Kronach Ebbe auf dem Wohnungsmarkt

Veronika Schadeck
Auch die Sparkasse Kulmbach-Kronach schafft Wohnraum. So soll das ehemalige Lucas-Cranach-Haus im nächsten Jahr bezugsfertig sein. Foto: Sparkasse

2023 werden in Kronach weitere 45 neue Mietwohnungen fertig. Gebaut von der Sparkasse Kulmbach-Kronach, die den Immobilienmarkt genau beobachtet.

Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Wohnimmobilien im Raum Kronach und Kulmbach ist weiterhin groß. Vor allem fehlt es an Mietobjekten und kleineren Singlewohnungen. So brachte die Bürgermeisterin und Verwaltungsratsvorsitzende der Sparkasse Kulmbach-Kronach, Angela Hofmann, am Donnerstagvormittag bei einem Pressegespräch zum Thema Immobilien und Marktanalyse die Situation auf den Punkt.

Baulücken schließen

Großes Potenzial bestehe zudem, wegen der hohen Energiepreise, bei der energetischen Modernisierung von Gebäudebeständen. Hofmann sprach davon, dass die Bemühungen der staatlichen Wohnbauförderung in Kronach dahin gingen, zuerst in den Innenbereichen Baulücken zu schließen. Ihr Kulmbacher Kollege, Oberbürgermeister Ingo Lehmann, sprach die damit verbundene Problematik an: Oftmals hätten die Eigentümer von leer stehenden Gebäuden in den innerstädtischen Bereichen ihren Lebensmittelpunkt in andere Regionen verlegt und seien dennoch nicht zum Verkauf bereit, beziehungsweise hätten unrealistische Vorstellungen, was den Verkaufspreis ihrer Immobilien oder Brache angehe.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bausparkasse LBS, Heinz-Peter Hungbaur, wies darauf hin, dass die Nachfrage nach Immobilien beziehungsweise Wohnungen auf dem Land durch die Corona-Pandemie verstärkt worden sei. Aufgrund dessen, dass in den Städten Wohnraum für viele zu teuer geworden sei und sich mit dem Homeoffice berufliche Veränderungen ergeben haben, ziehe es immer mehr Menschen aufs Land. Auch das sei mit ein Grund dafür, dass die Preise steigen.

Stadtflucht

Und in der Tat, anhand von Zahlen verdeutlichte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Harry Weiß, diesen Trend auch in den Landkreisen Kronach und Kulmbach. Mittlerweile kosten Baugrundstücke in der Region zwischen 20 und 200 Euro pro Quadratmeter. Neue Eigentumswohnungen sind für 2800 bis 4400 Euro pro Quadratmeter zu haben. Gebrauchte frei stehende Häuser können zwischen 40 000 und 750 000 Euro erworben werden und bereits genutzte Doppelhaushälften und Reihenhäuser gibt es zwischen 50 000 Euro bis 350 000 Euro. Die Preise für Eigentumswohnungen liegen zwischen 800 Euro bis 3500 Euro pro Quadratmeter.

Hungbaur riet angesichts steigender Zinsen sich beim Kauf von Wohnimmobilien auf möglichst lange Zinsbindungen festzulegen. Beispielsweise zahle man bei einer Finanzierung in Höhe von 300 000 Euro bei einem Zinssatz von zwei Prozent und einer monatlichen Rate in Höhe von 1500 Euro bei einer Zinsbindung von 20 Jahren rund 65 200 Euro an Zinsen, bei einem Zinssatz in Höhe von drei Prozent bei 116 400 Euro.

Grundbedürfnis

„Das Wohnen gehört zu den Grundbedürfnissen der Menschen“, so Harry Weiß. Und: Er wies darauf hin, dass nicht zuletzt deshalb die Sparkasse Kulmbach-Kronach vom Verwaltungsrat beauftragt wurde, in der Region Wohnraum zu schaffen. Dem komme man nach. Als Beispiel nannte er den Umbau des ehemaligen Lucas-Cranach-Hauses der Diakonie in Zusammenarbeit mit Bauconcept Hanna. Es entstehen dort 45 Mietobjekte. Die Fertigstellung, die für Februar 2023 geplant war, verzögere sich aufgrund des Mangels an Material und fehlender Handwerksfirmen um einige Monate. Jedoch werden die Wohnungen noch im Jahre 2023 bezugsfertig sein. Auch die Kostensteigerung hielten sich gegenüber den Kostenberechnungen in Grenzen. Dies beruhe unter anderem auf dem Abschluss von Festverträgen mit dem Bauunternehmen und dass überwiegend heimische Firmen zum Zuge kommen.

Stabile Preise

Insgesamt, so Harry Weiß, habe sich die Immobilienvermittlung der Sparkasse gut entwickelt. Der Wert der Kaufobjekte hat im vergangenen Jahr im Betreuungsgebiet des Geldinstituts 27 Millionen Euro erreicht. 109 Millionen Euro an Wohnbaukredite wurden 2021 zugesagt. „Wir haben damit erneut ein sehr gutes Ergebnis erzielt.“ Die Sparkasse gehe davon aus, dass die Wohnimmobilienpreise im kommenden Jahr weitestgehend stabil beziehungsweise leicht steigen. Trotz Preissteigerungen, so Harry Weiß, bekommen die Menschen in der Region mehr Immobilie für ihr Geld als in Großstädten. Und das macht es gerade für Familien attraktiv, vor allem auch dann – wenn passende Strukturen wie Internet und Kinderbetreuungsmöglichkeiten vorhanden sind.

 

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