Kronach Von Cranach beeindruckt

Heike Schülein

Die Internationalen DruckKunstWochen sind eröffnet. Neben Ausstellungen gibt es in der Alten Markthalle auch eine offene Werkstatt. Besucher können dort schauen, staunen und selbst Holzschnitte anfertigen.

Als Hofmaler des Kurfürsten leitete Lucas Cranach d. Ä. ab 1505 eine sehr produktive Werkstatt in Wittenberg. Aus dem vielfältigen Schaffen des Großmeisters sind seine Werke der Malerei sowie Druckgrafik am bekanntesten. Im Rahmen der Internationalen DruckKunstWochen widmen sich nunmehr, 500 Jahre später, renommierte Künstler in Kronach ebenfalls dieser so facettenreichen „Holzschnitt“-Technik.

„Für Lucas Cranach war der Holzschnitt die einzige Möglichkeit, Arbeiten in hohen Auflagen zu drucken“, erläuterte Ingo Cesaro, der sich mit dem einzigartigen Kunstprojekt an den von ihm für die Stadt Kronach organisierten Internationalen Lucas-Cranach-Preis anhängt. Pandemiebedingt hatte dieser 2019/2020 nur eingeschränkt durchgeführt werden können. „Bereits damals hatte ich die Idee, den Teilnehmern einen Raum in Kronach zu bieten, in dem sie ein paar Tage arbeiten können“, so der Kunstvermittler, der hierzu dann auch die Teilnehmer des Lucas-Cranach-Preises einlud. Als Thema gab er im weitläufigen Rahmen die Jubiläen „550. Geburtstag Lucas Cranach d. Ä.“ und „500 Jahre Septembertestament“ vor. Die Geschwindigkeit, mit der der Reformator das Neue Testament übersetzt habe, sei ebenso kaum vorstellbar wie die Tatsache, dass die 3000 Exemplare in lediglich drei Monaten gedruckt und in kürzester Zeit unter die Leute gebracht worden seien; damals ja noch per Postkutsche.

Welcher Aufwand sowie Können hinter dem Hochdruck-Verfahren stehen, ist seit Montag in der zur offenen Werkstatt umfunktionierten Alten Markthalle des Historischen Rathauses zu erleben. Vier Wochen lang werden dabei bis zum 16. Oktober im lockeren Wechsel Künstler aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz Holzschnitte in verschiedenen Techniken anfertigen.

Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann eröffnete am vergangenen Donnerstag das große Ereignis im Beisein zahlreicher Vertreter aus Politik, des öffentlichen Lebens, der Kirche sowie weiterer Kunstinteressierter. Herzlich dankte sie den Förderern beziehungsweise Kooperationspartnern, darunter die beiden heimischen Banken, die VHS Kronach sowie die Lucas-Cranach-Campus-Stiftung. „Das ist ein sehr gelungener Beitrag zum Lucas-Cranach-Jahr“, würdigte sie die Einbettung in das heuer in Kronach mit einem bunten Programm gefeierte Cranach-Doppeljubiläum. Ihr Dank galt vor allem dem Ideengeber Ingo Cesaro, der das Highlight für den Verein „Regionale Kunstförderung Kronach“ in enger Zusammenarbeit mit dem Tourismus- und Veranstaltungsbetrieb der Stadt Kronach organisiert. Ihren Worten schloss sich die zweite weitere Stellvertreterin des Landrats, Edith Memmel, an. Diese lobte vor allem, wie Cesaro alle Generationen in seine Projekte einbezieht.

„Mir ist wichtig, dass Kunst hier passiert“, bestätigte der Initiator. In der Alten Markthalle können daher Besucher den Kunstschaffenden über die Schulter schauen oder sich auch selbst, von diesen angeleitet, im Holzschnitt probieren. Alle Gäste erwarten aber auch zwei Ausstellungen: Cesaros Internationales Mail-art-Projekt „Cranach“ und Editionen der Neuen Cranach Presse. Im Frühjahr hatte der Kultur-Aktivist 400 Mail-art-Künstler aus der ganzen Welt eingeladen, sich mit den Themen des Doppeljubiläums zu beschäftigen – mit großem Erfolg. Cesaros Tochter Inga Schlesinger gelang nun eine spannende Installation, indem sie über 500 Arbeiten an Fäden hing. Darüber hinaus zeigt Cesaro rund 80 teilweise bibliophile Editionen seiner Neuen Cranach Presse.

Die Ausstellung ist noch bis 16. Oktober täglich von 11 Uhr bis 17 Uhr zu sehen. Vom 19. bis 25. September arbeiten Wilhelm Schramm (Österreich), Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein/Halle, Katrin Magens (Dannenberg/Elbe) in der offenen Werkstatt, vom 26. September bis 2. Oktober Titi (Niederlande), Menno Fahl (Berlin), Georg Brinkies (Schliersee), Susanne Geel (Mainz) und Manfred Schmidt (Köln) sowie vom 3. bis 8. Oktober Brigitte Iseli (Schweiz), Woldemar Fuhrmann (Nürnberg), Anke Lohrer (Düsseldorf), Marc Taschkowsky (Berlin) und Sonja Hinterreiter (Österreich). Vom 9. bis 16. Oktober sind Siegfried Gwosdz (Schwielowsee) und Gabi Dahl (Herten-Westerholt) vor Ort.

 

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