Kronach Fahrerlos durch die Stadt

Autonom fahrende Busse sind in Kronach keine Zukunftsmusik, sondern Hingucker: Eines von zwei Shuttles ist bereits in der City unterwegs. Bald dürfen auch Gäste mitfahren. Foto: Christian Kreuzer

Voraussichtlich von Dezember an dürfen die Shuttles Passagiere mitnehmen. Der aktuelle Sachstand des Projekts sorgt im Kronacher Stadtrat für Begeisterung.

Kronach - Dass autonom fahrende Shuttles nicht nur in Science-Fiction-Filmen existieren, ist in Kronach kein Geheimnis mehr: Schon seit einigen Monaten läuft das Projekt Shuttle-Modell-Region Oberfranken, an dem, neben dem Landkreis Kronach, unter anderem auch der Landkreis Hof, die Stadt Rehau, die Neuseser Firma Valeo und verschiedene Hochschulen beteiligt sind (die NP berichtete). Wolfgang Puff, Geschäftsführer der Kronacher Wirtschafts- und Strukturentwicklungsgesellschaft, informierte in der Sitzung des Sonderausschusses des Kronacher Stadtrats am Montagabend über den aktuellen Stand der Dinge.

Stadtrat in Kürze

Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) informierte, dass die Deutsche Asset One im November zehn neue Wohnungen fertigstellen wolle. 20 weitere seien in Planung.

Angela Hofmann freute sich über das neue gewählte Jugendparlament (die NP berichtete). Die geringe Wahlbeteiligung von nur 42 Kindern und Jugendlichen sei allerdings ein Wehrmutstropfen. Die Stadträte waren jedoch zuversichtlich, dass die Beteiligung bei der nächsten Wahl höher sein wird - schließlich müsse sich das ja erst herumsprechen.

Der Sonderausschuss beschloss die Haushalte 2021 für die Spitalstiftung, die Anny und Franz Niebuhr Stiftung, die Assessor Wagner‘sche Stiftung sowie die Direktor Willi Otto Stiftung.

Das Gremium verabschiedete einen Grundsatzbeschluss zur Errichtung von Photovoltaikanlagen. Demnach sollen sie vorwiegend auf Dächern mit entsprechender Dimensionierung und Ausrichtung, im Bereich stark frequentierter, überörtliche Straßen, in Anbindung an technisch oder gewerblich vorbelastete Standorte sowie an Orten, an denen sie keine störenden Auswirkungen auf das Landschaftsbild erwarten lassen gebaut werden.

Das Gremium erkannte im Zuge der Generalsanierung den Platzbedarf für eine weitere Regelgruppe mit 25 Kindern im Kindergarten Neuses an.

Der barrierefreie Zugang zur Festung Rosenberg soll laut Hofmann voraussichtlich Mitte November fertig werden. Eine kürzere fußläufige Verbindung von der Innenstadt Richtung Ziegelwinkel sei ebenfalls in Arbeit.


Eines von insgesamt zwei Shuttles sei demnach allmählich im Stadtverkehr sichtbar: Seit wenigen Wochen verkehre es auf einem festen Rundkurs. "Es handelt sich um ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das sich an den drei Standorten Kronach, Hof und Rehau inhaltlich sehr unterscheidet", betonte Wolfgang Puff. So liege in Kronach der Fokus klar auf dem Bereich Tourismus/Fremdenverkehr. Die Idee sei, dass Touristen mit den Shuttles auf die Festung fahren können, was bei einem Kronach-Besuch ja quasi zum Pflichtprogramm gehöre. "Und so eine Fahrt bleibt dann natürlich in Erinnerung", führte er aus. In Rehau werde unterdessen der Werksverkehr der Rehau AG mit den autonomen Shuttles bestritten und in Hof gehe es darum, zu untersuchen, wie die Fahrzeuge in einer Fußgängerzone zurechtkommen.

In Kronach sollen die zwei Shuttles laut Wolfgang Puff dauerhaft auf einem festen Rundkurs zwischen Bahnhof und Festung verkehren. Auf dem Weg gebe es sieben Haltestellen, an denen Fahrgäste ein- und aussteigen können - beispielsweise am Kaulanger oder an der Europabrücke. An diesen Haltestellen seien sogenannte E-Paper-Displays geplant. "Die gibt es in Deutschland noch so gut wie nirgends. Aber das ist eine Technologie, die sich durchsetzen wird", war er überzeugt. Die Shuttles folgten keinem fixen Fahrplan mit festen Zeiten. Vielmehr solle man auf den Displays sehen können, wo die Fahrzeuge gerade sind und in wie vielen Minuten sie eintreffen. Die Geräte sollen über Solarpanele mit Strom versorgt werden.

