Kronach Rikscha für Bewohner des BRK-Heims

Heike Schülein
Bufdi Jannik "tritt" für seinen Fahrgast Johanna Strysio in die Pedale. Die Freude bei ihr wie auch bei den Verantwortlichen über die neue E-Rikscha ist groß. Foto: Heike Schülein Quelle: Unbekannt

Bewohner des BRK-Heims in Kronach können sich ab sofort chauffieren lassen, und zwar in einer Rikscha. In die Pedale treten zwar andere, bekommen aber elektrische Unterstützung.

Kronach - Johanna Strysio strahlt über das ganze Gesicht, als ihr Pilot, Bufdi Jannik, an diesem Mittwochnachmittag zu Anschauungszwecken einmal kurz in die Pedale tritt. Ihre Jungfernfahrt hat die neue E-Rikscha mit einer Tour Richtung Dörfles bereits hinter sich. In einem kleinen Festakt wurde der Hingucker mit dem roten Dach nunmehr auch offiziell in Betrieb genommen und von Pfarrer Andreas Heindl sowie Pater Gottfried Hofer mit sorgsamen Worten aus der Bibel unter den Segen Gottes gestellt.

Wer will fahren?

Bei der Senioren-Rikscha befindet sich die Fahrgastkabine vorne; der Pilot tritt hinten in die Pedale. Das Gefährt wird von Betreuungskräften des BRK gefahren, die eine Einweisung erhalten. Eine spezielle Ausbildung braucht es nicht. Wer Interesse daran hat, sich ehrenamtlich als Rikscha-Pilot zu engagieren, kann sich ab sofort bei der Kronacher Mitmachbörse melden. Das Angebot wird demnächst in die Vermittlungsplattform aufgenommen. Ansprechpartnerin hierfür ist Sabine Nuber, Telefon 0 92 61/6 70 93 32, E-Mail: sabine.nuber@kronachcreativ.de, KoBE-KC@kronachcreativ.de.

Gleich mehrere Verantwortliche waren es, die den Heimbewohnern diese ungewöhnliche Art und Weise der Mobilität ermöglichen. Ideengeberin war Sabine Nuber von "Kronach Creativ", die sich gemeinsam mit Rainer Kober, dem Vorsitzenden des Regionalmarketingvereins, ebenso zur öffentlichen Vorstellung des flotten Gefährts einfand wie die Sponsoren, einige Bewohner sowie seitens des BRK Heimleiterin Tanja Seuling und Kreisgeschäftsführer Roland Beierwaltes.

"Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen und Projekten, für die sich Menschen engagieren können", betonte Nuber, die vor rund drei Jahren auf das "Radeln ohne Alter"-Konzept gestoßen war. Dies zielt darauf ab, den Aktionsradius bewegungseingeschränkter Senioren und damit zugleich auch deren soziale Teilhabe maßgeblich zu erweitern. Die Senioren sollen dadurch ein Stück weit mehr Lebensqualität erfahren; zudem jung und alt - Bufdi Jannik ist hierfür ein Paradebeispiel - zusammengebracht werden.

"Die Idee hat mich so angesprochen, dass ich sie nach Kronach bringen wollte", erklärte Nuber, die damit beim BRK-Kreisgeschäftsführer sofort auf offene Ohren gestoßen ist. Trotzdem dauerte es bis zur Umsetzung rund drei Jahre, denn billig ist eine solche - speziell für Senioren konzipierte - Rikscha nicht; beliefen sich doch die Anschaffungskosten auf insgesamt rund 7000 Euro. Für die Umsetzung wurden ein Projekt- und Finanzplan ausgearbeitet, die Koinor-Horst-Müller-Stiftung sowie die Sparkasse Kulmbach-Kronach als Sponsoren gewonnen und schließlich beim Geschäftsführer Martin Renz vom Bike Center Dressel das passende Gefährt geordert. "Ein toller Grundstock ist nun vorhanden. Wir hoffen, dass das Projekt gelebt und umgesetzt wird, damit es wachsen und gedeihen mag", verdeutlichte Nuber.

"Wir möchten unsere Heimat noch liebens- und lebenswerter machen", stellte Horst Müller heraus. Insgesamt brachte seine Stiftung seit ihrem Bestehen rund zwei Millionen Euro unter die Leute, um damit Gutes zu bewirken. Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Klaus-Jürgen Scherr sowie Daniela Krüger und Markus Lieb von der Presse-Abteilung der Sparkasse betonten, wie gerne man diese schöne Idee unterstütze. Der Restbetrag wird vom BRK-Kreisverband selbst getragen.

Herzlich dankten Beierwaltes und Seuling sowohl der Ideengeberin als auch den großzügigen Sponsoren. Die Rikscha solle für Freude und Abwechslung im Betreuungsalltag sorgen. "Es ist toll, wie einem der Fahrtwind um die Nase weht", schwärmte die Heimleiterin, die sich bei der Jungfernfahrt Richtung Dörfles schon mal als "Pedalritterin" erprobt hatte; aber auch als Fahrgast Platz genommen hatte. Neben dem Spaß- und Frischluft-Faktor hätten die Fahrten insbesondere aber auch soziale Komponenten und sorgten für mehr Teilhabe am öffentlichen Leben; gerade auch in der aktuell noch immer nicht einfachen Situation. "Bei uns im Haus können zwar wieder eingeschränkt Besuche stattfinden. Aber unsere Besucher-Regelung ist nach wie vor eine Ausnahme-Regelung", verdeutlichte sie. Ihren Worten schloss sich Johanna Strysio an, die sich - namens aller Bewohner - für die Neuanschaffung ebenso bedankte wie für die gute Betreuung und Pflege gerade auch in den letzten Wochen der Corona-Pandemie.

Das Konzept der Senioren-Rikschas kommt aus dem fahrradbegeisterten Dänemark. Ein Mann namens Ole Kassow war dort auf dem Weg zur Arbeit immer an einem alten Mann vorbeigeradelt, der auf einer Parkbank saß; neben sich einen Rollator. Kassow fragte sich, ob der Mann früher wohl genauso gerne Fahrrad gefahren war wie er heute. Er mietete eine Fahrrad-Rikscha, fuhr zum nächsten Altersheim und lud dessen Bewohner zu einer Spritztour ein. 2012 ging in Kopenhagen das erste Gefährt dieser Art an den Start. "Cycling uden alter" ("Radeln ohne Alter") verbreitete sich schnell über das ganze Land.

 

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