

Wehmütige Worte gab es anschließend aus dem gesamten Team rund um den ehemaligen Schulleiter: "Du hattest immer ein offenes Ohr, hast eine wunderbare und einmalige Atmosphäre für uns geschaffen. Hier durften wir Mensch sein." "Du warst der Fels in der Brandung, danke für ein großes Herz." "Für mich warst du ein Freund." "Danke, dass du mir so viel zugetraut hast."

Das "Abschiedsständerla" des Lehrerteams fasste alles noch einmal musikalisch zusammen: "Hans oh Hans, du kannst durch den Regenbogen gehen und die Sonne hinter den Wolken sehen." Neuberg selbst ging kurz noch einmal auf seinen Werdegang ein. Er, der eigentlich "Sport studiert hatte", musste noch eine Schippe drauflegen. "Ich habe Religion quasi ‚nachstudiert‘ und irgendwann auch Musik unterrichtet. Sein Blick verschleiert sich etwas, als er auf seine Zeit in Mitwitz einging: "Wir hatten Flauten, haben Stürme überstanden, Klippen umsegelt und Untiefen überwunden. All das machte es möglich, dass man in einer Schule auch leben konnte." Ein letzter, kurzer Blick über die Schulter ließ ihn an die Anschaffung von Whiteboards denken, an Inklusion, Mittagsbetreuung, Schachturniere, an den Förderverein und an "Bufdis", die Kräfte aus dem Bundesfreiwilligendienst. Nun habe es ihn von Bord geschmissen, gerade, als ein Hurrikan auf die Schule zugekommen sei. Mitten in der Corona-Krise musste er krankheitsbedingt zurücktreten und die Verantwortung erst einmal kurze Zeit in die Hände seiner Stellvertreterin Petra Thiele legen. "Meiner Nachfolgerin Evelyn Kohl-Dümlein wünsche ich ganz viel Erfolg." Diese letzten Worte haben ihn in den wohlverdienten Ruhestand begleitet, der schon gleich wieder unterbrochen werde von der Ausbildung zum Stadt- und Festungsführer in Kronach.

Bürgermeister Oliver Plewa machte nicht viele Worte, denn er hatte Hans-Gerhard Neuberg in seiner Amtszeit nur kurz kennengelernt, aber dafür "Erkundigungen eingezogen". Das Ergebnis fasste er etwa so zusammen: "Sie sind menschlich, freundschaftlich und kritisch. Schiff ahoi für Ihren Ruhestand und vor allem Gesundheit."

Und dann wechselte quasi die Kulisse und Evelyn Kohl-Dümlein rückte in den Vordergrund. Wieder trat Gisela Rohde ans Pult und sie hatte gleich zu Anfang einen unbezahlbaren Tipp für die neue Schulleiterin: "Entwickeln Sie Ihren eigenen Führungsstil und bleiben Sie authentisch." Kohl-Dümlein, die zuletzt als Konrektorin an der Küpser Schule tätig war, sei für das Amt der Rektorin in Mitwitz gut gerüstet. Menschlich beschrieb die Schulamtsdirektorin sie so: "Offen für Neuerungen und mitreißend." Kohl-Dümlein besitze Überzeugungskraft, gehe die Dinge dabei aber durchaus kritisch an und reflektiere ihr eigenes Handeln. Darüber hinaus verfüge sie über ein reichhaltiges Fachwissen und habe sich stets mit kollegialer Selbstverständlichkeit, Tatendrang und Energie eingebracht. Als besonders wichtig zitierte Rohde folgende Punkte der neuen Schulleiterin: "Die Nähe zum Kind und dessen Bedürfnisse. Den Bildungs- und Erziehungsauftrag zu einem mündigen Bürger erfüllen und eine positive Wertevermittlung für das Kind zu erzielen. Ich gehe seit meinem ersten Dienstantritt jeden Tag aufs Neue gerne in die Schule, da mir die Arbeit mit den Kindern immer sehr viel Freude und Spaß macht." Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Petra Thiele werde sie auf gegenseitigen Respekt, einer guten Balance zwischen Offenheit für Neues und dessen Umsetzung in die Praxis achten.

"Ich habe hier das Gefühl von reinkommen und sich wohlfühlen." Evelyn Kohl-Dümlein sprach das Schlusswort der Veranstaltung und freute sich über die familiäre Aufnahme. Und sie gab gleich mal eine Warnung ihrer Tochter an das gesamte Team weiter. "Gebt ihr bitte keinen Kaffee, das macht sie hyperaktiv." Sie selber hätte einen schlechten Schulstart gehabt, gab sie zu, weil sie als Linkshänderin sowohl auch als "linkisch" und sogar "tollpatschig" wahrgenommen worden war. Deshalb hätten ihre Eltern sie in den Ballettunterricht gesteckt. Und wer sie kennt, der wusste natürlich auch, dass sie auch eine Ballettschule besaß und ihr das Unterrichten nicht schwer falle. Worauf sie als neue Leiterin der Grundschule von Anfang an baue? "Auf Vertrauen."