Kronacher Schwedenprozession Glauben wieder nach „draußen“ tragen

Heike Schülein

Nach der Corona-Pause freuen sich die Gläubigen über ein lebendiges Stück Kronacher Stadtgeschichte. Die Schweden-Prozession zog viele ins Freie.

Noch vor dem Allerheiligsten schreiten die Frauen: Vor fast 390 Jahren erstmals - mit nur wenigen Unterbrechungen - begangen, bietet die Schweden-Prozession in Kronach noch immer diesen außergewöhnlichen Anblick. Der festliche Zug hinauf zur Festung ist aber nicht nur Dank für die Verschonung im Jahre 1634, sondern vor allem auch Bitte für ein friedliches Miteinander der Menschen in der Stadt – und ein Dank an die tapferen Frauen, die im Dreißigjährigen Krieg eine entscheidende Rolle spielten.

Jahr für Jahr lösen die Kronacher ihr damals gegebenes Versprechen ein und machen den Sonntag nach Fronleichnam zum Schweden-Sonntag. In Texten und Gebeten auf dem Prozessionsweg sowie an den Altären werden aktuelle Anliegen in den Fokus gestellt. Zahlreiche Besucher beteiligten sich auch am Sonntag - nach der Corona-Abstinenz der beiden vergangenen Jahre - an der Friedens- und Dankesprozession von der Stadtkirche hinauf zur Festung.

Bewusstsein auf Jesus lenken

Die Prozession solle das Bewusstsein der Menschen auf Jesus lenken, um dessen positive Ausstrahlung in uns aufzunehmen - Dazu rief Kronachs Stadtpfarrer Thomas Teuchgräber beim morgendlichen Fest-Gottesdienst auf, den er gemeinsam mit Kaplan Dominik Stehl zelebrierte. Während seiner Predigt bezog er sich dabei auf den Psychotherapeuten Karlfried Graf Dürckheim, der allen Dingen und Wesen eine Ausstrahlung bescheinigt. Von Menschen könne eine ungemein gute, aber auch böse Ausstrahlung ausgehen. „Frieden kann man nur dort erleben, wo es gute Ausstrahlung gibt“, appellierte er. Besonders sinnhaft werde die Ausstrahlung Jesu Christi bei der Strahlenmonstranz, bei der vom Zentrum einzelne Strahlen ausgehen. Wenn man an dem Tag das Heilige Brot als Zeichen Gottes Gegenwart - im kleinen Schaufenster der Monstranz - durch die Straßen trage, sollen die nach außen gehenden Sonnenstrahlen auf uns ausstrahlen, uns anstecken und selbst zum Strahlen bringen.

Am Zeichen tiefer Frömmigkeit nahmen von politischer Seite aus Kronachs Bürgermeisterin Angela Hofmann mit ihrem Stadtrat sowie Bundestagsabgeordneter Jonas Geissler teil. Besonderen Glanz erhielt der Tag durch die Anwesenheit zahlreicher Vereine sowie Mitgliedern der Historischen Szene. Auch heuer waren der Prozessionsweg sowie viele Häuser mit Fahnen, reichem Blumenschmuck sowie Kerzen und sakralen Motiven geschmückt. Dies gilt insbesondere auch für die vier wiederum ideenreich ausgestalteten Hauptaltäre, die den Gläubigen viele spirituelle Impulse schenkten.

Jugend gestaltet ersten Altar

„In welcher Welt leben wir?“, fragte die Katholische Jugend, die traditionell für den ersten Altar am Krieger-Ehrenmal am Fuße der Festung verantwortlich zeichnet. Die jungen Leute äußerten ihre persönlichen Ängste, einhergehend mit dem derzeitigen Ukraine-Krieg. „Der Krieg in der Ukraine beschäftigt mich viel mehr als Kriege in weiter entfernten Ländern. Ich hätte nie gedacht, dass die Großmacht Russland einen Krieg beginnt“, meinte ein Jugendlicher. Andere hatten Angst davor, was geschehe, wenn Putin merke, dass er den Krieg nicht gewinnen könne. Hinzu komme jetzt auch noch eine drohende Hungersnot in Afrika und das Dauerthema Klimawandel. Die Welt scheine aus den Fugen geraten zu sein; überall herrsche Ratlosigkeit – und dass nach den Einschränkungen der Corona-Krise, wenn sie jetzt endlich wieder unbekümmert sein und sich am Leben freuen wollten. Als Gast konnten sie den Bamberger Künstler Delauney begrüßen, der sein bereits beim Kronacher Parkleuchten zu sehendes Kunstwerk „Ohne Frieden ist alles nichts“ am Altar aufgestellt hatte und dessen Hintergründe erläuterte.

Neue Zeitrechnung

Mit der „neuen Zeitrechnung“ beschäftigte sich auch die KAB Kronach, die seit 1982 eine Altarstation auf der Festung ausgestaltet. Eckhard „Joey“ Schneider, KAB-Ortsvorsitzender Georg Barnickel und Dietmar Lang beklagten eine Zeit großer Veränderungen und Überforderung. Allzu schnell werde, so Schneider, die vermeintlich gute alte Zeit glorifiziert. Was könnte allein die Festung Rosenberg alles erzählen – vom 30-jährigen Krieg, dem Hexenwahn, der Pest usw. Die Gestaltung des dritten Altars oblag der Kolpingfamilie Kronach, die heuer das Kampagnen-Motto des Internationalen Kolpingwerks „Kolping ist mir heilig!“ reflektierte, mit dem es um die Heiligsprechung seines Gründervaters Adolph Kolping betet. 30 Jahre nachdem Papst Johannes Paul II. 1991 den Gesellenvater auf dem Petersplatz in Rom seliggesprochen hat, beten Kolpingsmitglieder auf der ganzen Welt darum, dass er vom Papst heiliggesprochen werde. Einige Kolpingmitglieder formulierten hierzu ihre ganz eigenen Gedanken, warum Kolping für sie „heilig“ sei – zum Beispiel, weil er sie in wichtigen Entscheidungen ihres Lebens begleitet und geführt habe; ihnen gezeigt habe, was man mit Mut und Zuversicht alles leisten könne oder auch als Priester über den kirchlichen Tellerrand geblickt und aufgrund persönlicher Lebenserfahrungen jungen Menschen eine echte Lebensperspektive gegeben habe.

Zeugnis gelebten Glaubens

Für den innig-ergreifenden Abschluss des wieder einmal sehr beeindruckenden Zeugnisses gelebten Glaubens sorgen erstmals die Oberministranten und Minis. Die „Aufdiener“ machten sich Gedanken zum Motto des diesjährigen Katholikentags „Leben Teilen“. Für uns Christen ist das Teilen gelebte Nächstenliebe - die vor der eigenen Haustür beginnt und sich über die ganze Erde erstreckt. Was aber seien wir bereit zu teilen und mit wem?

Der Stadtpfarrer dankte allen Teilnehmern und Verantwortlichen für ihr Mitwirken an der Prozession, die vom Jugendorchester Kronach und dem Musikverein Ziegelerden begleitet wurde. Sein besonderer Dank galt den Gestaltern der jeweiligen Altäre.

 

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