Kronacher Freischießen Autoscooter ist Kult

Rainer Glissnik

Seit 40 Jahren kommen Raimund und Luise Krug schon mit ihrem Autoscooter zum Kronacher Freischießen. Das Fahrgeschäft trotzte dabei allen Moden – aus gutem Grund.

Wohl schon so manches Pärchen hat sich beim Kronacher Freischießen mit einem gehörigen „Rums“ kennengelernt: Autoscooterfahren – das ist eben viel verbindender, als man auf den ersten Blick erkennt. Die erste Fahrt gibt es meistens an der Seite der Eltern oder Großeltern, schließlich steuert man mit Freund oder Freundin ins Vergnügen – und irgendwann sitzt dann auf einmal ein tolles Mädel oder Bursche neben einem. „Willst du mit mir fahren?“ geht halt auch heute immer noch leichter über die Lippen als „Willst du mit mir gehen?“.

„Der Autoscooter ist Kult“

„Der Autoscooter ist einfach Kult“, sagt dann auch Raimund Krug, der seit 40 Jahren mit seinem Fahrgeschäft nach Kronach kommt und somit wohl unbestritten zum festen Inventar des Schützenfestes gehört. „Die jungen Leute begegnen sich, der Junge lädt das Mädchen ein – so ist es noch immer“, schmunzelt er.

Dabei hat der Autoscooter alle Moden überlebt. Ihren Siegeszug hierzulande hatten die kleinen, wendigen und selbstfahrenden Autos auf der „Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ in Düsseldorf 1927 gestartet. Das war damals die größte Messe der Weimarer Republik, die ein halbes Jahr dauerte. Schon früher dran waren einmal wieder die Amerikaner: Bereits 1906 düste man im amerikanischen Vergnügungspark „Coney Island“ damit herum. 1919 entstand dann die netzartige Oberleitung.

Selbst Schallplatten aufgelegt

„Meinen Autoscooter habe ich jetzt seit 1978“, erzählt Raimund Krug, der sich natürlich darüber freut, dass sein Fahrgeschäft weiterhin so beliebt ist. „Ich bin als Schaustellerkind geboren. Mein Vater hatte eine Schießbude, später einen Kleinkinderflieger. Für mich war es ein Kindheitstraum, einen Autoscooter zu bekommen. Es war ein Glück, dass ein Kollege damals aufhörte und ich ihn übernehmen konnte“, erinnert er sich. Damals habe er auch noch Schallplatten aufgelegt und und als DJ fungiert, damit die Leute zu flotter Musik fahren konnten.

Der Autoscooter als älteres Fahrgeschäft sei mittlerweile sehr aufwendig in der Unterhaltung. Bei jedem Umsetzen des Standorts seien sechs Transporte nötig. Personal und Energiekosten kämen dazu. Und die seien stetig gestiegen. Die jüngste Explosion der Energiekosten machten natürlich den Schaustellern das Leben doppelt schwer. Dennoch: Raimund Krug will sich die Freude an seinem Autoscooter nicht nehmen lassen.

Fahrzeuge müssen gepflegt werden

Beim Aufbau sei er voll in seinem Element, erzählt er. Modernere Fahrgeschäfte als seines seien natürlich inzwischen hydraulisch und klappten sich auf dem neuen Platz mehr oder weniger „von selbst“ auf. Sie stünden mit wenigen Handgriffen. „Ich habe aber ein älteres, dafür aber wunderschönes Geschäft“, sagt er. Auch die Pflege der Fahrzeuge sei enorm wichtig. „So ein Scooter kostet heute mehr als 7000 Euro“, merkt Raimund Krug an.

Langsam, so sagt er, werde es Zeit, an eine Weitergabe zu denken. Seine Frau Luise und er würden sich überlegen, ob man nicht die Jugend ans Steuer lassen solle. „Mein Schwiegersohn würde das gerne einmal übernehmen und wir werden ihn nächstes Jahr mit in den Betrieb hineinnehmen.“ Enkel Charles flitzt in den Sommerferien auch schon beim Scooter herum.

 

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