Kronach Die Seniorenband sagt Servus

Heike Schülein

Mehr als ein Jahrzehnt erfreuten die betagten Damen und Herren die Menschen mit ihrer fröhlichen Musik. Sogar im Fernsehen sorgten sie für Furore. Nun hört das Ensemble auf.

Ein Bild aus der Blütezeit der Seniorenband, als deren Mitglieder jährlich um die 40 öffentliche landkreis- und sogar länderübergreifende Auftritte absolvierten. Foto: Archiv Heike Schülein

Wo immer die BRK-Seniorenband auftrat, berührte sie die Menschen mit ihrer Musik. Über zehn Jahre lauschten viele Fans den Liedern des jung gebliebenen Ensembles. Mit reichlich Wehmut, vor allem aber auch mit großer Dankbarkeit und vielen wunderschönen Erinnerungen im Herzen nimmt dieses nun Abschied.

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„Leider müssen wir uns aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen von unserem Publikum verabschieden“, meinte ein sichtlich bewegter Rainer Lohr, als er die verbliebenen Mitglieder der Seniorenband bei einer kleinen Abschiedsfeier im Wagners Hotel in Steinwiesen um sich scharte. Gemeinsam blickte man auf viele unvergessene Auftritte und Erlebnisse zurück.

Abwechslung im Alltag

Die Idee einer Seniorenband stammte von der damaligen Leiterin des Kronacher BRK-Mehrgenerationenhauses, Sabine Scherbel. Ihr Ziel war es, ältere Menschen aus ihren eigenen vier Wänden zu locken und ihnen eine Abwechslung im Alltag zu bieten. Nach einem Zeitungsaufruf meldeten sich einige Interessenten, sodass im Tagescafé des Kronacher BRK-Seniorenhauses ein erstes Kennenlern-Treffen anberaumt wurde. Unter ihnen war auch Rainer Lohr. „Ich hatte mir vorgestellt, als Schlagzeuger in der Band mitzuwirken. Doch es kam anders“, schmunzelt der Alleinunterhalter. Auf Bitten der Projektleiterin übernahm er die ehrenamtliche musikalische Leitung und Koordination der offiziell im Mai 2009 ins Leben gerufenen Band, die er über den kompletten Zeitraum innehatte.

Neben internen Proben fanden regelmäßig auch öffentliche Proben statt, zu denen sich schon bald stets eine große Fangemeinde einfand. Das Repertoire erstreckte sich vom volkstümlichen Musikgut über traditionelle Volksmusik bis hin zu Schlagern. In der Blütezeit absolvierten die inzwischen 15 Frauen und Männer im Alter bis zu über 90 Jahren jährlich um die 40 öffentliche landkreis- und sogar länderübergreifende Auftritte. So dauerte es nicht lange, bis der Bayerische Rundfunk und sogar TV Oberfranken sowie das Bayerische Fernsehen auf das Ensemble aufmerksam wurden und diesem Beiträge widmeten.

Musizieren für den Bundespräsidenten

Highlights gab es im Laufe der Zeit viele. Unbestrittener Höhepunkt war der Besuch des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, als sich dieser 2016 über das Mehrgenerationen-Projekt in Kronach informierte und dabei den Klängen der Seniorenband lauschen durfte. Unvergessen bleiben auch die vielen voll besetzten Hallen bei den Auftritten – so beispielsweise bei einem Senioren-Nachmittag in der Zecherhalle Neukenroth mit mehreren Hundert Besuchern aus dem ganzen Landkreis. Dabei wurde geklatscht, geschunkelt, gesungen und getanzt, dass es eine wahre Freude war.

Die Sängerinnen und Sänger und diejenigen, die sie auf den Instrumenten begleiteten, verstanden sich aber keineswegs „nur“ als Stimmungsmacher, sondern auch als Seelenstreichler. In bester Erinnerung sind vielen treuen Besuchern sicherlich die alljährlichen innig-ergreifenden Adventskonzerte in der immer voll besetzten Klosterkirche in Kronach. Die Erlöse stellte das Ensemble stets einem wohltätigen Zweck zur Verfügung. Auch sonst stellte die Band ihre Musikalität immer wieder in den Dienst der guten Sache, so zum Beispiel für „1000 Herzen für Kronach“. Ein großer Wunsch wurde für die Mitglieder mit der Herausgabe zweier eigener CDs wahr, die zu Verkaufsschlagern wurden.

Respekt und Wertschätzung

„Die Arbeit mit der Seniorenband hat mir immer sehr viel Spaß gemacht“, bekundete Rainer Lohr. Das Schönste sei es dabei für ihn gewesen, in die leuchtenden Augen der Zuhörer, aber auch der Bandmitglieder zu schauen. Für die Proben bzw. Auftritte nahmen diese teilweise lange Anfahrtswege auf sich. „Mit welcher Konsequenz und Ausdauer sie das taten, verdient meinen höchsten Respekt und größte Wertschätzung“, würdigte er. Unvergessen blieben auch die Mitglieder, die man leider zu Grabe tragen musste – so insbesondere auch das „Juwel“ der Band: Das Gründungsmitglied Ursula Keil spielte Gitarre und Mundharmonika und meisterte noch mit weit über 90 Jahren ihre Auftritte mit Bravour.

„Es ist mir wichtig, einen sauberen Schlussstrich hinter diese so schönen Jahre zu ziehen“, verdeutlichte Rainer Lohr, zumal es auch immer wieder Anfragen aus der Bevölkerung gibt.

Dank an den Leiter

Aber nicht nur er sagte Dank. Den verbliebenen Mitgliedern Marlene Fischer, Lilli Malcher, Ursula Zinner, Willi Herold sowie Arnold Bittermann, war es – soweit beim Treffen anwesend – ebenfalls ein Bedürfnis, ihrem langjährigen ehrenamtlichen Leiter für seinen herausragenden Einsatz zu danken. Den Dank des BRK-Kreisverbands übermittelte die sichtlich beeindruckte Mehrgenerationenhaus-Koordinatorin Kerstin Hinz.

Die Abschiedsfeier klang mit kleinen Präsenten und einem gemeinsamen Mittagessen aus; vor allem aber mit vielen Anekdoten aus einer wunderbaren Zeit.