Neukenroth – So eine Disziplin muss man erstmal haben. Als Kultusminister Ludwig Spaenle Mitte August zuletzt den Landkreis Kronach besucht hatte, war er ordentlich in die Mangel genommen worden. Nikolaus Wiegand, prominenter Unternehmer aus Steinbach am Wald, kritisierte den Minister mit launigen Worten dafür, dass der Ankündigung, eine weiterführende Schule im Landkreisnorden einrichten zu wollen, noch immer keine Taten gefolgt seien. Und was machte der Minister? Er schnaufte tief durch – und formulierte positiv gefärbte Durchhalteparolen. Und das, obwohl der Durchbruch zu diesem Zeitpunkt schon greifbar gewesen sein muss. Doch der Minister hielt dicht.
Nun, knappe fünf Wochen später, kam Ludwig Spaenle am Mittwoch wieder in den Landkreis – und konnte die Bombe platzen lassen. Spätestens 2018 soll in Pressig eine Realschule etabliert werden. Das sei das Ergebnis von zweieinhalb Jahren intensiver Verhandlungen zwischen dem Kultusministerium und den Verantwortlichen der Frankenwald-CSU. Am Anfang sollen es lediglich Klassen der fünften Jahrgangsstufe in einer Außenstelle sein, im Laufe der Jahre werde das „zarte Pflänzchen“, wie Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner das Vorhaben nannte, hoffentlich wachsen – und schließlich zu einer selbstständigen Realschule werden. Im Jahr 2024 könnte der erste Jahrgang seinen mittleren Schulabschluss in Pressig ablegen.
Die Erleichterung darüber, endlich den gordischen Knoten durchschlagen zu haben, war am Mittwoch deutlich zu spüren. Geradezu euphorisch erläuterten der Kultusminister, Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner und CSU-Landratskandidat Klaus Löffler in einer Pressekonferenz in Neukenroth den Fahrplan, an dessen Ende ein Schlussstrich unter eine Jahrzehnte währende Debatte gezogen werden soll. Zuletzt hatte es in den 70er-Jahren konkrete Bestrebungen gegeben, nördlich von Kronach eine weiterführende Schule zu etablieren. Es wurde viel gestritten, aber am Ende gab es eine Mehrheit für ein Schulzentrum in Kronach.
Nun ist beim erneuten Versuch der Streit zwar auch nicht ganz ausgeblieben. Allerdings beschränkte er sich auf die pädagogische Ausrichtung der Schule. Dass es eine neue Einrichtung im Norden braucht, in dieser Frage bestand allseits Einigkeit zwischen den Parteien. So vertritt die SPD im Landratswahlkampf ihr Konzept einer Gemeinschaftsschule im Landkreisnorden, weil alle anderen Schulformen nach Ansicht der Sozialdemokraten bestehende Einrichtungen gefährden könnten. Die CSU hingegen lehnt diesen pädagogischen Ansatz strikt ab. Das betonte am Mittwoch auch Kultusminister Ludwig Spaenle noch einmal. Die Gemeinschaftsschule helfe den Schwachen nicht, schwäche aber die Starken. Es sei daher sinnvoller, am dreigliedrigen Schulsystem festzuhalten. Das schließe jedoch verstärkte Zusammenarbeit nicht aus. Aus diesem Grund soll es auch ein Kooperationsmodell geben: Die Mittelschule Pressig und die neue Realschule sollen als eigenständige Einheiten in einem Gebäude untergebracht werden. In welchen Bereichen man zusammenarbeite, sei nicht politisch vorgegeben, sondern könne von den jeweils Verantwortlichen festgelegt werden.
Generell wolle man versuchen, die neue Schule ohne politischen Druck zu etablieren. Das betonte Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner. So soll die Projektgruppe, die Rektorin Christa Bänisch leiten wird, nicht mit Politikern besetzt werden. Auch wolle man keine Lehrer zwangsversetzen, sondern auf Freiwilligkeit setzen. „Es ist ungemein wichtig, dass ein Schulstandort akzeptiert wird“, sagte der Abgeordnete – auch von den Schülern. Deshalb beginne man mit der fünften Jahrgangsstufe. Nach der vierten Klasse stehe sowieso ein Übertritt an. Müssten Kinder und Jugendliche später die Schule wechseln, verlören sie ihr soziales Umfeld. Dies werde so vermieden.
Aus einem ähnlichen Grund habe man Pressig als Standort ausgewählt. Auch hier spielt die Akzeptanz eine große Rolle. Natürlich hätte man auch noch weiter in den Norden gehen können. Doch in Elternbefragungen habe Pressig eine breitere Zustimmung erfahren als andere Orte. „Pressig ist im Landkreisnorden akzeptiert und über Bahn und B 85 bestens angebunden“, erklärte Baumgärtner. Dadurch sei gewährleistet, dass auch die Schülerbeförderung problemlos gelinge. Das ist auch Landrat Oswald Marr, SPD, wichtig. Er wies in der Pressekonferenz darauf hin, dass die geografische Lage des Kreises lange Wegstrecken unumgänglich mache. Umso besser sei es, „eine gemeinsame Schule im Mittelpunkt“ zu haben.
