Kronach Von Menschen und Räumen

Barbara Lidfors lenkt den Blick auf die Schönheit im Alltäglichen wie bei ihrem Bild "Drei Strohhalme" (40 x 80 cm, Öl auf Leinwand). Foto: Karin Elsel

Die Künstlerin Barbara Lidfors bildete den Auftakt im Ausstellungsjahr 2005 im Kronacher Kunstverein. Hier präsentierte sie ihre subjektiv-realistischen "Menschenbilder".

Kronach - Es ist eine Situation, wie sie sich tagtäglich in den Cafés abspielt. Eine junge Frau sitzt vor ihrem Getränk. Sie blickt sinnierend zur Seite. Ist sie in Gedanken versunken - oder folgt sie schweigend einem Gespräch am Tisch? Wir wissen nicht, ob noch jemand bei ihr sitzt. Neben ihrem Glas stehen noch zwei weitere. In jedem steckt ein Strohhalm. Offenkundig war die junge Frau gerade noch in Begleitung. Vielleicht hatte sie sich mit ihren Freundinnen getroffen, die schon den Tisch verlassen haben? Die Situation ist banal. Aber die junge Frau zieht den Blick auf sich. Sie hat ein hübsches, ebenmäßiges Gesicht, das von einem bunten Schal schön unterstrichen wird. Der Betrachter des Bildes ist ihr nahe. Der Eindruck entsteht, als säße man ihr direkt gegenüber. Und dennoch gibt es eine Distanz. Sie hat ihren Blick abgewandt; ihre Aufmerksamkeit geht in eine andere Richtung. Im echten Leben würde man versuchen, den Gesprächsfaden mit ihr aufzunehmen.

Barbara Lidfors, eine amerikanische Künstlerin skandinavischer Herkunft, die in Fürth lebt, ist bekannt für ihre Menschenbilder. Die international renommierte Kunstprofessorin zeigt "Otto-Normalbürger" verschiedener Kulturkreise, die für gewöhnlich nicht im Blickpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Lidfors konzentriert sich auf Gestik, Mimik, auf Anzeichen von Gefühlen und Sehnsüchten und schafft mit ihren Bildern eine Dokumentation von Lebenswirklichkeit. Dabei spielt der Bezug zu den jeweiligen Situationen und Räumen eine wesentliche Rolle. So zeigt sie Menschen im öffentlichen Raum, auf großen Plätzen, in Fußgängerzonen, in Shoppingmalls, Parks und Biergärten; sie porträtiert sie beim Besuch in Galerien und Museen; beobachtet sie in den eigenen vier Wänden, beim Hausputz, am Schreibtisch oder beim Plausch mit Freundinnen und sie zeigt Porträts, die an der formal glatten Oberfläche nicht haltmachen, die auch ein Stück Seele der Porträtierten freilegen.

Grundlage ihrer meist mit Öl auf Leinwand gemalten Bilder ist die Fotografie, die ihr hilft, die Realität noch besser zu erfassen und zu interpretieren. Die Fotografien erstellt die Künstlerin selbst. Sie entstehen in ihrem Alltag an den verschiedenen Wohnorten in und außerhalb Europas und im Rahmen von Auslandsreisen. Sie sind, so Lidfors, Dokumente ihrer eigenen Lebensgeschichte. Die gemalten Bilder sind aber keineswegs exakte Kopien der Fotos, sondern subjektiv-realistische Reflexionen. "Was ich gerade sehe, wird zum Anfangspunkt meiner Ma-lerei. Ich interessiere mich dafür, Menschen zu malen: Wie sie leben, wie sie miteinander umgehen und wie sie von ihrer Umgebung beeinflusst werden. Über die Jahre hinweg habe ich mehrere figürliche Bilderserien gemalt, die die unterschiedliche Art und Weise beleuchten, in der Menschen mit den gewöhnlichen Vorkommnissen des Alltags umgehen. Mithilfe dieser fragmentarischen gemalten Zeitaufnahmen versuche ich, den alltäglichen Abläufen eine Allgemeingültigkeit zu verleihen, die zum Nachdenken einlädt", so die Künstlerin. Sie führt dem Betrachter die Vielfalt menschlicher Existenz vor Augen. Mit ihren Darstellungen von Menschen unterschiedlicher Ethnien ist die Künstlerin zudem eine Botschafterin zwischen den Kulturen. Die Künstlerin wurde mehrmals mit dem Nürnberger Nachrichten-Kunstpreis ausgezeichnet. Ihre Bilder sind in namhaften Galerien und Sammlungen in Deutschland und den USA zu sehen.

 

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