Kronach - Das Thema "Methadon in der Krebsbehandlung" hat in diesem Jahr in den Medien heftige Wellen geschlagen. Diverse Fernsehbeiträge weckten große Hoffnungen bei Patienten und ihren Angehörigen. Es heißt, dass die Gabe von Methadon die Wirkung einer Chemotherapie verstärken und sogar zur Tumor-Rückbildung führen könne. Der Kronacher Onkologe Dr. Peter Anhut ist da vorsichtiger: "Methadon ist in Deutschland bisher gar nicht für die Krebsbehandlung zugelassen, sondern nur zur Drogen-Ersatztherapie", informiert er. Der Grund dafür sei, dass es bislang überhaupt keine aussagekräftigen Studien zum Einsatz bei Krebspatienten gebe. "Wir haben lediglich Einzelfallberichte. Und nur aufgrund dessen kann man nicht auf eine generelle Wirksamkeit schließen", wägt er ab. Schließlich gebe es immer wieder untypische Krankheitsverläufe - völlig unabhängig von irgendwelchen Medikamenten. "Ich rate auf jeden Fall vom unkritischen Einsatz von Methadon ab", warnt er und weist darauf hin, dass es auch Nebenwirkungen geben könne. Über die schlaglichtartige Berichterstattung im Fernsehen sei er schockiert gewesen. "Das war sehr einseitig und es wurden Hoffnungen geschürt, die so nicht gerechtfertigt sind", stellt er klar. Als Mediziner könne man erst dann von der Wirksamkeit eines Medikaments ausgehen, wenn es plausible Gründe dafür gibt - sprich: umfangreiche Studien. Dass in einigen Fernsehberichten behauptet wurde, Ärzte und Pharmaindustrie würden selbige verhindern, da mit dem günstig herstellbaren Methadon nichts zu verdienen sei, habe er als böse Unterstellung und Unsachlichkeit empfunden.
Kronach Onkologe ist kritisch
Julia Knauer 15.12.2017 - 18:18 Uhr