Da der Landkreis Kronach Schulaufwandsträger der Maximilian-von-Welsch-Realschule ist, müssen auf seiner Ebene nun die nötigen Schritte für den formalen Antrag auf Errichtung einer Außenstelle in die Wege geleitet werden. Wie der Landrat betonte, falle dies in die Zuständigkeit des Schul- und Kulturausschusses. Dieser werde sich eng mit der Projektgruppe abstimmen.
Landratskandidat Klaus Löffler, der seit rund einem Jahr eng in die Verhandlungen mit dem Kultusministerium eingebunden ist, begrüßte die Grundsatzentscheidung für die Einrichtung einer Realschule, weil der Landkreis davon in vielerlei Hinsicht profitiere. So könne man nicht nur die Schulwege für die betreffenden Kinder und Jugendlichen verkürzen, sondern langfristig auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Schließlich sei eine gut ausgebaute Bildungs-Infrastruktur für Fachkräfte ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl von Arbeitsplatz und Wohnsitz. Jürgen Baumgärtner ergänzte, dass mit der Ansiedlung einer weiterführenden Schule auch stets eine Aufwertung der Immobilienpreise einhergehe. Dies sei statistisch belegt. Auch vor diesem Hintergrund sei die neue Einrichtung zu begrüßen.
Pressigs Bürgermeister Hans Pietz, FW, sprach von einer „zukunftsweisenden Entscheidung“, die für seine Gemeinde ein Glücksfall sei. Man werde alles dafür tun, für möglichst viele Schüler ein attraktiver Standort zu werden. Das meinte er durchaus auch im wörtlichen Sinne. Der Rathauschef betonte, dass in den nächsten Jahren eine weit reichende Sanierung des Schulgebäudes nötig sei. Das heißt, die neue Schule werde perspektivisch auch in einem neuwertigen Gebäude untergebracht.
Da kann es Hans Pietz auch vergleichsweise locker verschmerzen, dass eine Wirtschaftsschule nun nicht nach Pressig kommt. Dafür habe man gekämpft, habe mit der Realschule jedoch eine andere, „in meinen Augen hochwertigere Lösung“ für die Gemeinde hinbekommen, sagte Landtagsabgeordneter Baumgärtner. Man werde das Ansinnen, im Landkreis Kronach eine Wirtschaftsschule zu etablieren, daher nicht weiter verfolgen.
Nun, knappe fünf Wochen später, kam Ludwig Spaenle am Mittwoch wieder in den Landkreis – und konnte die Bombe platzen lassen. Spätestens 2018 soll in Pressig eine Realschule etabliert werden. Das sei das Ergebnis von zweieinhalb Jahren intensiver Verhandlungen zwischen dem Kultusministerium und den Verantwortlichen der Frankenwald-CSU. Am Anfang sollen es lediglich Klassen der fünften Jahrgangsstufe in einer Außenstelle sein, im Laufe der Jahre werde das „zarte Pflänzchen“, wie Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner das Vorhaben nannte, hoffentlich wachsen – und schließlich zu einer selbstständigen Realschule werden. Im Jahr 2024 könnte der erste Jahrgang seinen mittleren Schulabschluss in Pressig ablegen.
Die Erleichterung darüber, endlich den gordischen Knoten durchschlagen zu haben, war am Mittwoch deutlich zu spüren. Geradezu euphorisch erläuterten der Kultusminister, Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner und CSU-Landratskandidat Klaus Löffler in einer Pressekonferenz in Neukenroth den Fahrplan, an dessen Ende ein Schlussstrich unter eine Jahrzehnte währende Debatte gezogen werden soll. Zuletzt hatte es in den 70er-Jahren konkrete Bestrebungen gegeben, nördlich von Kronach eine weiterführende Schule zu etablieren. Es wurde viel gestritten, aber am Ende gab es eine Mehrheit für ein Schulzentrum in Kronach.