Angedacht sei, dass die Shuttles täglich im Einsatz sind, auch an Wochenenden. "Im Sommer sollen sie von zehn bis zwölf und von 14 bis 18 Uhr verkehren. Im Winter nur bis 16 Uhr", informierte Wolfgang Puff. Die Mittagszeit spare man aus, da da zu viel Verkehr in der Stadt unterwegs sei und die Shuttles maximal 18 Kilometer pro Stunde fahren könnten. Für eine Runde benötige ein Shuttle etwa 30 Minuten. Da zwei Shuttles im Einsatz sein sollen, werde jede Haltestelle etwa alle 15 Minuten angefahren.

Eine erste Umfrage der Hochschule Coburg, an der sich 200 Kronacher beteiligt hätten, habe ergeben, dass die autonomen Shuttles gut ankommen: 74 Prozent der Teilnehmer hätten angegeben, dass der ÖPNV dadurch attraktiver werde, 64 Prozent seien der Ansicht, dass die Shuttles den ÖPNV verbessern, 81 Prozent wollten die selbstfahrenden Gefährte nutzen und 88 Prozent fänden, dass die Shuttles in Kronach gebraucht werden.

Die Stadt sei dennoch ein recht schwieriges Pflaster für die neuartigen Fahrzeuge. Woanders seien sie vor allem in der Ebene unterwegs, in Kronach gebe es steile Steigungen und Kopfsteinpflaster. Und obwohl die kleinen Busse autonom führen, sei es Pflicht, dass immer ein Fahrbegleiter mit an Bord ist. "Die Shuttles können bislang nur auf der einen, fest programmierten Strecke fahren - wie auf einer virtuellen Schiene", führte Wolfgang Puff aus. Wenn ein Hindernis, wie beispielsweise ein Falschparker, im Weg sei, bleibe das Shuttle automatisch stehen und der Fahrbegleiter müsse manuell eingreifen. In Kronach komme das auffällig oft vor.

Aktuell seien die Shuttles bis Ende November zugelassen. "Wir müssen die Zulassung jetzt neu beantragen bis Ende 2021", sagte er. Sobald diese Genehmigung erteilt sei, dürfe man auch erstmals Fahrgäste mitnehmen. Vorerst solle dies kostenlos sein - schließlich handle es sich nach wie vor um ein Forschungsprojekt. Wie es nach 2021 weitergeht, sei noch unklar. Klar sei allerdings, dass es irgendwie weitergehen werde, denn aufgrund der Förderrichtlinie für die Shuttles sei man verpflichtet, sie mindestens fünf Jahre lang zu betreiben. Es zeichne sich ab, dass man versuchen wolle, das Forschungsprojekt zu verlängern. Die anderen Projektpartner hätten daran auch bereits Interesse signalisiert.

SPD-Fraktionschef Ralf Völkl sprach von einem wichtigen und herausragenden Projekt, das absolut zukunftsweisend sei - gerade für den ländlichen Raum. Freie Wähler-Fraktionsvorsitzender Tino Vetter freute sich, dass die Shuttles mit ihrer Maximalgeschwindigkeit von 18 Kilometern pro Stunde einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrsberuhigung in der Stadt leisteten. "Aber man sollte das mit der Mittagspause an Wochenenden und Feiertagen noch einmal überdenken", fand er.

Grünen/Frauenlisten-Fraktionsvorsitzender Peter Witton berichtete von Ängsten einiger Bürger wegen dem für die Shuttles nötigen Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes und der damit verbundenen Strahlung und bat Wolfgang Puff, deutlich zu machen, dass das nicht nötig sei. "Das ist ein bisschen eine Glaubensfrage - es gibt solche und solche Stimmen", entgegnete dieser. Fakt sei, dass die Shuttles in Kronach auf jeden Fall bis Ende 2021 rein mit 4G-Netz fahren werden. Dies sei möglich, da sie auf einer festen Strecke verkehrten. Eine entsprechende Antenne habe man auf dem Dach des Landratsamts installiert. "Deren Strahlung haben wir auch messen lassen und sie ist so gering, dass sie außerhalb jeder Diskussion liegt", versicherte er. Er stellte aber auch klar, dass autonomes Fahren in größerem Stil künftig nur mit 5G möglich sein werde und die Mobilfunkanbieter seien bereits dabei, sich an den Ausbau zu machen.

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