Kronach Tarifkonflikt an der Klinik

Die erste Verhandlungsrunde über einen neuen Tarifvertrag an der Frankenwaldklinik hat zu keiner Einigung geführt. Foto: Anja Barthen

Ein erstes Angebot der Geschäftsleitung wird vom Betriebsrat als Affront zurückgewiesen. Verdifordert unter anderem hohe Corona-Boni.

Kronach - An der Helios-Frankenwaldklinik haben Tarifverhandlungen begonnen. Das teilt Betriebsratsvorsitzender Manfred Burdich mit. Die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft Verdi habe den Vergütungstarifvertrag zum 30. September vergangenen Jahres fristgerecht gekündigt. „Seitdem befindet sich der Tarifvertrag in Nachwirkung“, wie es in der Mitteilung heißt.

Die Gewerkschafter aus Kronach hätten in der Folge für die Beschäftigten der Klinik eine Lohnerhöhung von insgesamt sieben Prozent gefordert – bei einem Mindestsockelbetrag von 200 Euro. „Die Gewerkschafter wollen hier insbesondere die unteren Einkommensgruppen stärken. Bei der Findungsdiskussion zur Tarifforderung war es den Gewerkschaftern auch wichtig, dass alle an der Notfallversorgung beteiligten Berufsgruppen vergütungstechnisch gleichgestellt werden.“ Darüber hinaus fordere Verdi einen deutlichen Coronabonus für die Beschäftigten an der Klinik, die sich bei der Versorgung von an Covid-19 erkrankten Patienten „an vorderster Front befanden und somit einem erhöhten Infektionsrisiko und einer höheren Arbeitsbelastung ausgesetzt waren“. Diese Mitarbeitergruppe soll nach den Vorstellungen der Arbeitnehmervertreter „einen deutlichen Coronabonus in Höhe von 1500 Euro erhalten. Für Mitarbeiter, die nicht mit Covid-Patienten konfrontiert waren, soll der Bonus 800 Euro betragen.“

Klinikchef verweist auf drohende Schieflage

Die verhandlungsführenden Verantwortlichen der Frankenwaldklinik Kronach, allen voran Geschäftsführer, hätten die Forderungen der Gewerkschaft als deutlich überzogen zurückgewiesen, wie der Betriebsratsvorsitzende schreibt. Demnach habe die Geschäftsführung auf eine drohende Schieflage des Krankenhauses hingewiesen. „Die Aussage des Klinikgeschäftsführers verwundert die Verdi-Tarifkommission, zumal die Helios Frankenwaldklinik Kronach im letzten Jahr mit einem Gewinn von über drei Millionen abgeschlossen hat“, kommentiert Manfred Burdich. Für den Zeitraum von Oktober 2020 bis März 2021 habe die Klinikleitung überhaupt keine Tariferhöhung angeboten. „Die Beschäftigten sollen hier gerade in der sehr intensiven Zeit der Bekämpfung der zweiten Welle der Corona-Pandemie vollkommen leer ausgehen“, kritisiert Burdich. Lediglich ein symbolischer Bonus von 400 Euro sei von der Arbeitgeberseite angeboten worden. „Zum 1.4.2021 bot dann die Klinikleitung eine lineare Gehaltserhöhung von 1,8 Prozent an, zum 1.3.2022 sollen die Löhne noch einmal um zwei Prozent steigen.“

Bei einem derzeitigen Reallohnverlust und den zu erwartenden Steigerungen der Lebenshaltungskosten zur kommenden Finanzierung der Folgen der Corona-Pandemie „ist dieses Angebot für die Gewerkschafter inakzeptabel“. Im Gegenteil: Das Arbeitgeberangebot wird nahezu als Affront gegen die Beschäftigten der Helios-Frankenwaldklinik gewertet. Die Tarifkommission unter der Verhandlungsführung von Kathrin Weidenfelder erarbeite nun ein Gegenangebot, das die berechtigten Interessen der Beschäftigten berücksichtigt. Kathrin Weidenfelder hierzu: „Wir sind keinesfalls die Betonköpfe, als die wir gerne hingestellt werden. Aber es muss klar sein, dass die Beschäftigten im Gesundheitswesen mehr verdient haben als ein fragwürdiges Almosen und öffentlichkeitswirksamen Applaus.“ red

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