Kronach Erinnerungsarbeit mit Schwamm und Paste

Celina säubert Stolpersteine in der Foto: /Heike Schülein

Stolpersteine lenken den Blick vor ehemaligen Wohnhäusern von Kronacher Juden auf deren Schicksal während des Naziregimes. Jugendliche machen sie sichtbar .

Kronach - Fabian kniet auf dem Bürgersteig vor der Strauer Straße 2. Das Mitglied der Katholischen Jugend Kronach bringt reichlich Kupferpolitur auf die beiden im Kopfsteinpflaster eingelassenen Messing-Tafeln auf, um diese dann mit einem Schwamm von Schmutz und Patina zu befreien. Nachdem er die Überreste der Paste entfernt hat, poliert er mit einem Tuch sorgsam nach. Die vorher stark verschmutzten Stolpersteine glänzen nun blitzeblank und werden von Gisela Zaich mit einer getrockneten Rose bedacht.

Gewidmet sind beide Gedenktafeln den von den Nazis ermordeten Geschwistern Ida und Theodor Bamberger, die einst in dem schmucken Gebäude in der Strau wohnten. Beide überlebten die Schreckensherrschaft nicht. Am 24. April 1942 brachte man sie mit einem Sammeltransport von Kronach nach Bamberg. Ida Bamberger kam einen Tag später mit einem Transport nach Krasnystwa in Polen. Sie starb entweder im Getto von Krasniczyn oder wurde in Soibor ermordet. Theodor wurde mit einem Transport am 10. September 1942 von Nürnberg in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht und am 29. September weiter ins Vernichtungslager Treblinka. Dort wurde er in der Gaskammer ermordet.

Würdevoller Anblick

„Die Stolpersteine soll man einmal pro Jahr säubern, damit sie gut sichtbar bleiben und einen würdevollen Anblick bieten“, erklärte die 2. Vorsitzende des Aktionskreises Kronacher Synagoge, Gisela Zaich. 2017 und 2018 hatte Gunter Demnig solche Tafeln vor ehemaligen Wohnhäusern von Kronacher Juden verlegt. Bereits vor Längerem hatte sie Gemeindereferent Martin Förtsch auf eine solche Säuberungsaktion angesprochen. Corona-bedingt konnte diese aber erst jetzt stattfinden. Erfreulicherweise hatten sich hierzu – mit Anna, Celina, Niklas, Fabian und Jonathan – fünf Mitglieder des erweiterten Leitungsteams der Katholischen Jugend zur Verfügung gestellt.

Von der Strau aus startend, führte ihr Weg in die Friesener Straße, Johann-Knoch-Gasse, Bahnhofstraße, Adolf-Kolping-Straße sowie abschließend in die Alte Ludwigsstädter Straße. Die Stolpersteine wurden dabei abwechselnd von den jungen Leuten geputzt – eine wegen der starken Verschmutzungen, durchaus anstrengende Arbeit.

Seit 1996 verlegt der gebürtige Berliner Gunter Demnig seine mit einer Messing-Schicht belegten Steine in das Pflaster oder den Belag des jeweiligen Gehwegs vor dem letzten freiwilligen Wohnort von NS-Opfern. „Man muss sich bücken, um die Inschrift zu lesen. Dadurch verbeugt man sich vor den Opfern“ - so die Intention des Trägers des Deutschen Bundesverdienstkreuzes. Die meisten der in Handarbeit angefertigten Gedenktafeln hat er selbst gesetzt. Bei seinem konzeptionellen Kunstwerk handelt es sich um das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Er will damit das Gedenken aufrechterhalten – an die sechs Millionen ermordeten Juden, aber auch an die Millionen anderen Opfer des NS-Regimes: Homosexuelle, politisch Verfolgte, Zeugen Jehovas, Menschen mit Behinderung, Roma, Sinti, Wehrdienstverweigerer.

Broschüre als Dank

Gisela Zaich bedankte sich, auch im Namen von Aktionskreis-Mitglied Jutta Hertel, bei den jungen Leuten sowie Martin Förtsch. Als kleines Dankeschön überreichte sie ihnen jeweils eine Broschüre „Stolpersteine Kronach“, die zu den verschiedenen Orten der Gedenktafeln in Kronach führt. Zwölf Gymnasiasten am Kaspar-Zeuß-Gymnasium hatten 2018 in einem P-Seminar die Biografien von 25 Kronacher Juden erforscht und in dem Heftlein festgehalten.

Sofern es die Pandemie ermöglicht, wird Christian Porzelt im Juni und August Führungen zu den Stolpersteinen anbieten. Dabei handelt es sich um weitere Programmpunkte zum heuer bundesweit begangenen Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland 2021“, das auch in Kronach auf lokaler Ebene mit einem Veranstaltungsreigen begangen wird. „Auch deshalb ist es gut, dass die Steine vor den Führungen noch gereinigt wurden“, würdigte Gisela Zaich.

Das Projekt Stolpersteine ist für die jungen Leute eine sehr gute Sache. „Es ist wichtig, dass man die Erinnerung aufrecht erhält“, meinte Anna. Dass es auch in Kronach solche Stolpersteine gibt, war ihnen allen bekannt. Martin Förtsch war stolz auf die engagierten jungen Leute. Zudem freute er sich sehr, dass nach einer langen Zeit des Stillstands in der Jugendarbeit wieder eine Aktion möglich war.

 

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