Nun ist beim erneuten Versuch der Streit zwar auch nicht ganz ausgeblieben. Allerdings beschränkte er sich auf die pädagogische Ausrichtung der Schule. Dass es eine neue Einrichtung im Norden braucht, in dieser Frage bestand allseits Einigkeit zwischen den Parteien. So vertritt die SPD im Landratswahlkampf ihr Konzept einer Gemeinschaftsschule im Landkreisnorden, weil alle anderen Schulformen nach Ansicht der Sozialdemokraten bestehende Einrichtungen gefährden könnten. Die CSU hingegen lehnt diesen pädagogischen Ansatz strikt ab. Das betonte am Mittwoch auch Kultusminister Ludwig Spaenle noch einmal. Die Gemeinschaftsschule helfe den Schwachen nicht, schwäche aber die Starken. Es sei daher sinnvoller, am dreigliedrigen Schulsystem festzuhalten. Das schließe jedoch verstärkte Zusammenarbeit nicht aus. Aus diesem Grund soll es auch ein Kooperationsmodell geben: Die Mittelschule Pressig und die neue Realschule sollen als eigenständige Einheiten in einem Gebäude untergebracht werden. In welchen Bereichen man zusammenarbeite, sei nicht politisch vorgegeben, sondern könne von den jeweils Verantwortlichen festgelegt werden.
Generell wolle man versuchen, die neue Schule ohne politischen Druck zu etablieren. Das betonte Landtagsabgeordneter Jürgen Baumgärtner. So soll die Projektgruppe, die Rektorin Christa Bänisch leiten wird, nicht mit Politikern besetzt werden. Auch wolle man keine Lehrer zwangsversetzen, sondern auf Freiwilligkeit setzen. „Es ist ungemein wichtig, dass ein Schulstandort akzeptiert wird“, sagte der Abgeordnete – auch von den Schülern. Deshalb beginne man mit der fünften Jahrgangsstufe. Nach der vierten Klasse stehe sowieso ein Übertritt an. Müssten Kinder und Jugendliche später die Schule wechseln, verlören sie ihr soziales Umfeld. Dies werde so vermieden.
Aus einem ähnlichen Grund habe man Pressig als Standort ausgewählt. Auch hier spielt die Akzeptanz eine große Rolle. Natürlich hätte man auch noch weiter in den Norden gehen können. Doch in Elternbefragungen habe Pressig eine breitere Zustimmung erfahren als andere Orte. „Pressig ist im Landkreisnorden akzeptiert und über Bahn und B 85 bestens angebunden“, erklärte Baumgärtner. Dadurch sei gewährleistet, dass auch die Schülerbeförderung problemlos gelinge. Das ist auch Landrat Oswald Marr, SPD, wichtig. Er wies in der Pressekonferenz darauf hin, dass die geografische Lage des Kreises lange Wegstrecken unumgänglich mache. Umso besser sei es, „eine gemeinsame Schule im Mittelpunkt“ zu haben.
Da der Landkreis Kronach Schulaufwandsträger der Maximilian-von-Welsch-Realschule ist, müssen auf seiner Ebene nun die nötigen Schritte für den formalen Antrag auf Errichtung einer Außenstelle in die Wege geleitet werden. Wie der Landrat betonte, falle dies in die Zuständigkeit des Schul- und Kulturausschusses. Dieser werde sich eng mit der Projektgruppe abstimmen.
Landratskandidat Klaus Löffler, der seit rund einem Jahr eng in die Verhandlungen mit dem Kultusministerium eingebunden ist, begrüßte die Grundsatzentscheidung für die Einrichtung einer Realschule, weil der Landkreis davon in vielerlei Hinsicht profitiere. So könne man nicht nur die Schulwege für die betreffenden Kinder und Jugendlichen verkürzen, sondern langfristig auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Schließlich sei eine gut ausgebaute Bildungs-Infrastruktur für Fachkräfte ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl von Arbeitsplatz und Wohnsitz. Jürgen Baumgärtner ergänzte, dass mit der Ansiedlung einer weiterführenden Schule auch stets eine Aufwertung der Immobilienpreise einhergehe. Dies sei statistisch belegt. Auch vor diesem Hintergrund sei die neue Einrichtung zu begrüßen.
Pressigs Bürgermeister Hans Pietz, FW, sprach von einer „zukunftsweisenden Entscheidung“, die für seine Gemeinde ein Glücksfall sei. Man werde alles dafür tun, für möglichst viele Schüler ein attraktiver Standort zu werden. Das meinte er durchaus auch im wörtlichen Sinne. Der Rathauschef betonte, dass in den nächsten Jahren eine weit reichende Sanierung des Schulgebäudes nötig sei. Das heißt, die neue Schule werde perspektivisch auch in einem neuwertigen Gebäude untergebracht.
Da kann es Hans Pietz auch vergleichsweise locker verschmerzen, dass eine Wirtschaftsschule nun nicht nach Pressig kommt. Dafür habe man gekämpft, habe mit der Realschule jedoch eine andere, „in meinen Augen hochwertigere Lösung“ für die Gemeinde hinbekommen, sagte Landtagsabgeordneter Baumgärtner. Man werde das Ansinnen, im Landkreis Kronach eine Wirtschaftsschule zu etablieren, daher nicht weiter verfolgen.