Kronach Kein Stillstand im „Struwwelpeter“

Studentin Alexandra Rehm, Struwwel-Leiter Samuel Rauch und seine Stellvertreterin Kristina Fritz (von links) erarbeiteten bereits viele Online-Angebote für Jugendliche. Foto: /Heike Schülein

Der Jugend- und Kulturtreff ist auch in der Coronazeit für seine Zielgruppe da. So bietet das Team ein abwechslungsreiches Online-Programm und berät übers Telefon.

Kronach - „Der Lockdown ist schwer für uns als Struwwel und die Jugendlichen“, verdeutlicht der Leiter des Jugend- und Kulturtreffs, Samuel Rauch. Ein Jahr Pandemie sei eine lange Zeitspanne im Leben junger Leute. Man laufe Gefahr, dass sich manche ein neues Umfeld suchten. Das Wichtigste sei es daher, mit jungen Leuten in Kontakt zu bleiben, was derzeit vorrangig nur per Social Media möglich sei. Hierfür entwickelte man digitale Angebotsformen; Teamtreffen finden ebenfalls online statt und auch eine Telefon-Beratung wurde eingeführt.

Fester Bestandteil des Online-Programms sind die Video-Einstellungen jeden Dienstagnachmittag. Unter dem Motto „DIY at home“ gibt das Team praktische „Do it yourself“-Anleitungen und Lifehacks. Hierzu zählen Basteleien und Geschenkideen ebenso wie Kochrezepte sowie praktische Alltagstipps wie das Ausfüllen eines Überweisungsträgers. Interessant ist die Youtube-Podcast-Reihe am Mittwochnachmittag, bei der jede Woche eine andere Person im Umfeld des Struwwels interviewt wird. Bei „Taschis Küchentricks“ zeigt die Hauswirtschafts-Mitarbeiterin Natascha Christmann immer freitagnachmittags Kniffe, vom Zwiebelschneiden bis zum „fröhlichen Nachkochen“ leichter Gerichte. Hinzu kommen unter der Woche Online-Games wie Schach oder TAC, wozu man sich anmelden kann.

Immer erreichbar

An jedem Donnerstag bieten Samuel Rauch und seine Stellvertreterin Kristina Fritz ab 15 Uhr zudem eine Beratung telefonisch oder auch im Chat an. „Das heißt natürlich nicht, dass man sich ansonsten nicht bei uns melden kann. Wir arbeiten im Schichtdienst im fliegenden Wechsel und es ist immer jemand erreichbar“, betonen die beiden. Auch über E-Mail könne man Kontakt aufnehmen. Der Donnerstagnachmittag sei aber eben speziell für Beratung vorgesehen – beispielsweise, wenn junge Leute Hilfe bei einer Bewerbung brauchen.

Sehr in das digitale Angebot bringt sich Alexandra Rehm ein. Die Studentin der Sozialen Arbeit leistet derzeit ihr Praxis-Semester und kann den teils großen Frust der Jugendlichen gut nachvollziehen. „Ich bin total glücklich, hier arbeiten zu können. Wir durften ja die letzten Monate nicht mehr an die Uni, alles ist nur noch online. Es fehlt da einfach die Motivation“, räumt sie ein, wenngleich sie sich ihr Praxis-Semester natürlich auch anders vorgestellt hätte.

Mit dem Zuspruch der neuen Angebotsformen ist man zufrieden. Sehr gut angenommen mit über 70 tollen Einsendungen wurde auch ein erstmals initiierter Foto-Wettbewerb gemeinsam mit der Neuen Presse. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Landkreis sollten dabei die Schönheit des Winters festhalten. Eine Neuauflage zu einem anderen Thema könne man sich gut vorstellen.

„Unsere Angebote zielen darauf ab, dass die jungen Leute kreativ werden“, erklärt Samuel Rauch, dass derzeit bei diesen Langeweile ein Riesenthema sei. Homeschooling betrachteten viele Schüler als „ätzend“, da ihnen der Austausch fehle und sie nicht über Probleme reden könnten. „Die Jugendlichen zeigen große Solidarität und tragen die Einschränkungen seit über einem Jahr mit. Sie sehnen sich nach Normalität“, weiß er. Ihnen möchte man durch die schwere Zeit helfen sowie Zuversicht und Energie vermitteln. Online-Angebote könnten dabei nie den persönlichen Kontakt ersetzen; seien derzeit aber die einzige Möglichkeit, sie bei der Stange zu halten. Dies gelte gerade auch für die Ehrenamtlichen.

Traurig über erneute Verlegung von „Die Festung rockt“

So war das „Festung rockt“-Team extrem enttäuscht, dass das Festival nun schon zum zweiten Mal um ein Jahr verschoben werden musste. Man hoffe nun, dass es 2022 halbwegs „normal“ stattfinden könne, zumal eine „Wahnsinnsarbeit“ hinter dem dann erstmals zweitägigen Event stehe. Ob das 9. Kronacher Afrika-Fest mit in den letzten Jahren rund 2000 Besuchern im Juli stattfinden kann, ist noch ungewiss. Sehr schade sei es um die derzeit brach liegende Jugendbegegnung mit Alba Iulia in Rumänien. Im Sommer 2019 hatte die erste Gruppe rumänischer Jugendlicher Kronach und den Struwwel besucht und gemeinsam hatte man ein spannendes, einwöchiges Programm gestaltet „Im jährlichen Wechsel sollte eine Jugendbegegnung stattfinden“, erzählt Kristina Fritz. Leider konnte jedoch der Gegenbesuch in Transsilvanien bereits 2020 nicht erfolgen. Der Jugendaustausch soll aber weitergeführt werden, wobei es schon digitale Treffen gab.

Auch im Gebäude war man fleißig. Nach der Sanierung im vergangenen Jahr standen noch jede Menge weitere Arbeiten an. Auch hier habe man die Jugendlichen mit einbezogen. In der Krise habe man aber nicht nur viel renoviert und gebaut, sondern sich auch viele Gedanken zur Organisation des Hauses gemacht. Das Ergebnis war ein internes Konzept, das realisiert wird, sobald der Normalbetrieb wieder anläuft. Eine Neuerung ist, dass das Team, sobald es die Situation wieder ermöglicht, selbst zu den jungen Leuten gehen und das Gespräch suchen möchte, beispielsweise an Treffpunkten wie dem Bahnhof oder LGS-Gelände. Auf großen Zuspruch stieß die neue Gruppe „Essen teilen in Kronach“. Damit nicht noch mehr Lebensmittel im Müll landen, geben die derzeit bereits rund 270 Mitglieder via Facebook übrig gebliebenes Essen gratis an andere weiter.

Der Struwwel habe, so die Leitung, viele neue Ideen und auch entsprechende Hygiene-Konzepte. Man stehe parat, sobald es Lockerungen gebe. Dann erwartet die Besucher ein noch coolerer Struwwel, der ohne eine Sommerpause ein durchgehendes Programm anbiete.

 

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