Kronacher Plessi-Turm Er leuchtet wieder

Seit 2015 waren die Fernseher des Kronacher Plessi-Turms abgeschaltet. Nun wurden sie ausgetauscht und sind seit Dienstag wieder in Betrieb. Einfach war das nicht.

Man hätte meinen können, hoher Besuch habe sich angekündigt: Hatte sich doch so ziemlich alles, was in Kronach Rang und Namen hat, am Dienstagabend gegen 20 Uhr am Eingang des Landesgartenschau-Geländes versammelt – Lokalpolitiker, Blasmusik, alle drei Altbürgermeister, Sparkassen-Vertreter und und und. Doch ein bedeutender Staatsmann oder Rockstar wurde nicht erwartet. Vielmehr ging es um ein Kunstwerk, das fortan endlich wieder in ganzer Pracht erstrahlt: der Plessi-Turm, auch bekannt als „Waterfire“. Diesem Namen macht er nun wieder alle Ehre.

Weltweit erste Video-Skulptur für den Außenbereich

Am 21. Juni 2002 – also exakt am Dienstag vor 20 Jahren – war der Turm feierlich eingeweiht worden, wie Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) zurückblickte. Der weltbekannte Künstler Fabrizio Plessi aus Venedig sei damals höchstpersönlich in Kronach zu Gast gewesen. „Wir haben hier immerhin die erste dauerhaft installierte Video-Skulptur für den Außenbereich der Welt“, betonte sie. Somit sei das Kunstwerk von internationaler Bedeutung.

Röhren konnten nicht mehr ersetzt werden

Ursprünglich sei es mit insgesamt 30 Röhren-Fernsehern der Firma Loewe versehen gewesen. Auf der einen Seite des Turms zeigten sie herbfließendes Wasser, auf der anderen loderndes Feuer. „Irgendwann konnten die Röhren nicht mehr ersetzt werden. Deshalb wurden sie 2015 abgeschaltet“, blickte Angela Hofmann zurück. Glücklicherweise habe sich eine Arbeitsgemeinschaft zur Wiederinbetriebnahme gegründet und der Stadtrat habe die notwendigen Mittel bereitgestellt. Nur so sei es möglich, dass der Plessi-Turm nun endlich wieder in voller Pracht erstrahle – und das sogar mit modernster LED-Technik.

Künstler schwer erreichbar

Doch einen Haken habe es gegeben: Ohne die Einwilligung des Künstlers hätten keine Änderungen vorgenommen werden dürfen. Dem früheren Loewe-Pressesprecher Roland Raithel sei es schließlich gelungen, Kontakt zu Fabrizio Plessi aufzunehmen – das sei zuvor, trotz mehrmaliger Versuche, niemandem sonst geglückt.

Sehen Sie hier ein Video von Bernd Meusel:

Freude für die Menschen

„Kronach leuchtet. Und der Plessi-Turm auch wieder“, freute sich der stellvertretende Landrat Gerhard Wunder (CSU). Es sei wichtig, im Bereich der Kunstszene wieder ein Zeichen zu setzen. Außerdem könnten die Menschen Dinge, die sie erfreuen, gut gebrauchen – gerade in der jetzigen Zeit. Nicht zuletzt trage der Einbau der LED-Bildschirme auch noch zur Klimafreundlichkeit des Kunstwerks bei.

Zeichen für Natur und Kultur

Roland Raithel bezeichnete den Turm als „Werk der Gegenwartskunst von Weltrang“, das nun endlich wieder erstrahle. Er erinnerte daran, dass der Entwurf von Fabrizio Plessi beim damaligen Künstler-Wettbewerb gleich begeistert habe. „Das Wasser ist ein Zeichen für die Natur, das Feuer für Kultur. So stellt der Turm eine perfekte Verbindung zwischen LGS und der Stadt her“, ging er auf die Bedeutung des Werkes ein. Außerdem habe die Idee, Fernseher einzubauen, hervorragend zur Firma Loewe gepasst, die vor 20 Jahren gemeinsam mit der Sparkasse, der Stadt Kronach und der Landesgartenschau GmbH den Bau gesponsert und unterstützt habe.

Im Innern temperiert

Ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt habe der Kronacher Architekt Herbert Müller: „Angesichts der Wucht und Größe des Turms brauchten wir bauliche Unterstützung“, erinnerte sich Roland Raithel. Denn im Prinzip sei das Kunstwerk ein richtiges Bauwerk – und dafür brauche es natürlich Expertenwissen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil „Waterfire“ ganzjährig im Freien steht: „Die Installation ist somit unterschiedlichsten Temperaturen, Regen und Schnee ausgesetzt“, verdeutlichte er. Daher sei der Turm in seinem Innern temperiert.

Schwerlasttransport in drei Teilen

Gut könne er sich noch daran erinnern, als das zehn Meter hohe Kunstwerk in drei Teilen mittels Schwerlasttransport aus Bologna nach Kronach gebracht worden sei. Die rostige Oberfläche sei übrigens volle Absicht: „Sie schützt den darunterliegenden Stahl. Außerdem verändert sich der Turm so nicht: Er sieht heute noch so aus wie vor 20 Jahren.“ Umso mehr musste Roland Raithel schmunzeln als er aus einem Leserbrief zitierte, der – mit Bezug auf den Rost – kurz nach dem Bau des Turms in der Zeitung zu lesen gewesen sei: „Noch nicht einmal das können die Italiener.“

Kunst von Weltrang

Übrigens habe Fabrizio Plessi die Renovierung seines Turms aktiv begleitet. Auch, wenn er selbst nicht vor Ort gewesen sei. „Dank meiner Frau, die recht gut Italienisch spricht, standen wir in engem Austausch“, berichtete Roland Raithel. Für ihn jedenfalls stehe fest: „Kronach steht auch für Kunst von Weltrang. Darauf können wir stolz sein.“

Fabrizio Plessi
Fabrizio Plessi, geboren am 3. April 1940 in Reggio nell’Emilia, ist ein italienischer Installations-, Medien- und Videokünstler. Er stellte seine Inszenierungen unter anderem auf der Kasseler documenta sowie bei der Biennale von Venedig und der Biennale von São Paulo aus und gestaltete für die Weltausstellung Expo 2000 den italienischen Pavillon. Er hatte eine Professur an der Kunsthochschule für Medien Köln für „Elektronische Szenografie“ und war dort von 1990 bis 2000 als Inhaber eines Lehrstuhls für „Humanisierung der Technologien“ tätig. Darüber hinaus entwickelt der Künstler Bühnenbilder für Theater- und Opernaufführungen. An der Brennerautobahn am Brennerpass wurde 2013 das Plessi-Museum eingeweiht. Quelle: wikipedia

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